ALTLAST ST 1: Teerfabrik Lederer-Mellitzer
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Leibnitz Stocking Sukdull 812/11, 812/4, 37/1 | Art der Altlast: | Altstandort | Branche: | Verarbeitung von Teer und Teerprodukten und bituminösen Produkten | Betriebsgröße: | 1.000 m² | Betriebszeitraum: | 1930 bis 1970 | Schadstoffe: | PAK | Gefährdete Schutzgüter: | Grundwasser | Prioritätenklasse: | 2 | Datum der Altlastausweisung: | 25.7.1990 | Datum der Prioritätenklassifizierung: | 10.5.1994 | Status Sanierung im Altlastenatlas: | Sanierung in Planung | letzte Aktualisierung im Altlastenatlas: | 30.5.1996 |
Beschreibung der Altlast
Übersichtskarte
Die Altlast war von ca. 1945 bis 1950 Standort der Teerfabrik Lederer-Mellitzer. Die Gewerbeberechtigung der Firma Lederer-Mellitzer umfaßte die Bereiche Mineralölhandel, technische Chemikalien und deren fabriksmäßige Erzeugung, Handel mit Bauten- und Pflanzenschutzmittel, Haushalts- und Parfümerieartikel, Farben und Lacke und keramische Grundstoffe. Ein Aktenvermerk verweist, daß Braunkohleteeröle aus dem zugelieferten Braunkohleteer erzeugt wurden.
Das etwa 1000 m² große Grundstück wird im Nordosten von der Retzerleitenstraße und im Südwesten vom Weißenegger Mühlgang begrenzt. Der ehemalige Mühlgang wurde Ende der Vierziger Jahre verlegt. Der aufgelassene Mühlgang wurde in weiterer Folge im nordwestlichen Teil der Altlast als Teergrube verwendet und zugeschüttet. Die betonierte Sohle der Teergrube befindet sich etwa in 2,7 m Tiefe unter GOK und ist heute undicht. Außerdem befinden sich mehr als 2 Meter hohe Bauschuttanschüttungen am Betriebsgelände, die ebenfalls mit Braunkohleteer kontaminiert sind. Als Volumensabschätzung kann angegeben werden, daß mit mindestens 1.000 m³ stark kontaminierten Material und weiteren 3.000 - 4.000 m³ geringer kontaminiertem Bauschutt und Erdreich zu rechnen ist.
Der Altstandort befindet sich im Übergangsbereich des Grazer Feldes zum Leibnitzer Becken im Bereich der Wildoner Murenge. Nördlich der Altlast sind die stark verkarsteten Leithakalke und Mergel des Kollischberges aufgeschlossen. Diese nach Süden geneigten, stark wasserführenden Sedimente bilden Rahmen und Basis der quartären Schotterterrassen, die im Gebiet des Altstandortes eine Mächtigkeit von ca. 7 m aufweisen.
Der Grundwasserspiegel befindet sich im Bereich des Altstandortes ca. 2,6 - 3,2 m unter der Geländeoberkante und somit etwa in der Tiefe des Betonwannenbodens der Teergrube. Die Grundwassermächtigkeit des Porengrundwasserleiters, der im Bereich der gegenständlichen Altlast aus Blockwerk mit Schluffeinschaltungen besteht, beträgt im Gebiet der Altlast etwa 4 - 4,6 m.
Bei Grundwasserhochstand verläuft die generelle Grundwasserströmungsrichtung, dem Abtauchen des tertiären Untergrundes folgend, bei einem Gefälle von 2,3 Promille von NNW nach SSE. Im murnahen Bereich schwenkt die Strömungsrichtung vorfluterparallel (zur Mur) ein. Bei Grundwassertiefstand wird die Strömungsrichtung durch Exfiltration aus der Mur im Abstrombereich weiter nach Osten (Richtung Stocking) abgelenkt. Dabei beträgt das Gefälle 1,3 Promille. Die lokalen Durchlässigkeitsbeiwerte im Bereich des Altstandortes können mit rund 1*10-3 bis 1*10-5 m/s angegeben werden. Die Abstandsgeschwindigkeit wird mit ca. 1 m/Tag angenommen.
Im Grundwasserabstrombereich des gegenständlichen Grundstücks, liegen vereinzelte Gehöfte mit Hausbrunnen. Das Wasser eines Brunnens, im unmittelbaren Abstrombereich, wurde bereits Anfang der Fünfzigerjahre genußuntauglich und dieser später zugeschüttet. Bei Grundwassertiefstand kann es zu einem Zustrom von Grundwasser aus dem Bereich der Altlast zum Versorgungsbrunnen WB II der Marktgemeinde Wildon (1100 m Entfernung SE) kommen.
Der heute bestehende Weißenegger Mühlkanal liegt über dem Grundwasser. Eine Kommunikation mit dem Grundwasser scheint nicht gegeben. Der Altstandort liegt in einem landwirtschaftlich geprägten Bereich. Derzeit liegt das gegenständliche Grundstück brach bzw. wird als Wiese genutzt.
Gefährdungsabschätzung
Am Standort der ehemaligen Teerfabrik "Lederer - Mellitzer" befinden sich etwa 1.000 m³ Braunkohleteer in verfüllten Teergruben und rund 3.000 - 4.000 m³ geringer kontaminierter Bauschutt und Erdmaterial. Die kontaminierten Schichten reichen an ihrer Basis bei Grundwasserhochstand bis ins Grundwasser.
Der analysierte Braunkohleteer ist laut ÖNORM S 2072, die einen Inhaltsstoffwert von maximal 10.000 mg Phenolindex/kg Trockensubstanz angibt, mit einem Phenolindex von 128.720 mg/kg TS von einer obertägigen Deponierung auszuschließen. Ebenso wird der maximale Inhaltsstoffwert von 100 mg/kg TS der PAK mit 164,19 mg/kg TS überschritten. Dieser wurde aus 6 Einzelstoffen errechnet. Auch in diesem Fall sollte gemäß ÖNORM S 2072 der Abfall von einer obertägigen Deponierung ausgeschlossen werden. Verglichen mit den neuen (1993) C-Werten der Hollandliste (=Sanierungswerte) überschreitet der Einzelstoff Phenanthren mit 78,41 mg/kg TS den Grenzwert fast um das Doppelte. Der Sanierungswert von Arsen nach der neuen Hollandliste mit 55 mg/kg TS wird um das vierfache überschritten. Weiters ist auch der Cyanidwert im Braunkohleteer mit 11,45 mg/kg TS relativ hoch. Die Sanierungswerte der Hollandliste werden in den Inhaltsstoffanalysen der organoleptisch eingeteilten Klassen 1 - 3 der Rammkernsondierung in den Parametern Phenol und Arsen in mindestens einem Parameter überschritten. Nochmals muß dabei erwähnt werden, daß es sich um einzelne Stichproben handelt, und die Meßwerte nur für eine grobe Abschätzung des Schadstoffpotentials dienen können. Grundsätzlich kann eine deutliche Abnahme der untersuchten Inhaltsstoffkonzentrationen mit den organoleptisch aufgestellten Klassen festgestellt werden. Die organoleptisch definierte Klasse 4 der Rammkernsondierung kann als annähernd unbelastet beschrieben werden.
Bei den durch die Marktgemeinde Wildon durchgeführten einmaligen Grundwasseranalysen zeigen der ca. 100 m abströmig der Altlast gelegene Brunnen "Baumhackl" und der unmittelbar anströmig der Altlast gelegene Brunnen Auen 66 reduzierende Verhältnisse an.
Diese Tatsache wurde durch die viermalige Beprobung im Rahmen der ergänzenden Untersuchungen in Vollziehung des Altlastensanierungsgesetzes bestätigt. Festgestellte Belastungen bzw. Beeinflussungen der Brunnen "Baumhackl und Auen 66" liegen in den Parametern Eisen, Mangan, Ammonium und Phenolindex vor. Bei keiner der Grundwasseranalysen konnten PAK festgestellt werden. Die Sonde Plank befindet sich im Grundwasserstrom seitlich der Altlast und kann als vergleichbare, unbelastete "Nullprobe" angesehen werden. Direkt im unmittelbaren Abstrombereich der Altlast, befindet sich die sog. "Sonde". Neben sehr geringem Sauerstoffgehalten, erhöhter Leitfähigkeit und erhöhten Ammoniumgehalten werden die zulässigen Höchstkonzentrationen des österreichischen Lebensmittelcodex für Trinkwasser in den Parametern Eisen, Mangan und Phenolindex überschritten. Der Phenolindex zeigt dabei besonders bei Grundwassertiefststand (März) hohe Konzentrationen (bis 5.200 µg/l) und war bei jeder Beprobung erhöht. An den abströmig zum Altstandort gelegenen Brunnen "Baumhackl" (ca. 100 m SE) und B 967 (~450 m SSE) konnte Phenol nur bei längerem Grundwassertiefstand (Mai) nachgewiesen werden. Beim unmittelbar benachbart zur Altlast im Grundwasseranstrom gelegenen Brunnen Auen 66 konnte Phenol nur bei Grundwasserhochstand (November) nachgewiesen werden. Dies kann durch einen Einstau der kontaminierten Schichten bei Grundwasserhochstand erklärt werden.
Im Abstrom der Altlast ist eine qualitative Beeinträchtigung des Grundwassers zu beobachten. Bei länger andauernden Grundwassertiefstand konnte eine Kontamination im Grundwasserabstrombereich durch Phenol im ca. 450 m entfernten Brunnen 967 nachgewiesen werden. Bei dieser Grundwasserstandsituation ist auch ein Zustrom von Grundwasser aus dem Bereich der Altlast zum Trinkwasserbrunnen Wildon WB II (Entfernung rund 1.100 m) möglich.
Die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigen, daß es sich um eine kleinflächige Altlast im Bereich eines ergiebigen und genutzten Grundwasservorkommens handelt. Im Nahbereich der Altlast ist eine Beeinträchtigung des Schutzgutes Grundwasser gegeben.
Texterstellung: Dezember 1993
Deutsch
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