Gesicherte Altlast K 1: Deponie Sankt Veit an der Glan

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
St. Veit an der Glan
Sankt Veit an der Glan
St. Veit an der Glan
1216
Art der Altlast:Altablagerung
Art der Ablagerungen:Aushubmaterial/Abraum,
Bauschutt,
gefährliche Abfälle,
Hausmüll
Volumen:500.000 m³
Ablagerungszeitraum:bis 1987
Schadstoffe:erhöhte Mineralisierung,
reduzierende Verhältnisse,
Blei,
Chrom,
Kupfer
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:1
Datum der Altlastausweisung:1.3.1990
Datum der Prioritätenklassifizierung:13.5.1990
Art der Sanierungsmaßnahmen:-
Datum des Eintrages als saniert:22.3.1999
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:1.12.1998

Beschreibung der Altlast

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Die Altablagerung "St. Veit/Glan" befindet sich rund 1,5 km südwestlich des Stadtzentrums von St. Veit unmittelbar nördlich der Glan. Ab Anfang der 50er Jahre wurde auf einer Fläche von ca. 10 ha rund 520.000 m³ Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt sowie Industrie- und Gewerbeabfälle in Form einer Haldenschüttung abgelagert. Die durchschnittliche Mächtigkeit der Ablagerung beträgt ca. 5 bis 6 m. An der Basis der Deponie existieren keine technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz.

Der Untergrund wird im Bereich der Altlast folgendermaßen aufgebaut:

  • Torf (1,3 bis 3,5 m mächtig)
  • Ausedimente: Sande und Schluffe, teilweise Kiese, teilweise torfig (ca. 1 bis 5 m mächtig)
  • sandige Kiese (ca. 2,5 bis 6,5 m mächtig)
  • Grundmoräne (Tone, Schluffe, kiesig) ab ca. 7 bis 13 m unter Gelände

Die sandigen Kiese bilden einen gut durchlässigen Grundwasserleiter. Die Ausedimente sind überwiegend gering durchlässig. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt im rund 1 m. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt rund 1 ‰. Die generelle Grundwasserströmung ist nach ONO gerichtet. Die Grundmoräne bildet den Grundwasserstauer. Die Oberkante des Stauers weist ein Relief auf.

Durch die Auflast der Deponie hat sich die Sohle der Deponie um ca. 1,5 m gegenüber das ursprünglich Gelände gesetzt, wodurch die Sohle der Ablagerungen im Grundwasser liegt. Im Zuge der Ablagerungen wurde vermutlich auch ein ehemaliger Altarm der Glan überschüttet.

Die Altlast befindet sich im Grundwasserschongebiet "Mittleres Glantal". Die Altablagerung befindet sich im Überschwemmungsgebiet der Glan, welche unmittelbar südlich der Deponie fließt.

Gefährdungsabschätzung

Ab Anfang der 50er Jahre wurden auf einer Fläche von ca. 10 ha rund 520.000 m³ Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt sowie Industrie- und Gewerbeabfälle in Form einer Haldenschüttung abgelagert. Die Altlast befindet sich im Überschwemmungsgebiet der Glan.

Vor Beginn der Ablagerungen wurden keine technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz durchgeführt. Bei Schurfgrabungen im Jahr 1986 wurde festgestellt, daß sich die Sohle der Deponie im Grundwasser befindet. Daher findet auch eine zusätzliche Auslaugung der Deponie durch Grundwasser statt.

So zeigen Analysen von Grundwasser aus Schürfen, daß im Ostteil der Deponie das Grundwasser hoch mineralisiert ist. Außerdem wurden sehr hohe CSB- und Ammoniumwerte festgestellt.

Im Dezember 1985 wurden aus 7 Grundwassermeßstellen insgesamt 17 Grundwasserproben analysiert. Die Analysenergebnisse von Wasserproben aus dem Grundwasseranstrom zeigen, daß das Grundwasser reduzierende Verhältnisse aufweist. So sind die erhöhten Werte für die Parameter TOC, Nitrit, Ammonium, Eisen und Mangan bzw. der geringe Sauerstoffgehalt im Anstrom der Altlast sind auf das natürliche Vorkommen von Torf im Untersuchungsgebiet zurückzuführen.

Ein Vergleich der Analysenergebnisse von Proben aus dem Grundwasseranstrom mit Proben vom unmittelbaren Abstrom der Deponie zeigt, daß bei einigen Parametern die maximal gemessenen Werte im Grundwasserabstrom deutlich erhöht sind. So sind neben einer deutlichen Aufhärtung des Grundwassers im Grundwasserabstrom auch deutlich erhöhte Meßwerte bei den Parametern TOC, Nitrit, Ammonium, Cadmium und Kupfer festzustellen.

Im weiteren Grundwasserabstrom (rund 160 bzw. 400 m vom Deponierand entfernt) wurden im Vergleich zum Grundwasseranstrom auch bei den Parametern Blei, Zink und Chrom deutlich erhöhte Meßwerte festgestellt. Da jedoch im unmittelbaren Abstrom der Deponie bei diesen Parametern keine deutliche Veränderung der Grundwasserqualität festgestellt werden kann, können diese Belastungen nicht eindeutig auf die Deponie zurückgeführt werden.

Zur Beurteilung der Analysenergebnisse werden die Prüf- und Maßnahmenschwellenwerte der ÖNORM S 2088-1 herangezogen. In der Tabelle 1 werden für Parameter, bei denen eine deutliche Veränderung der Grundwasserqualität durch die Deponie festgestellt werden konnte, die Anzahl der Proben mit Überschreitungen der Orientierungswerte angegeben.

Anzahl der Proben mit Überschreitungen von Orientierungswerten

ParamterPW (1)MSW (1)PW (2)MSW (2)PW (3)MSW (3)
pH-Wert0-1-0-
Calcium0-3-1-
Magnesium0-7-3-
Natrium0-4-0-
Kalium0-4-0-
Sulfat0-2-0-
Chlorid0-7-0-
Nitrat0-0-0-
Nitrit0-1-0-
Ammonium0-3-3-
Cadmium000000
Kupfer204604

(1) GW-Anstrom

(2) unmittelbarer GW-Abstrom

(3) 160 bzw. 400 m im GW-Abstrom

 

Die Tabelle 1 zeigt, daß im unmittelbaren Abstrom bei allen Parameter außer Nitrat und Cadmium die jeweiligen Orientierungswerte überschritten werden. Im weiteren Grundwasserabstrom sind bei den Parametern Ammonium, Calcium, Magnesium und Kupfer Überschreitungen der jeweiligen Orientierungswerte festzustellen.

Zusammenfassend zeigten die Grundwasseranalysen, daß durch Sickerwasser bzw. auch durch Auslaugen der Basis des Deponiekörpers durch Grundwasser die Beschaffenheit des Grundwassers im Abstrom der Deponie deutlich verändert wurde.

Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen

Zur Verhinderung einer Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasserabstrom wurde die Deponie mit einer doppelten Schmalwand umschlossen. Die Umschließung umfaßt eine Fläche von ca. 100.000 m² und weist eine Länge von ca. 1.300 m auf. Die doppelte Schmalwand ist in 24 Kontrollkammern geteilt. Die Schmalwand reicht in den Grundwasserstauer bis in eine Tiefe von 12 bis 14 m unter Gelände.

Innerhalb der Umschließung wird das Grundwasser abgesenkt, sodaß eine zusätzliche Sicherheit gegen einen Austritt von kontaminiertem Grundwasser aus dem Deponiebereich in die Umgebung vorhanden ist. Das abgepumpte Grundwasser wird über die Kanalisation zu einer Kläranlage geleitet. Zusätzlich wird in jeder Kontrollkammer bei Bedarf ein Brunnen betrieben.

Zum Schutz gegen Hochwasser der Glan wurde ein Hochwasserschutzdamm errichtet.

Regelmäßig durchgeführte Kontrollmessungen der Lage des Grundwasserspiegels außerhalb der Deponie, in den Kontrollkammern und innerhalb der Deponie zeigen, daß der Grundwasserspiegel innerhalb der Umschließung tiefer liegt als außerhalb. Ausgehend von diesen Messungen ist daher anzunehmen, daß keine Grundwasserströmung aus dem Deponiebereich in den Grundwasserkörper außerhalb der Umschließung stattfindet.

Zur Grundwasserbeweissicherung werden in regelmäßigen Abständen Grundwasserproben analysiert. In der Tabelle 2 sind ausgewählte Analysenergebnisse von Grundwasserproben aus den Jahren 1996 bis 1998 aus einem Brunnen innerhalb der Deponieumschließung und aus den Grundwasserabstromsonden den Ergebnissen von Grundwasseranalysen von 1985  gegenübergestellt.

Die Tabelle 2 zeigt, daß das Grundwasser innerhalb der Deponieumschließung stark durch anorganische und organische Schadstoffe belastet ist. Ein Vergleich der Analysenergebnisse von Grundwasserproben aus dem unmittelbaren Abstrom der Deponie vor und nach der Errichtung der doppelten Schmalwand zeigt, daß sich die Grundwasserqualität deutlich verbessert hat. Neben einem Rückgang der Gesamtmineralisierung und der organischen Belastung des Grundwassers (TOC) ist auch eine deutliche Verbesserung der Grundwasserqualität bei den Schwermetallen Kupfer und Cadmium feststellbar.

Zusammenfassung der Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen innerhalb der Umschließung und im Grundwasserabstrom

ParameterEinheitinnerhalb der Umschließunginnerhalb der Umschließunginnerhalb der Umschließung
minmax n
el. LeitfähigkeitµS/cm510060405
pH-Wert6,516,875
Karbonathärte° dH148,96173,35
Gesamthärte° dH74,997,725
TOCmg/l113,71
CSBmg/l2663705
Calciummg/l37,4232,65
Magnesiummg/l237,72865
Natriummg/l1691995
Kaliummg/l1581755
Sulfatmg/l<1084
Chloridmg/l151,13255
Eisenmg/l35,8755
Manganmg/l0,721,85
Nitratmg/l2,14,75
Nitritmg/l0,0270,4495
Ammoniummg/l3134565
Cadmiumµg/l<10,24
Kupferµg/l<5404
ParameterEinheitunmittelbarer Abstrom nach Umschließungunmittelbarer Abstrom nach Umschließungunmittelbarer Abstrom nach Umschließung
minmax n
el. LeitfähigkeitµS/cm292155510
pH-Wert6,487,3110
Karbonathärte° dH6,4724,510
Gesamthärte° dH753,8710
TOCmg/l6,0515,510
CSBmg/l134510
Calciummg/l38290,410
Magnesiummg/l19,457,310
Natriummg/l3,431,610
Kaliummg/l1,3512,710
Sulfatmg/l2361510
Chloridmg/l5,922,710
Eisenmg/l0,3514,8210
Manganmg/l0,052,110
Nitratmg/l0,224,610
Nitritmg/l0,0070,07910
Ammoniummg/l0,0113,3310
Cadmiumµg/l<0,2<0,28
Kupferµg/l<598
ParameterEinheitunmittelbarer Abstrom vor Umschließungunmittelbarer Abstrom vor Umschließungunmittelbarer Abstrom vor Umschließung
minmaxn
el. LeitfähigkeitµS/cm706251010
pH-Wert6,87,410
Karbonathärte° dH16,963,910
Gesamthärte° dH22,574,810
TOCmg/l7,3139,410
CSBmg/l-0
Calciummg/l11337110
Magnesiummg/l26,59910
Natriummg/l8,7110,810
Kaliummg/l1,67010
Sulfatmg/l22,3110,910
Chloridmg/l23,121310
Eisenmg/l0,56110
Manganmg/l0,121,0810
Nitratmg/l029,510
Nitritmg/l0,0050,0327
Ammoniummg/l0,0270,54710
Cadmiumµg/l0,10,510
Kupferµg/l4621010

Ausgewählte Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen im Juli 1998

ParameterEinheitmin (1)max (1)n min (2)max (2)n
el. LeitfähigkeitµS/cm8428582108011762
pH-Wert6,746,9926,836,912
Karbonathärte° dH21,0822,85217,7521,622
Gesamthärte° dH22,6824,64232,8233,772
Sauerstoffmg/l0,070,63200,222
TOCmg/l7,5814,526,057,192
CSBmg/l2640213222
Calciummg/l121128,621711762
Magnesiummg/l16,623,7238,539,62
Natriummg/l13,623210,627,42
Kaliummg/l2,86,721,3562
Sulfatmg/l282922452772
Chloridmg/l10,916,4216,322,72
Eisenmg/l0,941,1820,517,552
Manganmg/l0,320,8220,721,82
Nitratmg/l0,95,520,62,92
Nitritmg/l0,0210,02820,0240,0282
Ammoniummg/l0,0430,5920,0141,592

(1) GW-Anstrom

(2) GW-Abstrom

 

Im Vergleich zum Grundwasseranstrom zeigen sich im Grundwasserabstrom der Deponie auch nach der Errichtung der Umschließung erhöhte Konzentrationen bei einigen Stoffen (z.B. bei Sulfat, sh. Tabelle 3). Entsprechend der nachgewiesenen hydraulischen Funktionsfähigkeit der Sicherungsmaßnahmen sind diese erhöhten Konzentrationen nicht auf aktuelle Schadstoffemissionen aus dem Deponiebereich, sondern auf Restbelastungen des Grundwasserkörpers vor Errichtung der Umschließung zurückzuführen. Aufgrund der geringen Grundwasserströmung im Grundwasserabstrombereich der umschlossenen Deponie wird sich diese Restbelastung nur langsam verringern.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß die durchgeführten Sicherungsmaßnahmen einen Schadstoffaustrag aus der Deponie verhindern. Die Grundwasserqualität im Grundwasserabstrombereich hat sich nach Errichtung der Umschließung deutlich gebessert. Die Altlast K 1 "Deponie Sankt Veit an der Glan" kann daher als gesichert beurteilt werden.

 

Datum der Texterstellung: Dezember 1998