Sanierte Altlast N 34: Neunkirchner Schraubenwerke

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Neunkirchen
Neunkirchen
Neunkirchen
288/29, 288/22
Art der Altlast:Altstandort
Branche:Metallwarenerzeugung
Betriebsgröße:65.000 m²
Betriebszeitraum:1823 bis 1989
Schadstoffe:CKW,
KW,
Tetrachlorethen,
Trichlorethen,
Cyanid,
Metalle
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:3
Datum der Altlastausweisung:9.7.1999
Datum der Prioritätenklassifizierung:2.2.2000
Art der Sanierungsmaßnahmen:Räumung
Datum des Eintrages als saniert:1.3.2006
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:23.10.2002

Zusammenfassung

Auf einer etwa 6,5 ha großen Fläche im Ortszentrum von Neunkirchen wurde in den Jahren 1823 bis 1989 eine Schraubenfabrik bzw. Gießerei betrieben.

Entsprechend den zahlreichen, unterschiedlichen Anlagen wurde eine Vielzahl umweltgefährdender Stoffe verwendet und gelagert. So wurden vom Standort ausgehende Untergrundbelastungen mit Metallen, Mineralöl und CKW festgestellt sowie Grundwasserverungreinigungen (Sulfat, Cyanid) nachgewiesen. Außerdem wurden punktuell Einträge von CKW in das Grundwasser festgestellt.

Im Zeitraum von Oktober 2001 bis August 2003 erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten, die den Abbruch von Gebäuden, den Aushub des kontaminierten Untergrundes und die Wiederverfüllung mit entsprechendem Material umfassten. Der Sanierungserfolg wurde durch zahlreiche chemische Analysen des Aushub- bzw. Verfüllungsmaterials sowie an der Sohle der ausgehobenen Altlast bestätigt. Mittels Grundwasserbeweissicherung wurde nachgewiesen, dass von der geräumten Altlast keine erheblichen Auswirkungen auf das Schtuzgut Grundwasser mehr ausgehen, geringe Restbelastungen des Untergrundes sind als tolerierbar zu bewerten.

Beschreibung des Altstandortes

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Die "Neunkirchner Schraubenwerke" befinden sich im Stadtzentrum von Neunkirchen unmittelbar südlich der Schwarza. Östlich wird der Altstandort von der Wiener Straße und südwestlich von der Urbangasse begrenzt. Unmittelbar südwestlich der Urbangasse befindet sich die Altlast "Parkplatz Brevillier Urban" (sh. Abbildung 1).

Im Zeitraum von rd. 1823 bis 1989 wurde am Altstandort eine Schraubenfabrik bzw. eine Gießerei betrieben. Die Fläche des Altstandortes beträgt ca. 6,5 ha. Im Bereich Neunkirchner Schraubenwerke befanden bzw. befinden sich u.a. folgende Anlagenteile (sh. Abb. 1):

  • Entgiftungsanlage (Neutralisation und Entgiftung von Galvanikabwässern) und Entfettungsanlage (bis 1980 in Betrieb) im Fassongebäude.
  • Entfettungsanlage (nach 1980 mit Tetrachlorethen in Betrieb).
  • Galvanik (Verzinkung, Vercadmung, Vernickelung, Verkupferung, Chromatierung, Vermessingung).
  • Beizerei (Schwefelsäurebäder, Kalkbad) und Feuerverzinkerei.
  • Neutralisation und Ausfällung der Beizereispülwässer, Schwefelsäuretank.
  • Vergüteanlagen (thermische Härtung in Ölbädern): hier befand sich vor 1972 eine Härterei, Vergüterei und Cyan-Härterei. Die Abwässer wurden in eine Sickergrube (ehemalige Cyangrube, sh. Abbildung 1) eingeleitet.
  • Warmmuttern-Presserei, Warmpresserei, Bolzenschneiderei, Fräserei, Kaltpresserei, Kohlenbunker, Spänebunker, mehrere Öltanks.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts befanden sich im SE-Teil des Altstandortes u. a. folgende Anlagenteile: Gießerei, Gasretortenhaus, Schuppen für Teerfässer, sowie mehrere Magazine und Werkstätten. Der restliche Teil des Altstandortes wurde als Park genutzt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

© Umweltbundesamt Lage von Betriebsanlagen und Grundwassermeßstellen Lage von Betriebsanlagen und Grundwassermeßstellen

Das Gelände des Altstandortes befindet sich am südlichen Rand des Wiener Beckens in einem ebenen Bereich des Talbodens der Schwarza. Am Altstandort ist folgender genereller Untergrundaufbau vorhanden (ausgehend von der GOK):

  • bis zu ca. 5 m unter Gelände – Anschüttung aus Bauschutt, Asche und Schlacke sowie Aushub (Kiese, Sande, Schluffe)
  • bis ca. 10 bis 15 m unter Gelände Kiese (sandig, schluffig, steinig, teilweise konglomeriert), mit zunehmender Tiefe steigt der Feinkornanteil. Am Nordrand des Altstandortes sind die Kiese ca. 20 m mächtig (Grundwasserleiter)
  • darunter wird der Untergrund aus einer ständigen Wechsellagerung von Konglomerat und Sandstein sowie Schluff-, Sand- und Kiesschichten aufgebaut (relativer Grundwasserstauer)

 

Die generelle Grundwasserströmung ist nach Nordnordost bis Nordost gerichtet. Die Schwarza ist nur zeitweise wasserführend, bei Wasserführung der Schwarza wird das Grundwasser mit Oberflächenwasser dotiert. Die Flusssohle der Schwarza liegt auch bei Grundwasserhochständen mehrere Meter über dem Grundwasserspiegel. Der Flurabstand beträgt bei hohen Grundwasserständen zwischen ca. 7 und 11 m.

 

Im Bereich des Altstandortes bildet der relative Grundwasserstauer eine Hochlage aus. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt im Bereich der „Neunkirchner Schraubenwerke“ bei niedrigen Grundwasserständen rd. 20 bis 23 m. Durch die Versickerung von Oberflächenwasser aus der Schwarza und die örtlichen Untergrundverhältnisse (Stauerhochlage) ergeben sich sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Grundwasserständen lokal stark unterschiedliche Grundwasser­strömungsrichtungen.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort war eine Brachfläche. Derzeit ist geplant, den Standort wieder zu nutzen. Im Abstrom der Neunkirchner Schraubenwerke existieren wasserrechtlich bewilligte Grundwassernutzungen (Nutzwasser, Bewässerung).

Gefährdungsabschätzung

Am Altstandort Neunkirchner Schraubenwerke wurde im Zeitraum von ca. 1823 bis 1989 eine Schraubenfabrik bzw. eine Gießerei auf einer Fläche von ca. 6,5 ha betrieben. Entsprechend den zahlreichen, unterschiedlichen Anlagen wurde eine Vielzahl umweltgefährdender Stoffe verwendet und gelagert (z.B. Metalle, Mineralöl, Lösungsmittel, Säuren, etc.).

Bodenluftuntersuchungen in den Jahren 1992 und 1993 ergaben Hinweise auf punktuelle Verunreinigungen des Untergrundes mit leichtflüchtigen Schadstoffen (BTX, CKW).

Als Grundlage für die Bewertung der Ergebnisse der Bodenuntersuchungen wurden die in den Jahren 1992 bis 1999 untersuchten Bodenproben entsprechend den Orientierungswerten der ÖNORM S 2088-1 klassifiziert (sh. Tabelle 1).

ParameterProbenanzahl Eluat g. b.Probenanzahl Eluat b. Probenanzahl Eluat st. b.
pH-Wert6960
el. Leitfähigkeit93110
CSB81177
Sulfat8213-
Nitrat669-
Nitrit64101
Ammonium7410
Phosphat9320
Arsen 7311
Blei 7311
Cadmium7320
Chrom ges.7500
Quecksilber7500
Kupfer 7500
Nickel7410
Zink 7401
Summe KW811610
Phenole7771
Summe PAK 7722
Cyanide (gesamt)10221
Trichlorethen---
Tetrachlorethen---
Summe BTEX---
ParameterGesamtgehalt - Probenanzahl g. b.Gesamtgehalt - Probenanzahl b. Gesamtgehalt - Probenanzahl st. b.
pH-Wert---
el. Leitfähigkeit---
CSB---
Sulfat---
Nitrat---
Nitrit---
Ammonium---
Phosphat---
Arsen 132108
Blei 99501
Cadmium15000
Chrom ges.132180
Quecksilber14820
Kupfer 94506
Nickel138120
Zink 106413
Summe KW845214
Phenole15000
Summe PAK 14730
Cyanide (gesamt)15000
Trichlorethen6010
Tetrachlorethen5902
Summe BTEX5731

g. b. ...gering belastet, Meßwert kleiner als Prüfwertb. .......belastet, Meßwert zwischen Prüfwert und Maßnahmenschwellenwertst. b. ...stark belastet, Meßwert größer als Maßnahmenschwellenwert

Tabelle 1+2: Klassifizierung der Bodenproben entsprechend den Orientierungswerten der ÖNORM S 2088-1

In den oberflächennahen, künstlichen Anschüttungen in großen Bereichen des Altstandortes war eine Metallbelastung vorhanden, wobei punktuell sehr starke Verunreinigungen festgestellt wurden (Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Nickel und Zink).

 

An zahlreichen Probenahmestellen wurden Mineralölverunreinigungen des Untergrundes festgestellt. Eine Abgrenzung mineralölkontaminierter Bereiche war aufgrund der Vielzahl der Anlagen, in denen Mineralöl verwendet wurde, und der örtlich stark unterschiedlichen Messwerte nicht möglich. Die punktuell zum Teil sehr starken Mineralölverunreinigungen wurden verteilt über das gesamte Betriebsgelände festgestellt.

 

An einzelnen Probenahmestellen waren auffällig hohe CKW-Konzentrationen im Untergrund vorhanden (Tetrachlorethen, Trichlorethen). Insbesondere im Bereich einer Entfettungsanlage wiesen die Messwerte auf die Versickerung größerer Mengen von CKW-hältigen Lösungsmitteln hin.

 

In der Nähe der Lagerung und Verwendung von Schwefelsäure wurden in den Bodenproben hohe Sulfatgehalte und erhöhte Leitfähigkeiten festgestellt. Im Bereich der Versickerung cyanidhältiger Abwässer wurden im Untergrund erhöhte Cyanidgehalte festgestellt.

 

Die Untersuchung von Proben aus Gebäudeteilen (Mauerwerk, Boden) bestätigte die bereits augenscheinlich erkennbare, stellenweise massive Verunreinigung von Gebäudeteilen mit Mineralöl. Der in einer Probe festgestellte Metallgehalt wies darauf hin, dass in einigen Gebäudeteilen sehr hohe Metallkonzentrationen zu erwarten sind.

 

In mehreren Grundwassermessstellen im Bereich des Altstandortes wurden im Grundwasser erhöhte Konzentrationen verschiedener Schadstoffe festgestellt (z.B. Tetrachlorethen, Trichlorethen, Cyanid).

 

Eine Beurteilung, in welchem Ausmaß diese Grundwasserverunreinigung durch die auf dem Betriebsareal festgestellten Untergrundverunreinigungen verursacht wird, war aus folgenden Gründen nicht eindeutig möglich:

  • Die Grundwasserströmungsrichtung kann sich zeitlich und örtlich extrem ändern, sodass kein vom Altstandort mit Sicherheit unbeeinflusster Grundwasserbereich existiert.
  • Unmittelbar angrenzend an den Altstandort, in einem Bereich der entsprechend der großräumigen Grundwasserströmungsrichtung im Grundwasserzu­strom­bereich des Altstandortes liegt, befindet sich die Altlast N 27 "Parkplatz Brevillier Urban". Diese Altlast war die Betriebsdeponie der Schraubenwerke, auf der Produktionsabfälle entsorgt wurden, und weist daher ein sehr ähnliches Schadstoffspektrum auf.
  • Im Raum Neunkirchen ist großräumig eine Grundwasserverunreinigung mit Tetrachlorethen vorhanden.

Unter Berücksichtigung der angeführten Randbedingungen konnten die Grundwasseruntersuchungsergebnisse folgendermaßen beurteilt werden:

  • die erhöhten Leitfähigkeiten und Sulfatkonzentrationen waren auf Verunreinigungen im Betriebsgelände zurückzuführen
  • die erhöhten Cyanidgehalte waren zum Teil auf die Versickerung von Abwässern im Betriebsareal, zum Teil auf eine Vorbelastung durch die angrenzende Altlast zurückzuführen
  • die Tetrachlorethen- und Trichlorethengehalte wurden zum überwiegenden Teil durch die großräumige Vorbelastung bzw. durch die angrenzende Altlast "Parkplatz Brevillier Urban" verursacht, aufgrund der festgestellten Untergrundverunreinigung an einigen Punkten im Betriebsgelände waren punktuelle CKW-Einträge aus dem Bereich des Altstandortes anzunehmen
  • eine Verunreinigung mit Metallen oder Mineralöl wurde bisher nicht (Mineralöl) bzw. nur in geringem Ausmaß (Metalle) festgestellt

Sanierungsmaßnahmen

Im Zeitraum von Oktober 2001 bis August 2003 wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Abbruch von auf dem Areal befindlichen Gebäuden
  • Aushub des kontaminierten Untergrundes
  • Vor Ort Sortierung bzw. Zwischenlagerung des sortierten Materials auf dem Areal
  • Entsorgung der kontaminierten Materialien
  • Wiederbefüllung der ausgehobenen Teile des Areals zur Geländeregulierung

Eine detaillierte Beschreibung der Sanierungsmaßnahmen findet sich in der pdf Version der "Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen" die sich in der Info-Box unter "downloads" befindet.

Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen

Durch den Aushub des kontaminierten Untergrundes im Bereich der Neunkirchner Schraubenwerke ist eine weitgehende Reduktion des Schadstoffpotenzials erfolgt. Im Zuge der Aushubmaßnahmen wurden bisher unbekannte zusätzliche Kontaminationen des Untergrundes festgestellt und ebenfalls zum Großteil entfernt. Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen sind in folgenden Teilbereichen des Areals noch Restbelastungen im Untergrund vorhanden:

  • Kohlenwasserstoffe im Bereich Warm-Mutternpresse, Warmpresserei
  • Kohlenwasserstoffe im Bereich KW-Schaden im NO
  • Kohlenwasserstoffe im Bereich Kapelle
  • Sulfatbelasteter verfestigte Bereich im NO
  • Leichtflüchtige chlorierteKohlenwasserstoffe im Bereich Entfettungsanlage

 

Die Restbelastungen des Untergrundes verursachen noch lokal begrenzte Beeinträchtigungen des Grundwassers. Auf Grund der geringen Schadstofffrachten und der hydrogeologischen Gegebenheiten am Standort sind keine erheblichen Auswirkungen auf das Schutzgut Grundwasser vorhanden und auch zukünftig nicht zu erwarten.

 

Zusammenfassend ergibt sich daher, dass am ehemaligen Standort der Neunkirchner Schraubenwerke keine erheblichen Gefahren für das Schutzgut Grundwasser mehr vorhanden sind und die Altlast als saniert zu bewerten ist.