Altlast T 9 Rekord-Reinigung
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Innsbruck Innsbruck Pradl 1841/3 | Art der Altlast: | Altstandort | Branche: | chemische Reinigung | Betriebsgröße: | 700 m² | Betriebszeitraum: | 1954 bis 1993 | Schadstoffe: | Tetrachlorethen | Gefährdete Schutzgüter: | Grundwasser | Prioritätenklasse: | 1 | Datum der Altlastausweisung: | 5.9.1994 | Datum der Prioritätenklassifizierung: | 20.5.1997 | Status Sanierung im Altlastenatlas: | - | letzte Aktualisierung im Altlastenatlas: | 21.5.1997 |
Beschreibung der Altlast
Übersichtskarte
Der ehemalige Standort der chemischen Reinigung befindet sich im Innsbrucker Stadtteil Pradl. Der Betrieb bestand von 1964 bis 1993 und umfasste eine Wäscherei, eine Chemische Reinigung und eine Färberei. Zur chemischen Reinigung wurde eine Reinigungsmaschine betrieben, die im Untergeschoß aufgestellt war. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen (Perchlorethylen) verwendet.
Unmittelbar nördlich des Untergeschosses befindet sich niveaugleich, etwa 2,5 m unter Gelände, eine Abfahrtsrampe, die zur Lagerung der Lösungsmittel genutzt wurde. Im Bereich dieser Abfahrtsrampe besteht ein Sickerschacht. Westlich des Untergeschosses bestanden bis März 1994 zwei Unterflurtanks zu je 25.000 l. Es wurde Heizöl gelagert. Das Betriebsgelände war rund 700 m² groß. Seit der Auflassung der Putzerei wird das Gelände bzw. das ehemalige Betriebsgebäude von einem Gewerbebetrieb als Lager genutzt.
Der Altstandort befindet sich im südlichen Bereich des Inntales. Das Gelände am Altstandort ist eben und befindet sich etwa auf 578 m ü.A. Der Untergrundaufbau wird überwiegend durch quartäre Sedimente (sandige-steinige Kiese) des Inntales bzw. des Sillschwemmfächers geprägt. Die Mächtigkeit der quartären Sedimente im Bereich der Stadt Innsbruck kann mit einer Größenordnung von mindestens 340 bis 390 m angegeben werden.
Der Altstandort befindet sich am östlichen Rand des Sill-Schwemmfächers. Bei den Sedimenten des Schwemmfächers handelt es sich durchgehend um gut durchlässige Kiese mit unterschiedlichen Anteilen an Sanden bzw. Steinen. Die Mächtigkeit dieser Schicht ist nicht genau bekannt, beträgt aber jedenfalls mehr als 30 m. Etwa 600 m östlich des Altstandortes endet der Schwemmfächer der Sill und das Gelände fällt um etwa 11 m zum Talboden des Inntales ab. Die Mächtigkeit der in diesen Bereichen anstehenden Inntalschotter (gut durchlässige sandige Kiese) beträgt zumindest 80 m.
Wechsellagerungen unterschiedlicher Sedimentschichten (Kiese und Sande, Möränen und schluffig-tonige Stillwassersedimente) sind sowohl im Bereich des Sill-Schwemmfächers als auch im Bereich der Inntalschotter allgemein erst in größeren Tiefenbereichen von mehr als 50 bzw. 100 m zu erwarten. Dabei können auch lokal bis zu mehrere Meter mächtige Schichten feinkörniger (tonig-schluffig) bzw. gering durchlässiger Sedimente ausgebildet sein.
Im unmittelbaren Bereich des Altstandortes befindet sich der Grundwasserspiegel durchschnittlich 12 bis 13 m unter Gelände (ca. 565 m ü.A.). Die Fließrichtung ist generell nach Osten gerichtet und schwankt im jahreszeitlichen Verlauf nur geringfügig. Das Gefälle des Grundwasserspiegels beträgt durchschnittlich 1,7 Promille. Innerhalb der oberflächennah anstehenden, gut durchlässigen Sedimente des Sill-Schwemmfächers und des Inntales ist ein durchgehender Grundwasserhorizont ausgebildet. Die Mächtigkeit dieses Horizontes kann mit zumindest 50 m angenommen werden. Die Fließ- bzw. Abstandsgeschwindigkeit des Grundwassers kann mit rund 1,7 m pro Tag abgeschätzt werden.
Der Altstandort liegt im Stadtgebiet von Innsbruck. Im weiteren Abstrom des Standortes wird das Grundwasser von einigen Gewerbebetrieben durch Nutzwasserbrunnen genutzt.
Gefährdungsabschätzung
Am Standort der ehemaligen Putzerei wurde Tetrachlorethen (Perchlorethylen) als Reinigungsmittel eingesetzt. Aufgrund unzureichender Schutzvorkehrungen beim Betrieb einer Reinigungsmaschine und durch Manipulationsverluste im Bereich der Betriebsflächen konnte Tetrachlorethen in den Untergrund gelangen. Zur Untersuchung der Untergrundverunreinigung wurden im Jahr 1993 an 2 Probenahmepunkten und im Jahr 1995 an 20 Probenahmepunkten Bodenluftproben entnommen. Der Richtwert der CKW-Anlagenverordnung (BGBl. 27/1990) für CKW beträgt 10 mg/m³. Der Sanierungsrichtwert des Bayerischen Wasserwirtschaftsamtes für CKW beträgt 50 mg/m³. Den vorliegenden Untersuchungsergebnissen entsprechend konnten im Bereich des Altstandortes auf einer Fläche von etwa 1.500 m² CKW-Konzentrationen über 50 mg/m³ festgestellt werden. Die Grundfläche in deren Bereich in der Bodenluft Überschreitungen einer CKW-Konzentration von 10 mg/m³ nachweisbar waren, kann mit mindestens 2.500 m² abgeschätzt werden. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die Verunreinigungen der wasserungesättigten Bodenzone vor allem im Grundwasserabstrom der Putzerei weit über das ehemalige Betriebsgebäude hinaus reichen.
Im Bereich zweier Heizöltanks westlich des Betriebsgebäudes wurde bei Umbauarbeiten im Jahr 1994 eine Kontamination des Untergrundes mit Mineralöl festgestellt. Von der Umweltbehörde Hamburg wird im Bereich von Grundwasserleitern für den Fall, dass in einer Entfernung von 2 km keine Trinkwasserfassungsanlage besteht, für wenig mobile Kohlenwasserstoffe ein Richtwert von 1.000 mg/kg TS für die Sanierung empfohlen. Der Sanierungsrichtwert der Kategorie II der Berliner Liste für Kohlenwasserstoffe beträgt 3.000 mg/kg TS. Die Analysenergebnisse von zwei Bodenproben aus dem Bereich unterhalb der Heizöltanks (68.511 bzw. 53.161 mg/kg TS) zeigten deutliche Überschreitungen der zitierten Sanierungsrichtwerte. Im Februar 1994 wurden im Zuge der Entfernung der unterirdischen Öltanks auch etwa 51 Tonnen verunreinigtes Erdreich entfernt. Auf Grund der Tatsache, dass im Zuge der Beweissicherung der Grundwasserqualität im Bereich des Altstandortes auch erhöhte Konzentrationen an Kohlenwasserstoffen an Wasserproben nachgewiesen werden konnten, ist jedoch davon auszugehen, dass im Bereich der ehemaligen Tanks weiterhin Belastungen des Untergrundes mit Mineralöl gegeben sein können.
Den Ergebnissen der Beweissicherung der Qualität des Grundwassers folgend ergibt sich, dass im Abstrom der Altlast eine maximal etwa 250 m breite und rund 2 km lange Schadstoffahne ausgebildet ist, in deren Bereich erhöhte Konzentrationen an Tetrachlorethen nachweisbar sind. Die zulässige Höchstkonzentration gemäß Kapitel B 1 "Trinkwasser" des Lebensmittelbuches beträgt für Tetrachlorethen 10 µg/l. Unmittelbar im Schadensherd konnten bei allen drei Probenahmeterminen Gehalte an Tetrachlorethen festgestellt werden, die den Trinkwassergrenzwert um mehr als das 100-fache überschreiten. Der mittleren Stromlinie der Schadstoffahne folgend konnten Überschreitungen des Trinkwassergrenzwertes bei einzelnen Beprobungen bis in rund 2 km Entfernung beobachtet werden.
Den vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnissen entsprechend ergibt sich zusammenfassend, dass durch die ehemalige Putzerei Verunreinigungen des Untergrundes durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (Tetrachlorethen) und Mineralöl verursacht wurden. Von den Verunreinigungen der wasserungesättigten Bodenzone durch Tetrachlorethen ist eine Fläche betroffen die um bis 40 m über das ehemalige Betriebsgebäude hinaus reicht. Durch die Kontaminationen des Untergrundes wird eine massive und weitreichende Verunreinigung eines sehr ergiebigen Grundwasservorkommens verursacht. Das Grundwasser im Abstrom der Altlast wird durch Nutzwasserbrunnen von Gewerbebetrieben intensiv genutzt. Die maximale Ausdehnung der Schadstoffahne in Richtung Osten reicht bis zum Inn bzw. bis zum Freizeitzentrum Rossau in mehr als 2 km Entfernung von der Altlast.
Datum der Texterstellung: Februar 1997
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