Verkehr und Siedlungen bedrohen die Artenvielfalt
Die Zerschneidung von Lebensräumen gilt heute als eine der Hauptursachen von Artenverlusten. Die Verdichtung von Verkehrswegen und die zunehmende Zersiedelung schaffen allerorts ökologische Barrieren. Gegenstrategien sind dringend erforderlich.
Straßen sind für Tiere oft ein unüberwind-bares Hindernis
Für den Menschen dienen Straßen der Verbindung. Für die meisten nicht flugfähigen Tierarten ist eine hochrangige Straße hingegen ein undurchlässiges Hindernis. Die Trennwirkung der Straße selbst wird durch den Verkehr verstärkt. Zudem schreiben Gesetze wilddichte Zäunungen entlang von Autobahnen und Schnellstraßen vor.
Wanderkorridore werden zertrennt
Wanderkorridore von Großwildarten (nach VÖLK et al. 2001)
Die Straßen trennen zum Beispiel Rückzugs- und Ruhegebiete von Nahrungsflächen und Wasserstellen, die verbleibenden unzerschnittenen Räume sind für viele Tierarten oft zu klein oder unvollständig, und daher als Lebensräume ungeeignet. Die Unterbrechung von Wanderkorridoren betrifft vor allem Großsäuger wie Rothirsch, Wildschwein, Luchs oder Bär, für die oft weite Wanderstrecken typisch sind.
Auf einer kleinräumigeren Ebene werden so gut wie alle bodengebundenen Tierarten eingeschränkt, vom Laufkäfer bis zu Kleinsäugern. Bei Amphibien kann die Unterbrechung ihrer Laichwanderstrecken binnen kurzem zum Erlöschen von Populationen führen. Bereits die Verkleinerung von Aktionsradien kann Lebensräume für bewegungsaktive Arten unbewohnbar machen. Unterschreitet der Rest-Lebensraum eine bestimmte artspezifische Mindestgröße, ist das Ergebnis letztlich dasselbe wie bei vollständigen Lebensraumverlusten: die Art verschwindet.
Genetische Verinselung
Verinselung unterbindet den Genfluss zwischen getrennten Teilpopulationen. Je kleiner die Population, desto größer die Gefahr von genetischer Verarmung. Dies vermindert die Anpassungs- und Überlebensfähigkeit und erhöht das regionale Aussterberisiko. Da die Ausbreitungswege blockiert sind, ist auch eine Wiederbesiedlung schwer möglich. Untersuchungen haben gezeigt, dass Heuschrecken innerhalb von 20 Jahren nicht in der Lage waren, eine Autobahn zu überqueren.
Zerschneidung in Österreich weit fortgeschritten
Zerschneidung der Österreichischen Landschaft
Einschließlich der Forststraßen ist das österreichische Straßennetz bereits 300.000 km lang. Im Durchschnitt durchziehen mehr als 3 km Straßen jeden km2 heimischen Bodens. Berücksichtigt man nur das hochrangige Straßennetz sowie die Landes- und Gemeindestraßen, sind es immer noch 1,3 km je km². Weitere 270 km hochrangiger Straßen sind derzeit in Planung. Aufgrund der Netzstruktur des Verkehrssystems schrumpfen durch jeden neuen Laufmeter die verbleibenden unzerschnittenen Lebensräume unverhältnismäßig stark.
Ein „ökologischer Infrastrukturverbund“ ist notwendig
Um die Artenvielfalt zu erhalten, muss die weitere Zerstückelung der Landschaft abgestoppt und deren ökologische (Wieder-) Vernetzung gefördert werden. Vorrangige Ziele sind:
- unzerschnittene, verkehrsarme Räume erhalten ("Kern-Lebensräume"),
- Durchgängigkeit überregionaler Tierwanderkorridore erhalten bzw. wiederherstellen,
- technische Querungshilfen an Verkehrswegen einbauen (Grünbrücken, Wildpassagen),
- Bedürfnisse von Wildtieren bereits bei der Straßenplanung berücksichtigen,
- Lebensräume durch Gehölzstrukturen und „Trittsteinbiotope“ vernetzen,
- Fachplanungen großräumig aufeinander abstimmen (Verkehrs-, Raum-, Landschaftsplanung, Naturschutz).
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