Altlast N 28: Linoleumfabrik Brunn am Gebirge
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Mödling Brunn am Gebirge Brunn am Gebirge 1741/2, 1741/3, 1741/10, 1741/11, 1741/12 | Art der Altlast: | Altstandort | Branche: | Verarbeitung von Teer und Teerprodukten und bituminösen Produkten | Betriebsgröße: | 60.000 m² | Betriebszeitraum: | 1878 bis 1974 | Schadstoffe: | PAK, Mineralöl |
Gefährdete Schutzgüter: | Grundwasser | Prioritätenklasse: | 2 | Datum der Altlastausweisung: | 13.10.1998 | Datum der Prioritätenklassifizierung: | 9.6.1999 | Art der Sanierungsmaßnahmen: | Teilsanierung, Funnel-Gate |
Datum des Eintrages als saniert: | 15.3.2010 | letzte Aktualisierung im Altlastenatlas: | 1.3.2001 |
Beschreibung der Altlast
Übersichtskarte
Der Altstandort "Linoleumfabrik Brunn am Gebirge" befindet sich unmittelbar östlich der Brunner Feldstraße. Nördlich des Altstandortes verläuft die Autobahn A21. Die Fläche des Altstandortes beträgt ca. 6 ha.
Von 1878 bis 1929 wurde am Altstandort Steinkohlenteer aus Gaswerken verarbeitet. Am Altstandort befanden sich u. a. folgende Anlagen: Pechblase, Pechgrube, Teerdestillationsblase und -kessel, Teergruben, Leichtölreinigung, Naphathalinsublimierkammer, -schuppen und -presse, Benzolwäscherei, Waschwassergrube, Ammoniakzisterne, Asphaltrührwerke, Ölkeller. Am Altstandort wurden u.a. folgende Produkte erzeugt: Fette, Benzol, Naphthalin, verschiedene Öle, Pech, Straßenbauteer, Dachpappe, Asphalt
Von 1929 bis 1968 wurde am Altstandort Linoleum erzeugt, wobei bestehende Gebäude der Teerverarbeitung adaptiert wurden. Das Betriebsgelände der ehemaligen Teerverarbeitung wurde im Norden um ca. 18.000 m² erweitert. Ab 1968 wurde der Altstandort als Reifenlager genutzt. Im Jahr 1975 erfolgte der Abbruch der Betriebsanlagen.
- teilweise Anschüttungen bestehend aus Bauschutt, Aushubmaterial, Teer, Teerpappe, Aschen, Schlacken, Kalk, Linoleum (bis zu ca. 3 m mächtig);
- quartäre Kiese und Sande, schluffig (ca. 1,5 bis 5 m mächtig);
- ab ca. 3 bis 6,5 m unter Gelände: tertiäre Schluffe und Tone mit Zwischenschichten bestehend aus Sand, Kies bzw. Konglomerat.
Im östlichen Teil des Altstandortes weist die Oberfläche der tertiären Sedimente eine N-S verlaufende Rinne auf. Östlich dieser Rinne sind die quartären Kiese sehr geringmächtig bzw. nicht vorhanden. Die quartären Sedimente bilden den ersten Grundwasserleiter. Die Durchlässigkeit des ersten Grundwasserleiters beträgt ca. 10-3 bis 10-5 m/s. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt rund 2 bis 4 m. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt im zentralen Bereich des Altstandortes ca. 1 bis 2%. Die tertiären Schluffe und Tone bilden den ersten Grundwasserstauer.
Die lokale Grundwasserströmung ist im westlichen und zentralen Bereich des Altstandortes nach ESE bis E gerichtet und schwenkt dann aufgrund der teritiären Hochlage unmittelbar östlich des Altstandortes nach ESE bis SE um. Die grobkörnigen tertiären Zwischenschichten bilden den 2. Grundwasserleiter. Das Grundwasser der grobkörnigen Zwischenlagen innerhalb der tertiären Sedimente ist teilweise gespannt.
Unmittelbar südlich bzw. südöstlich des Altstandortes befinden sich Industrie- bzw. Gewerbe- und Wohngebiete. Am Altstandort ist die Errichtung eines Büro- bzw. Gewerbeparks geplant. Im unmittelbaren Grundwasserabstrom des Altstandortes existieren im Bereich der Industrie- und Gewerbegebiete mehrere Brunnen zur Wasserhaltung bei Grundwasserhochständen sowie Hausbrunnen, welche den ersten Grundwasserleiter erschließen.
Gefährdungsabschätzung
Am Altstandort wurden von 1878 bis 1929 aus Steinkohlenteer von der Gaserzeugung verschiedene Kohlenwasserstoffprodukte wie z.B. Öle, Fette, Naphthalin, Benzol etc. gewonnen. Typische Schadstoffe für Gaswerksteer sind polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenole und leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe. Ab 1929 bis 1968 wurde am Altstandort Linoleum erzeugt. Die Fläche des Altstandortes beträgt ca. 6 ha.
In den Jahren 1997 und 1998 wurde der Untergrund des Altstandortes durch insgesamt 56 Schürfe und 10 Bohrungen erkundet. Die Untergrundaufschlüsse zeigten, daß am Großteil der ehemaligen Linoleumfabrik künstliche Anschüttungen bis zu ca. 3 m Mächtigkeit vorliegen.
Aus den Untergrundaufschlüssen wurden insgesamt 81 Feststoffproben entnommen und analysiert (Gesamtgehalte und Eluate). In der Tabelle 1 wird für jeden Parameter die Anzahl der Proben, welche als gering belastet, belastet bzw. stark belastet einzustufen sind, angegeben.
| Gesamtgehalt | Anzahl der Proben gering belastet | Anzahl der Proben belastet | Anzahl der Proben stark belastet |
| Summe KW | 6 | 5 | 21 |
| Summe PAK | 4 | 20 | 27 |
| Eluat | |||
| Summe KW | 17 | - | 0 |
| Summe PAK | 23 | 0 | 0 |
| Phenole | 10 | 1 | 3 |
| BTX | 8 | 0 | 2 |
| CSB | 15 | 3 | 3 |
Die Tabelle 1 zeigt, daß bei den Gesamtgehalten die meisten Proben beim Parameter Summe KW und Summe PAK als belastet bzw. stark belastet einzustufen sind. Die maximal festgestellten Analysenwerte betragen für den Parameter Summe KW 254.130 mg/kg TM und für den Parameter Summe PAK 8.063 mg/kg TM. Diese Meßergebnisse stellen Überschreitungen der Maßnahmenschwellenwerte (Summe KW 1.000 mg/kg TM, Summe PAK 100 mg/kg TM) um das ca. 250-fache (KW) bzw. das ca. 80-fache (PAK) dar. Die Kohlenwasserstoff- und PAK-Kontaminationen treten vor allem im zentralen und südöstlichen Teil des Altstandortes auf. Erhöhte bzw. stark erhöhte PAK-Gehalte wurden jedoch auch in Proben vom nordöstlichen Teil des Altstandortes nachgewiesen.
Die durchgeführten Eluatuntersuchungen zeigen, daß bei den Parametern Phenole, BTX und CSB einige Proben als belastet bzw. stark belastet einzustufen sind. Die Gesamtgehalts- und Eluatuntersuchungen von Feststoffproben zeigen, daß die festgestellten Untergrundkontaminationen eine erhebliche Gefährdung für das Grundwasser darstellen.
Im Jahr 1998 wurden an insgesamt 6 Beprobungsterminen Grundwasserproben aus unterschiedlichen Meßstellen am Altstandort und dessen Umgebung entnommen und analysiert. Zur Beurteilung der Grundwasseranalysen erfolgt ein Vergleich der Analysenergebnisse von Proben aus Meßstellen des zentralen bzw. östlichen Teiles des Altstandortes und aus Brunnen im Grundwasserabstrom mit Hintergrundwerten. Der Vergleich der Analysenergebnisse zeigt, daß bei den Meßstellen B7, B9805, B9808 und Möbellager die Analysenwerte der Parameter Summe KW, Phenole, Benzol, BTX sowie Summe PAK und bei der Grundwassersonde B9806 die Analysenwerte für den Parameter Summe PAK signifikant erhöht sind. Beim Parameter Summe LHKW waren die Analysenwerte von Proben aus den Meßstellen B7, B9805, B9806 und Möbellager im Vergleich zu den Hintergrundwerten ebenfalls signifikant erhöht.
Der Vergleich mit den Maßnahmenschwellenwerten zeigt, daß bei o.a. Grundwassersonden alle Parameter (außer Summe LHKW beim Brunnen Möbellager), bei denen eine signifikante Veränderung der Grundwasserqualität festgestellt werden konnte, auch die jeweiligen Maßnahmenschwellenwerte überschritten werden.
Die höchsten Belastungen des Grundwassers wurden bei allen o.a. Parametern ausgenommen Summe LHKW bei der Grundwassersonde B9805 festgestellt. Bei dieser Meßstelle wurden beispielsweise die Maßnahmenschwellenwerte für den Parameter Summe KW (0,1 mg/l) um das 66-fache und für den Parameter Summe PAK (0,2 µg/l) um das 115-fache überschritten. Die höchsten Belastungen durch LHKW sind bei der Grundwassermeßstelle B9806 festzustellen.
Im unmittelbaren Abstrom (Brunnen Möbellager) wurde eine massive Kontamination des Grundwassers festgestellt. Bei zwei im Grundwasserabstrom der Altlast gelegenen Meßstellen (Brunnen Weinegger und Mozgva: ca. 80 bzw. 140 m von Altlast entfernt) konnten keine Verunreinigungen des Grundwassers festgestellt werden.
Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, daß am Altstandort "Linoleumfabrik Brunn am Gebirge" der Untergrund an mehreren Stellen mit Kohlenwasserstoffen stark verunreinigt ist. Die Untergrundverunreinigungen verursachen eine Grundwasserbeeinträchtigung, die auch im Grundwasserabstrom nachgewiesen ist.
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