Vilsalpsee

Ornithologische Bedeutung

 

Entsprechend der großen Fläche und der beträchtlichen Höhenerstreckung treten im Gebiet die unterschiedlichsten Lebensräume der montanen, subalpinen und alpinen Höhenstufe auf. Ebenso vielfältig präsentiert sich auch die Vogelwelt, die durch Brutvögel in der Uferzone des Vilsalpsees zusätzlich bereichert wird.

 

Am Vilsalpsee brüten vier verschiedene Wasservogelarten, eine für die Region der Nördlichen Kalkalpen Westösterreichs erstaunlich hohe Zahl (vgl. Dvorak et al. 1994). Neben dem Haldensee und dem Reintalersee ist er das einzige Brutgewässer des Haubentauchers (Podiceps cristatus) in Tirol (Pegoraro & Föger 1994, Pickl 1996, J. Oberwalder mündl. Mitteilung) und zudem der höchste bekannte Brutplatz Österreichs (Landmann & Lentner 2001). Unregelmäßig brütet auch der Gänsesäger (Mergus merganser) im Einzugsbereich des Sees, so etwa 1992 und 1994 (Pegoraro & Föger 1994). Wahrscheinlich ist dieses Vorkommen mit den individuenstarken Populationen des Tiroler Lechtales in Verbindung zu bringen. Daneben nisten 4-5 Paare der Stockente (Anas platyrhynchos) und einzelne Bläßhuhns-Paare (Fulica atra) regelmäßig. Eine Brutansiedelung der regelmäßig am See auftretenden Reiherente (Aythya fuligula) ist für die Zukunft nicht auszuschließen.

 

In der Nadelwaldzone um den See liegen großflächig geeignete Lebensräume für Schwarz- und Dreizehenspecht (Dryocopus martius, Picoides tridactylus), Sperlings- und Raufußkauz (Glaucidium passerinum, Aegolius funereus). Auch das Auerhuhn (Tetrao urogallus) tritt hier regelmäßig in geringer Zahl auf. Daneben sind alle Arten montaner und subalpiner Nadelwälder anzutreffen.

 

Die Zone über der Waldgrenze beherbergt alle typischen Alpinvögel. Besonders hohe Siedlungsdichten erreicht der Bergpieper (Anthus spinoletta). Bereiche rund um die Landsberger Hütte und um die Gappenfeldalm sind Teil des Jagdrevieres eines Steinadler-Paares (Aquila chrysaetos), zwei Horste liegen nach Angaben der lokalen Jagdaufsichtsorgane im Naturschutzgebiet. Die Beutesituation ist sehr gut, es gibt zahlreiche Gämsen (Rupicapra rupicapra) und Murmeltiere (Marmota marmota). Das Birkhuhn (Tetrao tetrix) tritt regelmäßig auf; im sog. Gappenfelder Notland balzen rund 10 Hähne (C. Haller, mündl. Mitt.).

 

Auch für das Alpenschneehuhn (Lagopus mutus helveticus) liegen Nachweise vor, genaue Bestandsangaben sind jedoch nicht möglich. An den Grenzen des Naturschutzgebietes tritt der Wanderfalke (Falco peregrinus) als Nahrungsgast auf.

Beeinträchtigung und Erhaltungszustand

Der NNO-Teil des Naturschutzgebietes weist tiefe Spuren einer intensiven touristischen Erschließung auf. Die größzügig ausgebaute Infrastruktur, wie ein Rundwanderweg, Parkplätze und mehrere Gast- und Schutzhäuser nahmen wenig Rücksicht auf die ökologischen Gegebenheiten und überschreiten bisweilen die Aufnahmekapazitäten bei weitem. Besonders betroffen sind die sensiblen Uferbereiche und Sumpfzonen des Vilsalpsees. Der Traualpsee wird zur Energienutzung herangezogen. Neben dem erheblich zur Lärmbelästigung beitragenden Kraftwerksgebäude sorgt der Aufstau für eine ökologische Veränderung (Farasin 1993).

 

Der Nährstoffeintrag durch Gasthausbetrieb und Beweidung der Hangbereiche führt zur Eutrophierung der Seen und somit zu einer Veränderung der Unterwasservegetation der Seen (Schauer 1987).

 

Durch den Anschluß an das Kanalnetz hat sich der Nährstoffeintrag sicher verringert. Der Weg im Uferbereich wurde teilweise saniert und gegen Verlandungszonen hin mit Absperrungen versehen. Weite Teile des Gebietes abseits der beliebten Spazier- und Wanderwege, insbesondere Waldbereich, die nicht direkt an den Vilsalpsee grenzen, bleiben weitgehend ungestört.

Management

Ein Fahrberbot für PKW sowie die Einrichtung eines Pendelbusdienstes zum Gebiet sind erste Schritte in Richtung eines naturschutzgemäßen Tourismus. Weitere Maßnahmen wären allerdings dringend notwendig, um „alte Fehler“, die negative Auswirkungen auf diesen sensiblen Naturraum haben, teilweise wieder gut zu machen (Farasin 1993).

 

Einzelne, ausgewählte Vorschläge für Managementmaßnahmen finden sich bereits im Naturinventar zum Schutzgebiet (Mertz 1994). Bisher wurden sie allerdings nur teilweise (z.B. Sicherung der Verlandungszone) umgesetzt.

Literatur

Dvorak, M., I. Winkler, C. Grabmayer & E. Steiner (1994): Stillgewässer Österreichs als Brutgebiete für Wasservögel. Umweltbundesamt, Monographien 44.

 

Landmann, A. & R. Lentner (2001): Die Brutvögel Tirols. Bestand, Gefährdung, Schutz und Rote Liste. Ber. Nat.-med. Verein Innsbruck, Suppl. 14: 1–182.

 

Mertz, P. (1994): Naturinventar Naturschutzgebiet Vilsalpsee. Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz.

 

Pegoraro, K. & M. Föger (1994): Zoologische Betrachtung. In: Mertz, P. (1994): Naturinventar Naturschutzgebiet Vilsalpsee: 69-105. Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz.

 

Pickel, R. (1996): Brutnachweis für den Haubentaucher Podiceps cristatus am Vilsalpsee/Tirol im Jahr 1995. Monticola 7: 258.

6.5.6 Vogelarten aus Anhang I

Art nicht ziehend brütend überwinternd Durchzug P E I G  
Aquila chrysaetos 1 p              
Falco peregrinus (x)              
Lagopus mutus helveticus x              
Tetrao tetrix (10 balzende Hähne)              
Tetrao urogallus x              
Bubo bubo 1-2 p              
Glaucidium passerinum x              
Aegolius funereus x              
Dryocopus martius 2-3 p              
Picoides tridactylus x              

Weitere Vogelarten aus Roter Liste (EX, CR, EN, VU, DD) bzw. SPEC Kat. 1–3

Art nicht ziehend brütend überwin­ternd Durchzug P E I G
Falco tinnunculus mind. 2 p              
Picus viridis 2-3 p              
Hirundo rustica       x        

Legende

p - Paare

x - kommt vor (keine Bestandesangabe möglich)

forage - Nahrungsgast

P, E, I, G - Population, Erhaltung, Isolierung und Gesamtbeurteilung (Bewertung gemäß Standdard-Datenbogen der EU)

Autor

M. Föger