Wildtieren über die Straße helfen

Um die Trennwirkung hochrangiger Straßen auszugleichen, sind technische Querungsbauwerke für Wildtiere notwendig. Fachliche Grundlagen liegen nun vor. Eine Forderung an die Raumplanung ist daher, großräumige "Genflusskorridore" auszuweisen und verbindlich abzusichern. Erste Ansätze weisen die Richtung.

©Symbole Wanderdistanzen und Aktionsräume größerer Säugetiere Wanderdistanzen und Aktionsräume größerer Säugetiere

Besonders für Großsäuger sind weiträumige Wandergewohnheiten kennzeichnend. Rothirsche wandern über Distanzen von 125 km, Wildschweine 250 km, Braunbär und Luchs noch deutlich weiter. Viele Tierarten können nur in großflächig zusammenhängenden Gebieten überleben. Je mehr die Kern-Lebensräume schrumpfen, umso notwendiger werden Möglichkeiten zum Populationsaustausch. Daher ist es erforderlich, die überregionalen Wanderkorridore und Bewegungsachsen von Wildtieren aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen.

Der Einbau technischer Querungshilfen in Straßen – sogenannter Grünbrücken, Wildbrücken oder Wilddurchlässe – trägt hierzu wesentlich bei. Zur Umsetzung sind koordinierte Anstrengungen aller raumgestaltenden Planungsdisziplinen notwendig.

Studie liefert Grundlagen für die Planung

©Umweltbundesamt/Lexer Hochrangige Straßen mit ihren Begleitflächen sind schwer überwindbare Barrieren für Wildtiere Hochrangige Straßen mit ihren Begleitflächen sind schwer überwindbare Barrieren für Wildtiere

In Österreich wurde 2001 eine bedeutende Grundlagenstudie dazu veröffentlicht (VÖLK et al. 2001). Erstmals wurden die Trennwirkung bestehender Verkehrswege und der Vernetzungsbedarf untersucht. Die Studie identifiziert überregionale "Genflusskorridore" und gibt Empfehlungen für Lage, Anzahl, Dichte, Größenbemessung und bauliche Gestaltung von Wildtierpassagen. Nun gilt es, dieses planerische Rüstzeug in die Praxis der Verkehrs- und Raumplanung umzusetzen! Bewusstseinsbildung bei Planerinnen und Planern sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern ist dafür die Voraussetzung.

Hierzu wurde von der ÖBF AG die "Strategische Partnerschaft Lebensraumvernetzung" gegründet, der auch das Umweltbundesamt angehört. Bei Straßenbauprojekten in Niederösterreich (B301), Kärnten (A2) und im Burgenland (S31) wurden die Empfehlungen der Studie bei der Errichtung wichtiger Grünbrücken bereits berücksichtigt.

Gesamträumlich denken

Derzeit überarbeitet eine Gruppe von Expertinnen- und Experten die "Richtlinie und Vorschrift für den Straßenbau" RVS 3.01 "Wildschutz". Empfehlungen der Expertinnen und Experten könnten dadurch in rechtsverbindliche Vorgaben übergeführt werden. Um "aktionistische" Einzelmaßnahmen zu vermeiden, ist künftig die Einbindung in gesamträumliche Durchlässigkeits- und Vernetzungskonzepte erforderlich. Wildtiere sind verstärkt bereits bei der Trassenwahl und in vorgestaffelten Planungsphasen zu berücksichtigen. Durch Nachrüstung mit Querungshilfen sollten vorhandene Barrieren entschärft werden. In den Niederlanden wurde bereits in den 80er Jahren ein nationales Entschneidungsprogramm gestartet. Neben Soll-Werten für Mindest-Durchlässigkeiten können Richtwerte für maximal zulässige Zerschneidung wertvolle Planungshilfen sein, wären aber großteils erst zu entwickeln.

Ökologische Korridore in Raumplänen absichern

Die Raumplanung spielt dabei eine Schlüsselrolle, die jedoch bislang kaum wahrgenommen wurde. Wanderkorridore sollten in ausreichender Breite von Bebauung freigehalten werden. Um dies rechtlich abzusichern, ist die Ausweisung als Vorrang- oder Grünzonen in überörtlichen Raumplänen anzustreben. Der Entwurf für das neue steirische Raumordnungsgesetz sieht diese Möglichkeit erstmals vor. Begleitende landschaftsgestalterische Maßnahmen können die Vernetzungsfunktion verbessern (Gehölzstreifen als Leitstrukturen, Äsungsflächen usw.). Die Umsetzung wird eine sektor- und gemeindeübergreifende Abstimmung aller Fachplanungen erfordern.

Infobox

Quellen

VÖLK, F. et al. (2001): Kostenreduktion bei Grünbrücken durch deren rationellen Einsatz.  http://www.fsv.at

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