Altlast N 33 Werft Korneuburg

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Korneuburg
Korneuburg
Korneuburg
768, 769, 533/17, 533/49, 533/57, 533/62, 533/63, 533/64, 533/65, 533/66, 533/67, 533/68, 533/69, 533/70, 533/71, 533/72, 533/73, 533/74, 533/75, 533/76, 533/77, 533/78, 533/79, 915/1, 916/1, 916/2, 917, 1264, 1334/2, 1334/4, 1334/5, 1334/6
Art der Altlast:Altstandort
Branche:Hafenanlage
Betriebsgröße:200.000 m²
Betriebszeitraum:1845 bis 1992
Schadstoffe:KW,
Metalle,
BTX,
PAK
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:3
Datum der Altlastausweisung:6.7.1999
Datum der Prioritätenklassifizierung:2.2.2000
Art der Sanierungsmaßnahmen:Teilräumung,
Bodenluftabsaugung
Datum des Eintrages als saniert:15.10.2009
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:1.3.2000

Beschreibung der Altlast

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Die Werft Korneuburg befindet sich westlich des Stadtgebietes von Korneuburg (sh. Abbildung 3, Übersichtslageplan) zwischen der Autobahn A22 bzw. der Schiffswerftstraße im Nordosten und der Donau im Südwesten. Am Werkstandort wurde von ca. 1845 bis 1994 eine Werft betrieben. Die Fläche des Altstandortes beträgt rund 20 ha.

Am Altstandort befanden sich u.a. folgende Anlagen (sh. Abbildung 1)

  • Slipanlagen nördlich und südlich des Werfthafens,
  • große Schiffbauhalle incl. Anbau,
  • Bauschlosserei, Schmiede,
  • Werkzeugmacherei, Spenglerei, Schmiede,
  • Tischlerei, Lackierbox, Schlosserei,
  • Lackierung, Entfettung,
  • mehrere Farblager,
  • mehrere Lagerplätze, Zentralmagazin,
  • Polyesterbau.

In den verschiedenen Betriebsteilen der Werft wurden u.a. organische Lösungs- bzw. Entfettungsmittel, Mineralöle sowie diverse Farbanstriche und Lacke eingesetzt.

In weiten Teilen der "Werft Korneuburg" existieren künstliche Ablagerungen (Bauschutt, Schlacke, Sande bis Kiese).

Im NE-Teil des Werftgeländes existiert eine Betriebsdeponie (Lage sh. Abbildung 1). Hier wurden rund 25.000 m³ hausmüllähnlicher Gewerbemüll (z.B. Metallschrott, ausgehärtete Polyesterharze, Glas, Kunststoffreste, Schlacken, Fässer, Textilien) abgelagert. Die Mächtigkeit der Ablagerung beträgt bis zu ca. 4 m. Die Ablagerung erfolgte ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz.

Der Untergrund wird am Altstandort wie folgt aufgebaut:

  • künstliche Ablagerungen (bis zu ca. 4 m mächtig),
  • Wechsellagerung aus quartären Sanden, Kiesen und Schluffen bis zu 9 m unter Gelände,
  • quartäre Kiese bis zu 16 m unter Gelände,
  • ab ca. 11 bis 16 m unter Gelände: Sande, Tone und Schluffe (Tertiär).

Die quartären Sedimente bilden den ersten Grundwasserleiter. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt ca. 3 bis 5 m. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters beträgt ca. 10-2 bis 10-4 m/s.

Die lokale Grundwasserströmung ist im Bereich der Werft nach Süden zum Werfthafen gerichtet. Bei hohen Wasserständen der Donau wird der Grundwasserkörper durch Oberflächenwasser gespeist. Dann ist eine Umkehr der Grundwasserströmungsrichtung festzustellen. Der Altstandort befindet sich im Überschwemmungsgebiet der Donau.

© Umweltbundesamt Lageplan Lageplan

Der Altstandort wird teilweise gewerblich genutzt. In der großen Schiffbauhalle werden Kühlschränke gelagert. In der unmittelbaren Umgebung des Altstandortes gibt es keine Grundwassernutzungen. Ca. 2 km östlich der Werft existiert ein Grundwasserschongebiet.

Gefährdungsabschätzung

Am Altstandort wurde von ca. 1845 bis 1994 auf einer Fläche von rund 20 ha eine Werft betrieben. In den verschiedenen Betriebsanlagen der Werft wurden u. a. organische Lösungs- bzw. Entfettungsmittel, Mineralöle und diverse Farbanstriche und Lacke eingesetzt.

Zur Beurteilung der Bodenluftanalysenergebnisse erfolgt ein Vergleich der Analysenwerte mit Orientierungswerten der ÖNORM S 2088-1. In der Tabelle ist die Anzahl der Proben, die als gering bzw. nicht belastet, belastet und stark belastet einzustufen ist, angegeben.

Zuordnung der Bodenluftanalysenergebnisse in Bewertungsklassen

Parameterg. b.b. st. b.
Summe LHKW 20773
Summe BTX21042
Summe KW (C2-C10)21510

g. b. gering bzw. nicht belastet (< Prüfwert)

b. belastet (Prüfwert bis Maßnahmenschwellenwert

st. b. stark belastet (> Maßnahmenschwellenwert)

Die Tabelle zeigt, daß insgesamt 17 Proben durch leichtflüchtige halogenierte, aromatische bzw. aliphatische Kohlenwasserstoffe als belastet bzw. stark belastet einzustufen sind. Entsprechend der Verteilung der Entnahmestellen dieser Proben liegen am Altstandort punktuelle Verunreinigungen durch flüchtige organische Schadstoffe der wasserungesättigten Bodenzone vor.

Zur Beurteilung der durchgeführten Gesamtgehalts- und Eluatuntersuchungen erfolgt ein Vergleich der Analysenwerte mit Orientierungswerten. In der Tabelle 2 erfolgt eine Einteilung der Proben in Bewertungsklassen.

Tabelle 2: Einteilung von Proben der Gesamtgehalts- und Eluatuntersuchungen in Bewertungsklassen

ParameterEluat  Probenanzahl g.b.Eluat Probenanzahl b. Eluat Probenanzahl st.b.
pH-Wert25070
el. Leitfähigkeit25700
CSB24098
Ammonium25330
AOX956-
Phenolindex2100
Summe PAK6042
Summe KW68-2
Arsen105-0
Blei93120
Cadmium105-0
Chrom ges.10500
Kupfer105-0
Nickel105-0
Zink105-0
Quecksilber2600
ParameterGesamtgehalt Probenanzahl g. b.Gesamtgehalt Probenanzahl b.Gesamtgehalt Probenanzahl st. b.
Summe PAK6600
Summe KW237119
Arsen231424
Blei7912474
Cadmium27061
Chrom ges.218563
Kupfer986118
Nickel237391
Zink796929
Quecksilber2600

Die Tabelle 2 zeigt, daß bei den Gesamtgehalten einige Proben beim Parameter Summe KW und zahlreiche Proben bei den Schwermetallen als stark belastet einzustufen sind. Bei den Schwermetallen sind Überschreitungen der jeweiligen Maßnahmenschwellenwerte vor allem bei den Parametern Blei, Zink und Kupfer feststellbar. Die maximal gemessenen Werte bei den Parametern Summe KW bzw. Blei stellen eine 55 bzw. 38-fache Überschreitung der jeweiligen Maßnahmenschwellenwerte dar.

Aufdgrund der festgestellte Gesamtgehalte für den Parameter Summe KW sind am Altstandort punktuell starke Belastungen vorhanden. Bei den Schwermetallen wurden am Festland Maßnahmenschwellenwerte vor allem bei der Betriebsdeponie, der Slipanlage und den östlich bzw. südöstlich angrenzenden Bereichen sowie bei der Tischlerei, Lackierbox und Schlosserei einschließlich der nordwestlich bzw. nordöstlich anschließenden Bereiche überschritten. Im Bereich der Insel waren bei den Schwermetallen Überschreitungen von Maßnahmenschwellenwerten bei der Slipanlage, im SE-Teil des Anbaues zur Schiffbauhalle sowie am Südteil der Insel festzustellen. Die Ergebnisse zeigen auch, daß weitere punktuelle Schwermetallkontaminationen (z.B. NW des Werfthafens, E des Eisenlagerplatzes, NE des Zentralmagazines) am gesamten Areal der Werft möglich sind.

Im Eluat können stark belastete und belastete Proben bei den Parametern CSB sowie vereinzelt bei den Parametern Summe PAK und Summe KW festgestellt werden. Einige Proben sind außerdem bei den Parametern el. Leitfähigkeit, Ammonium, AOX und Blei als belastet einzustufen.

An einer Probenahmestelle unmittelbar NW der großen Schiffbauhalle wurden stark erhöhte FCKW-Gehalte in der Bodenluft, CSB, Ammonium, Summe KW und AOX-Werte im Gesamtgehalt bzw. Eluat gemessen. Da in dieser Halle zur Zeit Kühlschränke gelagert werden, kann diese punktuelle Belastung der wasserungesättigten Bodenzone nicht eindeutig der Werft zugeordnet werden.

Erhöhte AOX-Meßwerte wurden an Proben aus den Bereichen des Farblagers unmittelbar W der Betriebsdeponie und dem Polyesterbau festgestellt.

Zusammenfassend zeigen die Gesamtgehalts- und Eluatuntersuchungen, daß zum Teil massive Kontaminationen des Untergrundes mit Schwermetallen und lokal auch mit Kohlenwasserstoffen bestehen. Diese Belastungen können flächenhafte diffuse Einträge von Schadstoffen in das Grundwasser bewirken und lokal auch Verunreinigungen verursachen.

Zur Beurteilung der Grundwasseranalysen erfolgt ein Vergleich der Analysenergebnisse mit Hintergrundwerten. Als Hintergrundwerte werden Analysenergebnisse von Wasserproben aus der im Westen des Altstandortes gelegenen Meßstelle S3 herangezogen. In der Tabelle 3 werden für Parameter, bei denen zumindest zeitweise erhöhte Meßwerte im Vergleich zum Hintergrund festgestellt werden können, die betroffenen Grundwassersonden angeführt.

Grundwassermeßstellen bei denen zumindest zeitweise erhöhte Meßwerte im Vergleich zum Hintergrund gemessen wurden

Summe KWS1, S2, S4, S5, S8, S10, S11, S17
1,1,1-TrichlorethanS6, S8, S9, S10, S11
TrichlorethenS10
ToluolS4, S10
PhenolindexS1, S2, S4, S5, S6, S7, S8, S10
KMnO4-VerbrauchS10, S11, S12, S13, S14
AOXS4, S8, S10
BleiS5
KupferS7

Die erhöhten Meßwerte bei der GW-Meßstelle 10 bei den Parametern Trichlorethen, Toluol, AOX, Summe KW und KMnO4-Verbrauch stehen im Zusammenhang mit den beim Farblager festgestellten Kontaminationen des Untergrundes durch Kohlenwasserstoffe (Bodenluft bzw. Feststoffuntersuchungen). Die erhöhten AOX-Meßwerte von Grundwasserproben aus der Meßstelle S4 können mit den festgestellten Belastungen des wasserungesättigten Bodens im Bereich des Polyesterbaues und die erhöhten Werte des Parameters KMnO4-Verbrauch bei den Meßstellen S11 bis S14 mit der Betriebsdeponie in Zusammenhang gebracht werden.

Die in den übrigen Meßstellen festgestellte Veränderung der Grundwasserqualität kann nicht eindeutig bestimmten Betriebsanlagen oder Bodenverunreinigungen zugeordnet werden, weist aber auf einen zeitweisen, flächenhaften Schadstoffeintrag im Bereich des Altstandortes hin (sh. Tabelle 3).

Zur Beurteilung der Grundwasserqualität erfolgt ein Vergleich der Analysenergebnisse mit Orientierungswerten der ÖNORM S 2088-1. Maßnahmenschwellenwerte wurden jeweils an einem Beprobungstermin bei den Parametern Summe KW (S4) und Phenolindex (S2, S5 und S7) überschritten. Außerdem sind Prüfwertüberschreitungen an zwei Terminen bei den Parametern Summe KW (S8) und KMnO4-Verbrauch(S10 bis S14) und an einem Termin beim Parameter Phenolindex (S1, S4, S6, S8, S10) festzustellen.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, daß im Bereich des Altstandortes "Werft Korneuburg"

 

  • in mehreren Bereichen großflächige Verunreinigungen des Untergrundes insbesondere der obersten Bodenschichten mit Schwermetallen gegeben sind,
  • einige lokale Kontaminationen durch Schwermetalle bzw. auch durch organische Schadstoffe bestehen und
  • an mehreren Stellen Einträge insbesondere von organischen Schadstoffen in das Grundwasser zu beobachten sind,
  • eine weiterreichende Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser über den Werkstandort hinaus nicht zu erwarten ist.

 

Datum der Texterstellung:    Juni 1999