Altlast N 59: Putzerei Alaska
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Wien-Umgebung Zwölfaxing Zwölfaxing 199/9 | Art der Altlast: | Altstandort | Branche: | Lederreinigung | Betriebsgröße: | 6.500 m² | Betriebszeitraum: | 1974 bis 1981 | Schadstoffe: | CKW, Tetrachlorethen |
Gefährdete Schutzgüter: | Grundwasser | Prioritätenklasse: | 2 | Datum der Altlastausweisung: | 1.11.2006 | Datum der Prioritätenklassifizierung: | 1.11.2006 | Status Sanierung im Altlastenatlas: | Sanierung in Durchführung | letzte Aktualisierung im Altlastenatlas: | 1.11.2006 |
Zusammenfassung
Von 1974 bis 1981 wurde auf dem Altstandort eine chemische Reinigung für Pelz und Leder betrieben. Durch die Verwendung von Tetrachlorethen kam es zu einer massiven Verunreinigung des Untergrundes auf einer Fläche von ca. 400 m². Bei Grundwasseruntersuchungen wurde eine ca. 40 m breite Schadstofffahne bis über 300 m Entfernung nachgewiesen. Im unmittelbaren Grundwasserabstrom sind Hausbrunnen vorhanden. Öffentliche Trinkwasserversorgungen sind durch die Grundwasserverunreinigung nicht gefährdet. Der Altstandort stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird die Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vorgeschlagen.
Beschreibung des Altstandortes
Übersichtskarte
Der Altstandort „Putzerei Alaska“ liegt im Ortsgebiet von Zwölfaxing zwischen der Schwechaterstraße und dem „Kalten Gang“.
Auf einer Fläche von etwa 6.500 m² wurde im Zeitraum von 1974 bis 1981 eine chemische Reinigung für Pelz und Leder betrieben. Zuvor wurde im Jahr 1969 die Errichtung einer Lagerhalle samt Ölfeuerungsanlage genehmigt.
Es gibt Hinweise, dass etwa 1.500 kg Tetrachlorethen und etwa 200 l Lederentfettungsmittel gelagert wurden. Im Lagerraum befand sich vermutlich auch ein Ablauf für Abwässer, der mit einem Kanal in Verbindung stand. Westlich des ehemaligen Betriebsgebäudes befanden sich Sickergruben. Die Lage der Reinigungsmaschinen bzw. anderer relevanter Anlagen bzw. Lagerräume ist nicht bekannt. Am südöstlichen Rand des Altstandortes befinden sich nahe der Schwechaterstraße zwei Öltanks mit einem Fassungsvolumen von je 25.000 Liter. 1986 wurde um eine Betriebsanlagengenehmigung für eine Kfz-Werkstätte mit Lackierraum angesucht.
Beschreibung der Untergrundverhältnisse
Der Altstandort liegt im Bereich einer eiszeitlichen Schotterterrasse der Donau auf etwa 167 m ü.A. bis 168 m ü.A. Im Bereich des Altstandortes folgen unter bis zu 2 m mächtigen Anschüttungen Sande und Schluffe bis zu einer Tiefe von maximal 4,5 m. Darunter folgen Kiese, die von Schluffen und Sanden unterlagert werden. In die Schluffe und Sande können lokal auch dünne Kieslagen eingeschaltet sein. Ab einer Tiefe von 9 m bis 11 m wird der Untergrund aus sandigen Kiesen aufgebaut. Die Schluffe und Sande mit eingeschalteten Kieslagen sowie die sandigen Kiese können als Grundwasserleiter angesprochen werden. Ab 14,5 m treten Schluffe und Tone auf, die den Grundwasserstauer darstellen. In einer tiefer geführten Bohrung wurden die grundwasserstauenden Sedimente bis zu einer Tiefe von etwa 20 m nachgewiesen. Darunter folgen etwa 1 m mächtige Kiese, die gespanntes Grundwasser führen. Darunter folgen wieder Schluffe.
Der Grundwasserspiegel liegt auf etwa 160 m ü.A. Der Flurabstand kann daher mit etwa 7 m bis 8 m angegeben werden. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters beträgt etwa 5x10-5 m/s. Das Grundwasserspiegelgefälle kann im Zeitraum der Grundwasserbeweissicherung mit 2 ‰ bis 6 ‰ angegeben werden. Die Grundwasserströmung ist nach Osten bis Nordosten gerichtet. Die Mächtigkeit des Grundwasserleiters kann mit durchschnittlich 6,5 m angegeben werden. Der Grundwasserdurchfluss ist aufgrund der relativ geringen Durchlässigkeit des Grundwasserkörpers sehr gering (spezifischer Durchfluss ca. 0,1 m³/d,m).
Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen
Auf dem Gelände der ehemaligen Putzerei befinden sich derzeit eine Reparaturwerkstätte sowie eine Autoverkaufshalle. Südlich des Altstandortes befindet sich eine Tankstelle. Östlich der ehemaligen chemischen Putzerei verläuft die Schwechater Straße und weiter östlich befinden sich Wohnhäuser. Westlich fließt der Kalte Gang. Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes existieren Hausbrunnen. Im weiteren Abstrom des Altstandortes gibt es Trinkwasser- sowie Nutzwasserbrunnen. In einer Entfernung von etwa 5 km bzw. etwa 7 km (ENE) gibt es Trinkwasserbrunnen. Weiters existieren nordöstlich des Altstandortes in einer Entfernung von etwa 3,8 km bzw. 5,3 km Trinkwasserbrunnen.
Gefährdungsabschätzung
Am Altstandort „Putzerei Alaska“ wurden zwischen 1974 und 1981 Pelze und Leder gereinigt. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen verwendet.
Bei den im Bereich des Altstandortes durchgeführten temporären Bodenluftuntersuchungen wurden bis in 5 m Tiefe nur lokal Spuren an leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen gemessen werden. Im Zuge von Absaugversuchen an vier neu errichteten stationären Bodenluftmessstellen zeigte sich jedoch, dass der wasserungesättigte Untergrund zum Teil massiv durch Tetrachlorethen verunreinigt ist. Die höchsten Belastungen mit etwa 5.000 mg/m³ Tetrachlorethen wurden in der Nähe des ehemaligen Reinigungsmittellagers (BL 4) gemessen. Der Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 beträgt 10 mg/m³. Die hohen Belastungen in der Bodenluft werden durch eine Feststoffprobe bestätigt, in der etwa 11.600 mg/kg leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gemessen wurden. In den stationären Bodenluftmessstelle BL 2 und BL 3 lagen die Tetrachlorethenkonzentrationen bei maximal etwa 1.000 mg/m³ bzw. etwa 850 mg/m³. In der stationären Bodenluftmessstelle BL 1 wurden vergleichsweise geringere Tetrachlorethenkonzentrationen gemessen. Aufgrund des Konzentrationsverlaufes für Tetrachlorethen in der stationären Bodenluftmessstelle BL 1 während des Absaugversuches ist davon auszugehen, dass diese Messstelle nicht in der Nähe des Kontaminationszentrums situiert ist. Insgesamt ergeben die Bodenluftuntersuchungen, dass im Bereich des ehemaligen Reinigungsmittellagers auf einer Fläche von ca. 400 m² der ungesättigte Untergrundbereich erheblich mit Tetrachlorethen verunreinigt ist.
Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigen, dass es zu einem massiven Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen aus der wasserungesättigten Bodenzone in das Grundwasser gekommen ist. Im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich des ehemaligen Reinigungsmittellagers wurden in mehreren Grundwassermessstellen sehr hohe Tetrachlorethenkonzentrationen festgestellt (max. 2.400 µg/l). Ein Vergleich der Analysenergebnisse mit dem Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 von 10 µg/l für die Summe Tetrachlorethen und Trichlorethen weist auf die massive Belastung des Grundwassers hin.
Im Zuge von 24-stündigen Pumpversuchen in den Grundwassermessstellen im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich wurde die massive Grundwasserbelastung bestätigt. Entsprechend den Ergebnissen der Pumpversuche kann angenommen werden, dass sich das Kontaminationszentrum in jenem Bereich befindet, in dem auch in der Bodenluft die höchsten Belastungen festgestellt wurden (BL 4). Aus den Ergebnissen der Grundwasseruntersuchungen und der Pumpversuche lässt sich ableiten, dass die Schadstofffahne im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich eine Breite von mindestens 40 m aufweist.
Die Belastungen durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe wurden auch im weiteren Abstrom des Altstandortes beobachtet. In Grundwassermessstellen in einer Entfernung von etwa 300 m wurden noch während 24-stündiger Pumpversuche zwischen etwa 330 und etwa 420 µg/l Tetrachlorethen und zwischen etwa 20 µg/l und etwa 95 µg/l Trichlorethen gemessen. Die Konzentrationen während der Pumpversuche waren in den etwa 300 m im Abstrom des Altstandortes liegenden Grundwassermessstellen relativ konstant. Diese Messstellen liegen daher im Zentrum der Schadstofffahne. Die deutlich erhöhten Trichlorethenkonzentrationen im weiteren Grundwasserabstrom weisen auf einen Tetrachlorethenabbau hin.
Aufgrund des geringen Grundwassergefälles und der relativ geringen Durchlässigkeit des Grundwasserkörpers ist der Grundwasserdurchfluss im Bereich des Altstandortes sehr gering. Es findet daher nur eine langsame Ausbreitung der Schadstoffe statt.
Bei den meisten Bohrungen im Bereich des Altstandortes wurde in Tiefen zwischen etwa 4,5 m und 6,5 m eine dunkle, ölhältige Schicht festgestellt. Im Bereich der Grundwassermessstelle GW 2 im Abstrom des Altstandortes wurde auf dem Grundwasser eine etwa 10 cm mächtige Ölphase beobachtet. Auch in der Grundwassermessstelle GW 3 wurde während der Grundwasserbeweissicherung immer wieder ein Ölfilm festgestellt. In einer etwa 70 m im Abstrom der Altstandortes errichteten Grundwassermessstelle wurde noch eine schwache Verunreinigung im Untergrund nachgewiesen. Bei den Grundwasseruntersuchungen wurden in den Schöpfproben zeitweise erhöhte Konzentrationen für die Parameter Kohlenwasserstoffindex, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Naphthalin festgestellt, die auch noch in einer Entfernung von etwa 70 m nachgewiesen werden konnten. Die nahe der Grundwassermessstelle GW 2 vorhandenen Öltanks stellen wahrscheinlich den Ursprung der Ölbelastung dar. Aufgrund der Nutzungsgeschichte des Standortes und der Untersuchungsergebnisse ist anzunehmen, dass sich in einem länger zurückliegenden Zeitraum Mineralöl großflächig im Untergrund ausgebreitet hat. Aktuell ist mit keiner weiteren Schadstoffausbreitung oder einem erheblichen Eintrag von Mineralölkohlenwasserstoffen oder PAK in das Grundwasser zu rechnen.
Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass im Bereich des Altstandortes eine starke Verunreinigung der wasserungesättigten Bodenzone durch Tetrachlorethen vorhanden ist. Ausgehend vom Kontaminationszentrum im Bereich des ehemaligen Reinigungsmittellagers haben sich die CKW bereits mehr als 300 m im Grundwasserabstrom ausgebreitet. Es ist weiterhin mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Alaska“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.
Prioritätenklassifizierung
Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung könne wie folgt zusammengefasst werden:
Schadstoffpotenzial: sehr hoch
Am Altstandort „Putzerei Alaska“ ist der Untergrund mit chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Die Fläche des verunreinigten Bereiches ist ca. 400 m² groß. Der maßgebliche Schadstoff ist Tetrachlorethen, der aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotenzial aufweist. In der Bodenluft und im Feststoff wurden zum Teil sehr hohe Konzentrationen für Tetrachlorethen festgestellt. Der Untergrund ist daher bereichsweise intensiv mit Tetrachlorethen verunreinigt. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als sehr hoch zu bewerten.
Schadstoffausbreitung: ausgedehnt
Bei Pumpversuchen in Grundwassermessstellen, die etwa 300 m im Abstrom des Altstandortes situiert sind, konnten noch kontinuierlich zwischen etwa 330 und etwa 420 µg/l Tetrachlorethen und bis zu 90 µg/l Trichlorethen gemessen werden. Es ist anzunehmen, dass die Schadstofffahne über 500 m lang ist. Mittelfristig ist davon auszugehen, dass die Ausdehnung der Schadstofffahne gleich bleibt oder möglicherweise noch zunimmt. Aufgrund des sehr geringen Grundwasserdurchflusses ist trotz der sehr hohen Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser die Schadstofffracht nicht hoch. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als ausgedehnt zu bewerten.
Schutzgut: genutzt
Der betroffene Grundwasserkörper ist quantitativ gut nutzbar. Im Abstrom des Altstandortes existieren mehrere Hausbrunnen. Öffentliche Trinkwasserversorgungsanlagen sind trotz der weit reichenden Schadstofffahne nicht gefährdet.
Prioritätenklasse
Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Putzerei Alaska“ in die Prioritätenklasse 2 vor.
Datum der Texterstellung: Dezember 2005
Deutsch
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