DokumentationAls erster Schritt der Aufarbeitung wurde eine umfassende Dokumentation der Hochwasserereignisse durchgeführt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (HABERSACK & MOSER 2003). In der Dokumentation lag der Schwerpunkt bewusst auf der Darstellung des Ereignisablaufes, wobei die meteorologische Situation, Niederschläge, Abflüsse, Feststoffhaushalt, Schäden und Ereignismanagement inkludiert waren. Die Dokumentation stellte einen ersten Schritt der Aufarbeitung dar, zeigte aber bereits deutlich die Notwendigkeit einer weiteren detaillierten Ursache-Wirkungsanalyse.
Die Kernpunkte einer derartigen Analyse müssen in der Aufarbeitung der naturwissenschaftlichen, technischen, sozio-ökonomischen, ökologischen und politisch/rechtlichen Rahmenbedingungen liegen, verbunden mit der Ausarbeitung von daraus abgeleiteten "lessons learned".
Projekt FloodRisk
Auf dieser Ereignisdokumentation aufbauend wurde eine Kooperation zwischen dem Österreichischen Lebensministerium (BMLFUW), dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und der Schweizer Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ins Leben gerufen, die sich im Rahmen des Projektes FloodRisk mit der Analyse der Vorgänge bei diesem Hochwasser beschäftigte.
In vielen Bereichen zeigt die Entwicklung der letzten Jahrzehnte (z. B. hinsichtlich der Verbauung der für den Hochwasserabfluss erforderlichen Flächen), dass nach früheren Hochwässern (wie 1965/66) trotz der erkannten Problemstellungen offenbar vielfach nicht ausreichende Konsequenzen gezogen wurden. Dabei ist anzumerken, dass sich in jenen Gebieten, wo die Bemessungsgrößen (z.B. HQ100) nicht überschritten wurden, die durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen positiv auswirkten. Probleme gab es in jenen Regionen, wo Niederschläge und daraus resultierende Abflüsse deutlich über einem hundertjährlichen Ereignis lagen und damit ein teilweises Versagen der Anlagen mit nicht genau bekannten Überflutungen sowie sehr kurze Vorwarnzeiten gegeben waren.
Fragen des Restrisikos wurden vor dem Hochwasser 2002 kaum diskutiert. Gleichzeitig erhöhte sich die Vulnerabilität von Siedlungsgebieten und Infrastruktureinrichtungen - nicht zuletzt aufgrund der starken Verbauung in Überflutungszonen, aber auch wegen der nicht angepassten Bautechnik und Nutzungen. Daraus resultieren technische und insbesondere raumplanerische Problemstellungen.
Die Bevölkerung erhielt finanzielle Entschädigungen, wobei die mangelhafte Abstimmung zwischen Versicherungsleistungen und Zahlungen aus dem Katastrophenfonds Diskussionen auslöste und sozioökonomische Analysen einleitete.
Das Problem der sehr kurzfristigen Evakuierungen und entsprechend notwendigen Präventionsmaßnahmen bedingt eine Auseinandersetzung mit den Gefahren aus Hochwässern und relevanten Planungsinstrumenten wie Gefahrenzonenplanungen und Hochwasserfrühwarnsystemen. Hier sind rechtliche Schritte inkludiert und Optimierungen des Katastrophenschutzes notwendig.
Nachdem im Zuge des Hochwassers 2002 an verschiedenen Flüssen signifikante Laufverlagerungen, Erosionen und Anlandungen mit daraus resultierenden Schäden zu beobachten waren, kommt der Geomorphologie in Zukunft verstärkte Bedeutung zu. Die im Zuge von FloodRisk gewonnenen Erkenntnisse führen zu Handlungsmöglichkeiten, die von verbesserten Planungen bis hin zur Berücksichtigung bei der Umsetzung reichen. Hier ist der Querbezug zur Ökologie unerlässlich, da gerade Hochwässer den ökologischen Zustand erheblich beeinflussen und ökologisch orientierte Maßnahmen (z. B. Gewässeraufweitungen) sich durch Extremereignisse, insbesondere infolge morphologischer Prozesse, verändern.
Das Versagen von technischen Bauwerken bedingt ein Hinterfragen der technischen Planungsgrundlagen und Ausführungen sowie den Einschluss der Restrisikofrage.
Es gibt aber auch organisatorische Problemfelder, die beispielsweise in der starken Kompetenzaufteilung begründet liegen und im Sinne einer in der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie im Wasserrecht geforderten Flussgebietsplanung diskutiert werden müssen. |