Altlast N 71: Putzerei Svrcek

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Mödling
Maria Enzersdorf
Maria Enzersdorf
62
Art der Altlast:Altstandort
Branche:chemische Reinigung
Betriebsgröße:578 m²
Betriebszeitraum:1959 bis 1981
Schadstoffe:CKW,
Tetrachlorethen
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:2
Datum der Altlastausweisung:1.5.2013
Datum der Prioritätenklassifizierung:1.5.2013
Status Sanierung im Altlastenatlas:Sanierung in Planung

ZUSAMMENFASSUNG

Der Altstandort „Putzerei Svrcek“ befindet sich im Ortszentrum von Maria Enzersdorf, unmittelbar an der Hauptstraße. Zwischen 1959 und 1981 wurde auf der gegenständlichen Fläche eine Putzerei betrieben.

 

Durch die Verwendung von Tetrachlorethen als Reinigungsmittel kam es zu einer massiven Verunreinigung des Untergrundes und einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser. Es ist auch  weiterhin mit einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Svrcek“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vorgeschlagen.

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

© Umweltbundesamt Übersichtslageplan

Der Altstandort "Putzerei Svrcek" befindet sich im Ortszentrum von Maria Enzersdorf, unmittelbar an der Hauptstraße.

 

Auf dem ca. 600 m² großen Grundstück wurde im nördlichen Bereich in einem hofseitigen Gebäude mit rund 18 m x 6,5 m Grundfläche von 1959 bis 1981 eine Putzerei betrieben. Es wurde Tetrachlorethen als Reinigungsmittel eingesetzt. Die Putzerei verfügte über eine Putzmaschine, einen Kessel, einen Bügelraum und ein Magazin. Vor dem Gebäude der ehemaligen Putzerei befindet sich ein Schacht, der vermutlich als Lager für Tetrachlorethen- oder Ölfässer verwendet wurde. Die Putzerei wurde 1981 geschlossen.

Der von der ehemaligen Putzerei Svrcek genutzte Gebäudeteil wird derzeit als Lager genutzt. Maschinenteile der ehemaligen Putzerei sind keine mehr vorhanden. In der folgenden Abbildung  ist die ehemalige Nutzung am Altstandort ersichtlich.

© Umweltbundesamt
ehemalige Nutzungen am Altstandort

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt im westlichen Bereich des Wiener Beckens auf ca. 222 m ü. A.

 

Im Bereich des Altstandortes stehen unter oberflächennahen Anschüttungen schwach schluffige, teilweise kiesige Sande bis in eine Tiefe von ca. 2 m unter GOK an. Darunter wurden sandige, teils schluffige Kiese angetroffen. Der Grundwasserstauer befindet sich in Tiefen ab ca. 4,5 m unter GOK und besteht aus tonigen bzw. feinsandigen Schluffen. Unterlagert wird der Stauer in einer Tiefe ab ca. 6,5 m von Sand- und Tonstein.

 

Der Grundwasserspiegel befindet sich im Bereich des Altstandortes in einer Tiefe von ca. 3,5 m. Die Mächtigkeit des Grundwassers liegt zwischen 0,7 und 1,6 m. Für die sandigen Kiese des Grundwasserleiters wurden Durchlässigkeitsbeiwerte zwischen 8x10-7 und 5x10-5 m/s ermittelt. Die generelle Grundwasserströmungsrichtung weist nach Ostsüdosten. Das Grundwasser-spiegelgefälle beträgt etwa 2 %. Die Aquifermächtigkeit wird mit rund 1 m angenommen. Der Grundwasserdurchfluss ist gering und kann über eine angenommene Abstrombreite des Stand-ortes von etwa 15 m mit rund 1 m³/d abgeschätzt werden. Die Sickerwassermenge im Bereich des Altstandortes kann mit rund 0,1 m³/d abgeschätzt werden. Daraus ergibt sich eine Verdünnung des Sickerwassers im Grundwasser mit rund 1:10.

Schutzgüter und Nutzungen

© Umweltbundesamt Luftbild „Putzerei Svrcek“ (Befliegung 2011)

Der Altstandort „Putzerei Svrcek“ liegt direkt an der Hauptstraße in Maria Enzersdorf. Der straßenseitige Teil der Gebäude wird gewerblich sowie für Wohnzwecke genutzt. Der hofseitige Gebäudekomplex unterliegt einer gewerblichen Nutzung. Der von der ehemaligen Putzerei verwendete Bereich befindet sich in diesem Teil der gegenständlichen Fläche. Im unmittelbaren Umfeld des Altstandortes befinden sich Wohnhäuser, Einfamilienhäuser und Gärten.

Im Abstrom des Altstandortes befinden sich zahlreiche Hausbrunnen.

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort "Putzerei Svrcek" wurde im Zeitraum von 1959 bis 1981 eine Putzerei betrieben. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen eingesetzt.

 

Bei den orientierenden Bodenluftuntersuchungen in 2 m Tiefe zeigte sich, dass der ungesättigte Untergrund durch Tetrachlorethen belastet ist. Dieser Umstand wurde durch die Untersuchung der Feststoffproben bestätigt. Auch in den Feststoffproben wurde hauptsächlich Tetrachlorethen analysiert. Die stärksten Belastungen wurden im Bereich des Schachtes, der sich vor der ehe-maligen Putzerei befindet sowie im Bereich des Kessels und der Bügelmaschine, festgestellt. Bei den Absaugversuchen wurde neben Tetrachlorethen auch Trichlorethen und cis-1,2-Dichlorethen analysiert, jedoch in wesentlich geringeren Konzentrationen. Die höchsten Tetrachlorethen-konzentrationen lagen bei der Messstelle GW2 im Rahmen der Absaugversuche vor. Neben den CKW-Belastungen des Untergrundes wurden bei den Feststoffuntersuchungen erhöhte Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffe lokal im Bereich des Kessels festgestellt.

 

Bei einem Vergleich der Bodenluftuntersuchungen kann festgestellt werden, dass bei den temporären Messungen wesentlich geringere Konzentrationen an Tetrachlorethen analysiert wurden als bei den stationären Messungen. Aufgrund der feinkörnigen Anteile im Untergrund konnte auch bei den Feststoffuntersuchungen eine massive Belastung festgestellt werden. Insgesamt ergeben die Bodenluft- und Feststoffuntersuchungen, dass im Bereich des Altstandortes auf einer Fläche von etwa 100 m² der Untergrund mit Tetrachlorethen verunreinigt ist. Der Grundwasserstauer befindet sich in einer Tiefe von ca. 4,5 m. Unter der Annahme, dass eine Ausbreitung der Tetrachlorethenkontamination bis zum Stauer stattgefunden hat ist mit einem Volumen an verunreinigtem Material von ca. 450 m³ zu rechnen.

 

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass es zu einem massiven Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen aus dem wasserungesättigten Untergrund in das Grundwasser gekommen ist. Im Zuge der Grundwasseruntersuchungen wurde im unmittelbaren Bereich der Anlagen der Putzerei eine massive Verunreinigung des Grundwassers mit Tetrachlorethen festgestellt (max. 313,4 mg/l). Ausgehend von diesem Schadenszentrum hat sich im Grundwasser eine Schadstofffahne mit Tetrachlorethen ausgebildet. Noch in ca. 80 m Entfernung wurden Tetra-chlorethenkonzentrationen von über 1 mg/l festgestellt. Über 100 m Entfernung nehmen die Tetrachlorethenkonzentrationen im Grundwasser rasch auf eine Größenordnung von max. 100 µg/l ab. Tetrachlorethen wurde in Brunnen bis ca. 300 m Entfernung festgestellt.

© Umweltbundesamt Schadstofffahne

Die sehr hohen Tetrachlorethenkonzentrationen im Schadensherd können auch darauf zurückgeführt werden, dass aufgrund des sehr geringen Grundwasserdurchflusses die Schadstoffe im Grundwasser nur sehr wenig verdünnt werden. Trotz des sehr geringen Grundwasserdurchflusses sind die Tetrachlorethenfrachten im Grundwasser aufgrund der sehr hohen Konzentrationen erheblich (> 5 g/d).

 

Neben Tetrachlorethen wurden auch erhöhte Gehalte an Trichlorethen und cis-1,2-Dichlorethen im Abstrom (bis ca. 80 m) und somit ein Abbau von Tetrachlorethen festgestellt. Im weiteren Abstrom konnte diese Beobachtung nicht gemacht werden.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass im Bereich des Altstandortes eine massive Verunreinigung des wasserungesättigten Untergrundes durch Tetrachlorethen vorhanden ist, die eine deutliche Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Es ist auch in Zukunft mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Svrcek“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

 

Schadstoffpotenzial: groß

Am Altstandort "Putzerei Svrcek" ist der Untergrund mit chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Die Fläche und das Volumen des verunreinigten Untergrundbereiches liegen in einer Größenordnung von 100 m² und 450 m³. Der maßgebliche Schadstoff ist Tetrachlorethen, der aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotenzial aufweist. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als groß zu bewerten.

 

Ausbreitung der Schadstoffe: begrenzt

 Die Länge der Schadstofffahne im Grundwasser kann mit 300 m abgeschätzt werden. Die Schadstoffkonzentrationen bis zu einer Entfernung von 80 m stromab des Altstandortes sind als sehr hoch zu beurteilen. Die mit dem Grundwasser transportierte Fracht an gelösten Schadstoffen ist als erheblich zu bewerten. Entsprechend den Grundwasserströmungsverhältnissen ist mittelfristig mit keiner wesentlichen Änderung des Schadensbildes zu rechnen. Insgesamt ist die Schadstoffausbreitung als begrenzt zu klassifizieren.

 

Bedeutung des Schutzgutes: gut nutzbar

Das Grundwasser im Bereich des Altstandortes ist gering ergiebig. Trotz dieser geringen Ergiebigkeit sind zahlreiche Hausbrunnen für Bewässerungszwecke in der Umgebung des Altstandortes vorhanden. Es sind zukünftig keine höherwertigen Grundwassernutzungen im direkten Abstrom zu erwarten. Aufgrund der Nutzung des gering ergiebigen Grundwassers für Bewässerungszwecke wird das Schutzgut Grundwasser als gut nutzbar eingestuft.

 

Vorschlag Prioritätenklasse: 2

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vor.

Datum der Texterstellung: September 2012

Infobox

Downloads

Altlast N71: Putzerei Svrcek [PDF, 2.7MB]

Katasterplan [PDF, 37KB]