Auen-Index

Index zur Bewertung von Flussauen

©Chovanec Andreas

Das Umweltbundesamt entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ökologie und Naturschutz der Universität Wien und der Abteilung Hydrobiologie, Fischereiwirtschaft und Aquakultur der Universität für Bodenkultur ein Schema zur Bewertung von Fluss-Au-Systemen auf der Grundlage eines Index (Auen-Index).

 

Entsprechend der neuen EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wird der ökologische Zustand von Gewässern auf der Grundlage ihrer Lebensgemeinschaften bewertet. Bei der Entwicklung des Auen-Index wurden die Vorgaben der WRRL berücksichtigt. Der Index ist gleichermaßen umsetzungsorientiert wie auch wissenschaftlich fundiert.

Au-Systeme

Au-Systeme sind prägende Elemente insbesondere von Flüssen im Flachland. Die ökologische Funktionsfähigkeit dieser Systeme ist von der intakten hydrologischen Vernetzung zwischen Fluss und Überschwemmungsflächen abhängig. Diese Vernetzung ist heute zumeist durch Maßnahmen des Hochwasserschutzes (Regulierungen) und der Energieerzeugung (Kraftwerke) gestört bzw. unterbunden.

Indikatoren

Die Berechnung des Auen-Index beruht auf der Untersuchung folgender Tiergruppen: Mollusken (Weichtiere), Köcherfliegen, Libellen, Amphibien und Fische. Diese Indikatorgruppen wurden aus folgenden Gründen gewählt:

  • Die ökologischen Ansprüche der meisten Arten dieser Gruppen sind vergleichsweise gut bekannt.
  • Das Auftreten einzelner Arten ist eng mit hydrologischen Prozessen (z.B. Hochwasserdynamik) und der dadurch bedingten Ausprägung bestimmter Gewässerstrukturen gekoppelt (z.B. Vegetation im und am Gewässer, Ausprägung von Gewässerbettstrukturen, wie Schotterbänke).
  • Die meisten Arten dieser Indikatorgruppen reagieren rasch auf Veränderungen ihres Lebensraumes.
  • Die Bindung der Indikatoren an Gewässer erleichtert die Nachweisbarkeit.

Bewertung

Die Anwendung des Auen-Index ermöglicht - gemäß WRRL - eine Einstufung des ökologischen Zustandes von Augebieten innerhalb eines fünfstufigen Schemas (Stufe 2 - "guter ökologischer Zustand" ist der in der WRRL festgelegte Zielzustand). Grundlage der Bewertung ist ein Vergleich mit einem weitgehend ökologisch intakten Referenzzustand (Stufe 1 - "sehr guter ökologischer Zustand"). 

Fallstudie Klosterneuburg

Der Index wurde in einem ersten Schritt für den österreichischen Abschnitt der Donau entwickelt. Der Referenzzustand wurde aus Karten des 19. Jahrhunderts sowie historischen und rezenten Artenlisten für die fünf Indikatorgruppen rekonstruiert. Die Referenzartenliste umfasst etwa 300 Arten. Als Testgebiet wurden die Auen im Bereich Klosterneuburg / Kritzendorf im niederösterreichischen Abschnitt der Donau nördlich von Wien gewählt. Die Berechnung des Auen-Index und die Anwendung des Bewertungssystems ergab für dieses Gebiet einen "guten ökologischen Zustand".

 

Bei der Anwendung an anderen Gewässern sind gegebenenfalls Modifikationen der Methode vorzunehmen, insbesondere was die Liste der Arten und die Definition des Referenzzustandes betrifft.