Wildtierpassagen
Anforderungen an Wildtierpassagen
Grünbrücken, Wildbrücken und Wilddurchlässe müssen beim Neubau von Straßen von Anfang an eingeplant werden. Damit die Investitionen nicht wirkungslos verpuffen, sind wesentliche Kriterien zu berücksichtigen.
Derartig enge Unterführungen sind als Wilddurchlässe ungeeignet
Anlagen, die für Großwildarten wie Rot-, Reh- und Schwarzwild ausgelegt sind, eignen sich bei fachgerechter Gestaltung gleichzeitig für die meisten anderen Kleintierarten (Kleinsäuger, Bodenvögel, Insekten, Reptilien, Amphibien). Viele heimische Wildarten (Schalenwild, Feldhase) sind "Fluchtwildarten" mit hohem Sicherheitsbedürfnis. Überführungen werden von diesen besser angenommen als Unterführungen. Falls bautechnisch möglich, sollten Durchlässe daher möglichst vermieden werden.
Richtige Standortwahl ist entscheidend
Wildbrücken sollten möglichst präzise an Kreuzungspunkten mit traditionellen Wildwechseln oder Fernwanderkorridoren platziert werden. Anhaltspunkte für die Standortwahl bieten Häufungsstellen von Wildunfällen, die Befragung der örtlichen Jägerschaft oder Spuranalysen. Störzonen wie verbaute Gebiete, intensive landwirtschaftliche Flächen sowie benachbarte Barrieren sind zu berücksichtigen. Durch Anpassung an Relief und Vegetation kann eine Leitwirkung erzielt werden. Für waldgebundene Tierarten liegt der effektivste Standort dort, wo zwei getrennte Waldgebiete möglichst nahe aneinander stoßen. Waldzungen können natürliche kanalisierende Funktion übernehmen ("Flaschenhälse").
Angepasste Dimensionierung wählen
Die Breite sollte sich an Indikatorarten mit hohen Raumansprüchen, am Rang des Wechsels und der Größe des Einzugsgebietes orientieren. Grünbrücken für internationale Korridore sind größer auszulegen als solche für lokale Wildwechsel. Vielfach wird empfohlen, sich nach den natürlichen Sicherheitsdistanzen zu richten, die Tierarten typischerweise zu Randlinien einhalten ‑ beim Feldhasen zum Beispiel rund 50 m. VÖLK et al. (2001) empfehlen für international bedeutsame Korridore Mindestbreiten von 80-100 m. Breiten ab 30 m erscheinen bei optimaler Gestaltung für die meisten heimischen Wildarten geeignet. Detaillierte Empfehlungen sind der Grundlagenstudie von VÖLK et al. (2001, Kostenreduktion bei Grünbrücken durch deren rationellen Einsatz) zu entnehmen.
Wildtiergerechte Gestaltung
Wichtig ist die landschaftsgestalterische Einbindung. Diese sollte an Hecken, Waldzungen und andere Leitstrukturen anbinden und erforderlichenfalls Deckungs- und Nahrungshabitate schaffen. Um Meideverhalten zu minimieren, ist bei der technischen Ausgestaltung wesentlich:
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Das Wild hat das Bedürfnis nach Überschaubarkeit und freier Sichtverbindung zur nächsten sicheren Deckung auf der anderen Seite. Daher: Freihalten der Sichtachse, keine zu starke Wölbung von Brücken, keine steilen Anmarschrampen.
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Sichtschutz und Lärmdämpfung gegenüber der Straße (Blenden, Abschirmungswände, Gehölzbepflanzung).
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natürliches Oberflächenmaterial, umgebungsangepasster Bewuchs und Äsungspflanzen.
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Anstrich bei Durchlässen bis rund 80 cm über den Boden dunkel bis schwarz, darüber hell bis betonfärbig; begehbare Seitenböschungen.
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Bei Mitführung von (unversiegelten) Wegen erhöht sich die Brückenbreite um die Wegbreite. Wege nicht mittig führen, ungestörten Zentralstreifen freihalten, Verkehrsfrequenz sollte ca. 150 Kraftfahrzzeuge/Tag nicht überschreiten.
Begleitmaßnahmen
Begleitende Maßnahmen verbessern die Annahme:
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keine anderen Barrieren im Umfeld
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keine Bejagung im Umkreis von mindestens 200 m
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keine Gebäude im Umkreis von mindestens 250 m
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Unterführungen nicht mißbräuchlich als Abstell- oder Lagerplatz verwenden.
Infobox
Downloads
Zerschneidungsgrad Österreichs - Karte
Wanderkorridore - Karte
GRILLMAYER, R. et al. (2002): Forschungsprojekt Wildökologische Korridore.
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