 |
|
 |
 |
Modellregionen für nachhaltige Entwicklung
 Biosphärenpark Wienerwald
 |
 |
Biosphärenparks wurden von der UNESCO 1976 eingeführt. Sie sollen dazu beitragen, in allen Teilen der Welt großflächige, repräsentative Ausschnitte von Natur- und Kulturlandschaften zu erhalten.
In Biosphärenparks sollen gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung Konzepte zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der Region erarbeitet und umgesetzt werden. 2007 gab es weltweit 529 Biosphärenparks in 105 Ländern. |
Nationale Kriterien für BiosphärenparksAm 7. März 2006 beschloss das Österreichische MAB-Nationalkomitee - MAB steht für das UNESCO-Programm "Man and Biosphere" - einen nationalen Kriterienkatalog für Biosphärenparks in Österreich. Dieser basiert auf den Anforderungen der Sevilla-Strategie.
Die nationalen Kriterien werden in Ausschlusskriterien, die unbedingt erfüllt werden müssen, und in Bewertungskriterien eingeteilt. Letztere stellen Zielvorstellungen dar, auf deren Umsetzung die Biospährenparks hinarbeiten sollen. Diese Richtlinien sind ab sofort verbindlich für die Ausweisung neuer UNESCO-Gebiete.
Den bestehenden Biosphärenparks wird eine Übergangszeit von fünf Jahren eingeräumt. Entsprechen sie nach Ablauf der Frist den nationalen Kriterien nur unzureichend, behält sich das Nationalkomitee vor, eine Aberkennung des Prädikats zu empfehlen.
Österreich trägt damit zu den internationalen Bemühungen bei, eine Qualitätssicherung des Weltnetzes der Biosphärenparks zu erreichen. Die nun vorliegenden Richtlinien sind jedoch nicht als strenges Regelwerk zu verstehen, sondern als Hilfestellung bei Planung und Management. |
Sevilla StrategieDie im Rahmen einer Konferenz in Spanien 1995 beschlossene "Sevilla Strategie" stellt die weltweit verbindliche Grundlage für das Netzwerk der UNESCO Biosphärenparks dar. Übereinstimmend wurde gefordert, den Schutz der biologischen Vielfalt nicht mehr isoliert von den Bedüfnissen der Menschen zu betrachten. Entscheidend für den Erfolg dieses ganzheitlichen Ansatzes ist die Beteiligung aller Interessensgruppen vor Ort bei der Planung und Implementierung.
Diese Vision fand zusammen mit Empfehlungen zur Umsetzung auf globaler, nationaler und regionaler Ebene Eingang in die "Sevilla-Strategie" und die "internationalen Leitlinien für Biosphärenparks".
Ein umfangreicher Katalog von Kriterien, Zielen und Empfehlungen für die Umsetzung gibt vor, wie Biosphärenparks zu errichten und zu betreiben sind. Er gewährleistet die notwendigen internationalen Standards, lässt aber auch ausreichend Raum für die Gestaltung von Details auf nationaler und regionaler Ebene. |
Die UNESCO nennt gleichrangig drei Funktionen von Biosphärenparks:
- Schutz von großflächigen Ökosystemen und Landschaften, Erhaltung der biologischen und kulturellen Vielfalt und der genetischen Ressourcen.
- Entwicklung und Förderung von ökologisch, wirtschaftlich und sozio-kulturell nachhaltigen Formen der Landnutzung.
- Unterstützung von Forschung, Umweltbeobachtung und Bildungsaktivitäten für besseres Verstehen der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur.
|
Jeder Biosphärenpark schließt eines oder mehrere der folgenden Elemente ein:- repräsentative Beispiele von Naturlandschaften,
- einzigartige Gemeinschaften oder Gebiete mit ungewöhnlichen Wesensmerkmalen oder von außergewöhnlichem Interesse,
- Beispiele von harmonischen Kulturlandschaften, resultierend aus traditionellen Landnutzungsformen,
- Beispiele modifizierter, degenerierter Ökosysteme, bei denen eine Wiederherstellung natürlicher Bedingungen möglich ist.
|
Weltkongress über Biosphärenparks (Madrid 2008)Der dritte internationale Kongress über Biosphärenparks (World Biosphere Reserves Congress) wird von 4.-8. Februar 2008 in Madrid/Spanien stattfinden. Der Kongress ist dem Thema "Biosphere Futures, UNESCO Biosphere Reserves for Sustainable Development" gewidmet. |

 |
 |
UNESCO-Programm "Man and Biosphere" (MAB) Das UNESCO-Programm "Man and Biosphere" (MAB) wurde vor mehr als dreißig Jahren gegründet, um wissenschaftlich fundierte Modelle für eine sorgsame Bewirtschaftung der Biosphäre zu erproben. Österreich ist eines der 130 an diesem Programm beteiligten Länder. |
Bei der letzten Sitzung des Internationalen Koordinierungsrates (ICC) Ende Oktober 2004 in Paris wurde Österreich als Vertreter der MAB-Region "Europa und Nordamerika" in das Bureau des UNESCO-Programms gewählt.
Das Büro ist ein sechsköpfiges Entscheidungsgremium, dem – außer einem Vertreter des österreichischen MAB-Nationalkomitees, angesiedelt an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – Mitglieder aus Mexiko, Ghana, Tunesien, Russland und Korea angehören. Es wurde vor mehr als dreißig Jahren gegründet, um wissenschaftlich fundierte Modelle für eine sorgsame Bewirtschaftung der Biosphäre zu erproben. |
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wurde von der Bundesregierung beauftragt, das UNESCO-Programm "Man and Biosphere" sowie auch das jüngere Programm "Global Change" zu verwalten. Die ÖAW stellt für jedes Programm ein Nationalkomitee zusammen, das für die Umsetzung der internationalen Ziele in nationale Arbeitsprogramme verantwortlich ist.
Das MAB-Nationalkomitee entscheidet nicht nur über Forschungsprogramme, sondern schlägt der UNESCO auch neue Biosphären-Parks im eigenen Land vor. Solche Landschaften haben Modellcharakter für nachhaltige Entwicklung. Dabei gilt es, ökologische und wirtschaftliche Ziele zu vereinbaren und rechtlich abzusichern. Univ.-Prof. Dr. Georg Grabherr, Vegetationsökologe der Universität Wien und Mitglied der ÖAW, ist Vorsitzender des österreichischen Nationalkomitees an der ÖAW. In seiner Funktion als Vize-Chairman im Bureau des UNESCO-Programms ist er an der Weiterentwicklung und Koordinierung von MAB auf internationaler Ebene beteiligt, sowie in die Nominierung neuer Biosphären-Parks eingebunden. |
MAB-Projekte in Österreich2006 wurden in Österreich 15 neue MAB-Projekte genehmigt, die der Erforschung der heimischen Biosphärenparks dienen. Die Forschungsprojekte decken dabei sowohl naturwissenschaftliche als auch kulturwissenschaftliche Fragestellungen ab, sollen doch die genaue Kenntnis natürlicher Gegebenheiten einer Landschaft zu einer nachhaltigen Nutzung führen.
Basierend auf sozial- und wissenschaftswirtschaftlichen Forschungsergebnissen werden Entwicklungsoptionen und Managementkonzepte für die einzelnen Regionen erarbeitet. Bei all diesen Projekten, die üblicherweise zwei oder drei Jahre dauern, ist neben der wissenschaftlichen Exzellenz die explizite Einbindung der Probleme der LandnutzerInnen gefordert. |
Biosphärenparks in Österreich |
 Übersichtskarte
 |
 |
In Österreich gibt es sechs Biosphärenparks mit einer Gesamtfläche von rund 1.500 km2 in den Bundesländern Burgenland, Tirol, Vorarlberg, Niederösterreich und Wien. Die Biosphärenparks liegen im Gebirge, im pannonischen Raum sowie im Übergangsbereich zwischen den östlichen Ausläufern der Nordalpen und dem beginnenden pannonischen Hügelland. |
Biosphärenparks sollen alle wesentlichen Natur- und Kulturräume eines Landes repräsentieren. In Österreich wurden das nördliche und südöstliche Alpenvorland Österreichs bisher nicht berücksichtigt, ebenso wie das Granit- und Gneishochland der Böhmischen Masse.
Eine eigene Schutzkategorie für Biosphärenparks sieht nur das Land Vorarlberg vor. Die Reservate sind aber zum Teil durch andere Schutzgebietskategorien oder generelle Schutzbestimmungen in den Naturschutzgesetzen rechtlich gesichert. Zum Teil sind die Biosphärenreservate auch in anderen internationalen Netzwerken vertreten (z.B. Ramsar-Gebiet, Biogenetisches Reservat). |
Übersicht
| Neusiedler See (B) |
25.000 |
Natura 2000, NP, NSG, LSG, Ramsar-Gebiet, Biogenetisches Reservat, Welterbestätte |
| Großes Walsertal (V) |
19.200 |
NSG |
| Gossenköllesee (T) |
85 |
Ex-lege (§7 Tiroler Naturschutzgesetz); Biogenetisches Reservat |
| Lobau (W) |
1.037 |
Natura 2000, NP, NSG, LSG, Ramsar-Gebiet |
| Gurgler Kamm (T) |
1.500 |
RG, ND, Biogenetisches Reservat |
| Wienerwald (N, W) |
105.645 |
Natura 2000, NSG, LSG, Naturwaldreservate |
| Gesamt |
152.467 |
| |
NP – Nationalpark
NSG – Naturschutzgebiet
LSG – Landschaftsschutzgebiet
RG – Ruhegebiet
ND – Naturdenkmal |
Weitere Informationen über die österreichischen Biosphärenparks
| Biosphärenpark |
Jahr der UNESCO Anerkennung |
Höhenerstreckung |
Schwerpunkte |
| Neusiedler See |
1977 |
114 bis 480 Meter |
Naturschutz und Tourismus; Der Biosphärenpark liegt teilweise im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. |
| Gossenköllesee |
1977 |
2.413 bis 2.828 Meter |
Forschung (Limnologie) |
| Lobau |
1977 |
150 bis 155 Meter |
Naturschutz und Naherholung; seit 1996 Teil des Nationalparks Donau-Auen |
| Gurgler Kamm |
1977 |
1.900 bis 3.400 Meter |
Forschung |
| Großes Walsertal |
2000 |
580 bis 2.704 Meter |
Nachhaltige Regionalentwicklung |
| Wienerwald |
2005 |
160 bis 893 Meter |
Naturschutz und nachhaltige Entwicklung | |
Biosphärenpark Neusiedler SeeDer Neusiedler See liegt in einer großen flachen Pfanne im nördlichen Burgenland, ca. 40 km südöstlich von Wien. Ein bis zu fünf Kilometer breiter Schilfgürtel umgibt den See. Die geringe Wassertiefe von durchschnittlich 1,2 m und die große Ausdehnung der Wasserfläche (Länge etwa 36 km, maximale Breite 12 km) führen bei Wind zur intensiven Durchmischung bis zum Grund und damit zur Trübung des Sees. Charakteristisch für den See ist sein erhöhter Salzgehalt, der vor allem auf Soda (Natriumkarbonat) zurückzuführen ist und zur Entwicklung einer typischen Fauna und Flora führt.
Das Neusiedler See-Gebiet ist ein für Österreich aus biologischer Sicht einmaliger Naturraum. Eine Erweiterung des Biosphärenparks wäre zu überlegen. |
Biosphärenpark GossenkölleseeDer Gossenköllesee liegt auf einer Höhe von 2.417 Metern in den Stubaier Alpen. Der Biosphärenpark ist mit 85 Hektar das kleinste UNESCO-Gebiet weltweit. Es umfasst lediglich den See und sein Einzugsgebiet. 1975 wurde an seinem Ufer die Limnologische Forschungsstation Kühtai errichtet, zwei Jahre später erfolgte die Ausweisung als Biosphärenpark. Seither untersuchen Wissenschaftler aus aller Welt die Auswirkungen der globalen Umweltveränderungen auf Hochgebirgssysteme. |
Biosphärenpark Gurgler KammDer Biosphärenpark liegt im südöstlichen Teil der Ötztaler Alpen und umfasst eine typisch zentral-alpine Hochgebirgslandschaft auf Silikatgestein. Zu seinen Besonderheiten zählt der Obergurgler Zirbenwald mit über 300 Jahre alten Bäumen. |
Biosphärenpark Untere LobauDie artenreiche Auenlandschaft dieses Biosphärenparks liegt im Osten Wiens. Die Untere Lobau ist teilweise abgedämmt. Die WienerInnen nutzen das reich gegegliederte System von Haupt-, Neben- und Altarmen der Donau als Freizeit- und Erholungsraum. Auwälder sind hier noch ebenso zu finden, wie die "Heißländen", trockene Sand- und Schotterbänke mit vielen seltenen Orchideenarten. |
Biosphärenpark Großes WalsertalDas Große Walsertal ist ein abgelegenes, dünn besiedeltes Bergtal nördlich von Bludenz. Der Biosphärenpark bringt den sechs Gemeinden neue Impulse für die Regionalentwicklung. Lokale Produkte werden erfolgreich vermarktet und regionale Erzeugerketten sichern qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort. Der Natur- und Kulturraum wird erhalten. |

 |
 |
Biosphärenpark Wienerwald Der Wienerwald liegt südwestlich von Wien und weist eine in Mitteleuropa einzigartige Kulturlandschaft auf. Es umfasst das größte Laubwaldgebiet Österreichs. Das Landschaftsbild des Wienerwaldes ist durch die Verzahnung von Wald und strukturreichem Offenland sehr abwechslungsreich. Die Wienerwaldbäche sind sowohl als Lebensrauch als auch als Wander- und Ausbreitungskorridor von besonderer ökologischer Bedeutung. |
Zu den artenreichsten Gebieten des Biosphärenparks gehört der Trockenrasen der Perchtoldsdorfer Heide. Insgesamt bilden 32 einzelne Kernzonenflächen ein ökologisches Netzwerk über den gesamten Wienerwald. 20 verschiedene Waldtypen finden sich in diesen Naturwaldflächen, die etwa fünf Prozent des Biosphärenparks ausmachen. Diese haben eine große Bedeutung für Artenvielfalt und Lebensraumsicherung. Vorrangiges Ziel in den Kernzonen ist es, der natürlichen Entwickung von Waldökosystemen freien Raum zu geben.
Der Biosphärenpark Wienerwald wurde im Sommer 2005 ausgewiesen. Am 28. November 2006 fand die offizielle Anerkennung des Wienerwaldes als Biosphärenpark statt. VertreterInnen der UNESCO überreichten Niederösterreichs Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und Wiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl die Urkunde. Der Biosphärenpark Wienerwald ist mit über 105.000 Hektar der größte Biosphärenpark Österreichs. 750.000 Personen wohnen hier. |
|
 |
 |



|
 |

 |
 |
 |
WaldökosystemeSchwermetalleinträge in Wäldern nehmen ab. Die Belastung von Waldökosystemen durch weiträumig tra... » mehr |
 |
Ausstellung NeobiotaDie Ausstellung „Aliens – Pflanzen und Tiere auf Wanderschaft“ im Landesmuseum Niederösterreich a... » mehr |
 |
|
 |