Altlast ST 25: Putzerei Plachy

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Graz
Graz
Geidorf
2453
Art der Altlast:Altstandort
Branche:chemische Reinigung
Betriebsgröße:600 m²
Betriebszeitraum:1854 bis 1973
Schadstoffe:CKW
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:3
Datum der Altlastausweisung:15.4.2011
Datum der Prioritätenklassifizierung:15.4.2011
Status Sanierung im Altlastenatlas:-

ZUSAMMENFASSUNG

Im Zeitraum von 1946 bis 1973 wurden am Altstandort eine chemische Reinigung und eine Färberei betrieben. Durch die Verwendung von Tetrachlorethen als Reinigungsmittel kam es vermutlich ausgehend von der Reinigungsmaschine zu einer massiven Verunreinigung des wasserungesättigten Untergrundes und einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser. Es ist auch weiterhin mit einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Plachy“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vorgeschlagen.

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort befindet sich im Zentrum von Graz, direkt an der Glacisstraße Ecke Rittergasse, unmittelbar östlich des Stadtparks.

© Umweltbundesamt Übersichtslageplan Übersichtslageplan

Auf einer Fläche von etwa 400 m² befanden sich seit 1946 im Erdgeschoss eines einstöckigen Wohnhauses eine chemische Reinigung und eine Färberei. Der Reinigungsbetrieb erfolgte vorerst mit einer dampfbetriebenen Benzinwaschmaschine. Es existierten 2 Benzinbehälter mit je 200 l Inhalt. Weitere Benzinbehälter gab es im Hof (höchstens 2 Stück). Die genaue Lage der Anlagen ist nicht bekannt. Weiters gab es einen Maschinenbügelraum (später Münzwäscherei). Hier stand der Destillator, der zur Rückgewinnung des Schmutzbenzins diente und einmal monatlich in Betrieb genommen wurde. Im Bereich der Färberei befanden sich 3 offene Farbkessel mit je ca. 280 l Inhalt.

Im Jahr 1959 wurde die Errichtung einer Ölfeuerungsanlage bewilligt. Der Öllagertank von 30.000 l Inhalt wurde in einer betonierten Grube im Hofgelände untergebracht.

© Umweltbundesamt Lage von Anlagen im Bereich der Putzerei Plachy Lage von Anlagen im Bereich der Putzerei Plachy

Im Jahr 1965 wurde die Putzerei durch eine Münzwäscherei und eine Münzputzerei erweitert. Es wurden 3 chemische Reinigungsautomaten mit Tetrachlorethen als Reinigungsmittel (4 bis 5 kg) errichtet. Neben den 3 Münzwaschanlagen wurde zusätzlich eine chemische Reinigungsmaschine aufgestellt. Die Reinigungsmaschine besaß einen Tank für das Reinigungsmittel Tetrachlorethen mit einem Fassungsvermögen von mehr als 50 l. Das Tetrachlorethen wurde im Keller gelagert bzw. destilliert. Es gibt keine Hinweise bezüglich der Menge des eingesetzten Reinigungsmittels.

Die chemische Reinigung war bis 1973 in Betrieb. Im Jahr 1984 wurden im Bereich des Altstandortes Verunreinigungen der wasserungesättigten Bodenzone und des Grundwassers durch Tetrachlorethen festgestellt. Im März 1984 wurden im Hausbrunnen der ehemaligen Putzerei (Br. Pool) 21.000 µg/l Tetrachlorethen festgestellt.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt im Bereich der Würmterrasse der Mur auf etwa 365  m ü.A. Im Zuge der Errichtung von Grundwassermessstellen wurden im Untergrund etwa 3 m mächtige Anschüttungen in Form von Aushubmaterial und Ziegelresten angetroffen. Darunter folgen bis zu einer Tiefe von etwa 5 m Feinsande, Schluffe und lokal Kiese bzw. Steine. Diese werden von sandigen und schluffigen Kiesen unterlagert, die den Grundwasserleiter darstellen und bis zu einer Tiefe von 7,2 m angetroffen wurden. Darunter folgen feinsandige Schluffe mit Kiesen, die kein Grundwasser führen und bis zur maximalen Bohrtiefe von 16 m angetroffen wurden.

 

Der Grundwasserspiegel liegt im Bereich des Altstandortes auf durchschnittlich 359 m ü.A. Der Flurabstand beträgt im Mittel 6 m. Die Grundwasserströmung schwankt zwischen Süden und Westen. An 2 Probenahmeterminen war die Grundwasserströmung nach Südwesten und an jeweils einem Probenahmetermin nach Westsüdwesten bzw. Süden gerichtet. Während der Grundwasseruntersuchungen wurden Grundwasserspiegelschwankungen von durchschnittlich 0,2 m bis 0,5 m festgestellt. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt etwa 1 m. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt 0,6 % bis 1 %. An den neu errichteten Grundwassermessstellen KB 1 und KB 2 konnten keine Pumpversuche zur Ermittlung des Durchlässigkeitsbeiwertes durchgeführt werden, da die Grundwassermessstellen zu wenig Wasser führten. Auch im Zuge der Grundwasserbeweissicherung konnten großteils aufgrund des geringen Wasserdargebotes nur Schöpfproben entnommen werden. Entsprechend der Ansprache der angetroffenen Sedimente kann die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters mit 5*10-4 m/s abgeschätzt werden. Der spezifische Grundwasserdurchfluss (Abstrombreite = 1 m) beträgt ca. 0,005 l/s (ca. 0,5 m³/d) und ist als sehr gering zu bewerten. Entsprechend der gesamten Breite des Grundwasserstromes im Bereich des Altstandortes von etwa 20 m ergibt sich ein Grundwasserdurchfluss von ca. 0,1 l/s (ca. 8,5 m³/d).

Schutzgüter und Nutzungen

Die Betriebsräume der ehemaligen Putzerei werden derzeit als Verkaufs- und Lagerräume eines Buchantiquariats bzw. als Wohnräume genutzt. Unmittelbar südlich und westlich befinden sich die Rittergasse bzw. die Glacisstraße. Nördlich und östlich befinden sich Wohnhäuser. Westlich an die Glacisstraße angrenzend liegt der Grazer Stadtpark.

© Umweltbundesamt Grundwasserkörper „Grazer Feld“ Grundwasserkörper „Grazer Feld“

Es wurden im Grundwasserabstrom bis zu einer Entfernung von 2 km Grundwassernutzungen erhoben. Die erhobenen Brunnen sind Nutzwasserbrunnen vorwiegend zum Betreiben von Kühl- bzw. Klimaanlagen.

Der Altstandort „Putzerei Plachy“ liegt im nordöstlichen Teil des Grundwasserkörpers „Grazer Feld“. Der Grundwasserkörper „Grazer Feld“ umfasst eine Fläche von 166 km². Ausgehend von der Talenge des Murtales im Norden weitet sich der Talboden bis auf 9 km Breite zum Grazer Feld. Die Längserstreckung liegt bei etwa 27 km.

UNTERSUCHUNGEN

Im Zeitraum vom Sommer 1984 bis November 1999 wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Bodenluftuntersuchungen an 2 Messpunkten im Bereich des Altstandortes und an 14 weiteren Stellen im weiteren Umfeld des Altstandortes
  • Untersuchung von Grundwasserproben aus den Grundwassermesstellen bzw. Brunnen Br. Pool (ID 6) und ID 36 im Zeitraum von 1984 bis 1999
  • Pumpversuch in der in der Rittergasse südöstlich des Altstandortes situierten Grundwassermessstelle (ID 36) im Jänner 1985

 

Im Bereich des Altstandortes wurden im Zeitraum von März 2001 bis Jänner 2009 folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • orientierende Bodenluftuntersuchungen an 15 Messpunkten
  • Errichtung von 4 stationären Bodenluftmessstellen sowie Untersuchung von Bodenluftproben
  • Bodenluftabsaugversuche an den vier stationären Bodenluftmessstellen an 2 Terminen
  • Errichtung von 2 Grundwassermessstellen sowie Untersuchung von Grundwasserproben aus den neu errichteten Grundwassermessstellen, aus bestehenden Grundwassermessstellen bzw. Brunnen und aus den stationären Bodenluftmessstellen an 4 Terminen
  • Pumpversuch in der in der Rittergasse südöstlich des Altstandortes situierten Grundwassermessstelle ID 36 an einem Termin

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort „Putzerei Plachy“ wurde im Zeitraum von 1946 bis 1973 eine Putzerei und Färberei betrieben. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen eingesetzt.

 

Bei den orientierenden Bodenluftuntersuchungen in 2 m und 5 m Tiefe zeigte sich, dass der ungesättigte Untergrund vor allem in 5 m Tiefe lokal stark durch Tetrachlorethen belastet ist. Die stärksten Belastungen wurden im nördlichen Teil des Altstandortes festgestellt. Absaugversuche an stationären Bodenluftmessstellen in 2 Tiefenstufen bestätigen, dass der Untergrund in 5 m Tiefe höher durch Tetrachlorethen belastet ist, als in 2 m Tiefe. Die massivsten Belastungen wurden in Übereinstimmung mit den Analysenergebnissen der orientierenden Bodenluftuntersuchungen in einer Messstelle im nördlichen Teil des Altstandortes sowie in einer Messstelle im Bereich der ehemaligen Reinigungsmaschine festgestellt. Es kann davon ausgegangen werden, dass hier Reinigungsmittel in den Untergrund gelangt ist. In den beiden anderen stationären Bodenluftmessstellen wurden vergleichsweise geringere Tetrachlorethenkonzentrationen gemessen. Insgesamt ergeben die Bodenluftuntersuchungen, dass im Bereich des Altstandortes auf einer Fläche von etwa 170 m² der ungesättigte Untergrund erheblich mit Tetrachlorethen verunreinigt ist.

   

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass es zu einem massiven Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen aus dem wasserungesättigten Untergrund in das Grundwasser gekommen ist. Bereits in den 80-iger Jahren wurden im seitlichen Abstrom des Altstandortes stark erhöhte Tetrachlorethenkonzentrationen (bis 19.600 µg/l) im Grundwasser gemessen. Auch im Anstrom war eine massive Belastung durch Tetrachlorethen festzustellen (bis ca. 8.300 µg/l).

 

Im Zuge der aktuellen Grundwasseruntersuchungen zeigt sich ein ähnliches Belastungsbild wie in den 80-iger Jahren, die Tetrachlorethenkonzentrationen sind allerdings generell niedriger. Deutlich erhöhte Tetrachlorethenkonzentrationen wurden im Bereich der Reinigungsmaschine und im Abstrom sowie im seitlichen Abstrom gemessen. Auch im Anstrom wurden zeitweise starke Belastungen festgestellt. Die Ergebnisse von 2 Pumpversuchen, die in den Jahren 1985 und 2008 in der Grundwassermessstelle im seitlichen Abstrom des Altstandortes durchgeführt wurden bestätigen, dass das Grundwasser in diesem Bereich massiv durch Tetrachlorethen belastet ist.

Insgesamt zeigt sich, dass eine Vorbelastung des Grundwassers durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gegeben ist. Durch den Betrieb der chemischen Reinigung am Altstandort fand zusätzlich ein massiver Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen bzw. Tetrachlorethen statt. Entsprechend der aktuellen Analysenergebnisse kann abgeleitet werden, dass es noch immer zu einem massiven Eintrag von Tetrachlorethen ins Grundwasser kommt.

 

Aufgrund des geringen Grundwassergefälles und der relativ geringen Durchlässigkeit des Grundwasserkörpers ist der Grundwasserdurchfluss im Bereich des Altstandortes sehr gering. Im Bereich der Grundwassermessstelle KB 2  (angenommene Abstrombreite ca. 12 m) kann die Fracht mit etwa 5 g/d und im Bereich der Grundwassermessstelle ID 36 (angenommene Abstrombreite ca. 7 m) kann die Fracht mit etwa 11 g/d abgeschätzt werden. Insgesamt kann die Schadstofffracht als erheblich beurteilt werden.

 

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass im Bereich des Altstandortes eine starke Verunreinigung des wasserungesättigten Untergrundes durch Tetrachlorethen vorhanden ist, die eine deutliche Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Es ist auch weiterhin mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Plachy“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden.

 

Schadstoffpotenzial: hoch (2)

Am Altstandort „Putzerei Plachy“ ist der Untergrund mit chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Die Fläche des verunreinigten Untergrundbereiches ist ca. 150 bis 200 m² groß. Der maßgebliche Schadstoff ist Tetrachlorethen, der aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotenzial aufweist. Der verunreinigte Untergrundbereich ist vergleichsweise klein. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als hoch zu bewerten.

 

Schadstoffausbreitung: begrenzt (2)

Im unmittelbaren Grundwasserabstrom ist das Grundwasser massiv mit Tetrachlorethen belastet.  Es ist anzunehmen, dass die Schadstofffahne mehr als 100 m lang ist. Die Tetrachlorethenfracht im Grundwasser ist als erheblich zu bewerten. Es ist auch weiterhin mit einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser zu rechnen. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als begrenzt zu bewerten.

 

Schutzgut: nutzbar (1)

Der Altstandort liegt im Bereich eines gering ergiebigen Grundwasserkörpers. Das Grundwasser wird im weiteren Abstrom durch Nutzwasserbrunnen genutzt. Der Altstandort liegt im Stadtgebiet von Graz und die Trinkwasserversorgung erfolgt über öffentliche Trinkwasserversorgungsanlagen. Aufgrund des geringen Wasserdargebotes ist auch zukünftig mit keiner hochwertigen Grundwassernutzung zu rechnen. 

 

Prioritätenklasse – Vorschlag: 3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Putzerei Plachy“ in die Prioritätenklasse 3 vor.

Datum der Texterstellung: August 2010