Gesicherte Altlast O8: Mülldeponie Steyr

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Steyr-Stadt
Steyr
Gleink
1077/1, 1080, 1081, 1082, 1083, 1084, 1085/1, 1085/2, 1086, 1089, 1092/2, 1094/1, 1094/2, 1237/1
Art der Altlast:Altablagerung
Art der Ablagerungen:Aushubmaterial/Abraum,
Bauschutt,
gefährliche Abfälle,
Hausmüll,
Industrie-/Gewerbemüll
Volumen:200.000 m³
Ablagerungszeitraum:1970 bis 1988
Schadstoffe:reduzierende Verhältnisse
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:-
Datum der Altlastausweisung:16.1.1992
Datum der Prioritätenklassifizierung:13.10.1992
Art der Sanierungsmaßnahmen:-
Datum des Eintrages als saniert:1.11.2002
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:1.11.2002

Zusammenfassung

Bei der Altlast "Mülldeponie Steyr" handelt es sich um die kommunale Mülldeponie der Stadt Steyr. In den 70er und 80er Jahren wurden etwa 200.000 m³ Hausmüll, hausmüllähnliche Gewerbeabfälle, Bauschutt und Aushubmaterial abgelagert. Die Deponie wurde Mitte der 80er Jahren mit einer Schmalwand umschlossen. Die Ergebnisse der Beweissicherung zeigen, dass von der Deponie ausgehend keine erhebliche Gefährdung für die Umwelt mehr gegeben ist.

Beschreibung der Altlast

© Umweltbundesamt Übersichtskarte

Auf der "Mülldeponie Steyr" werden seit 1970 Hausmüll, hausmüllähnlicher Gewerbemüll, Klärschlamm, Bauschutt und Aushubmaterial abgelagert. In den 70er und 80er Jahren wurden etwa 200.000 m³ Hausmüll, hausmüllähnliche Gewerbeabfälle, Bauschutt und Abraummaterial abgelagert. Zur Zeit werden jährlich ca. 25.000 t Abfälle in die Deponie eingebaut. Es handelt sich um eine Haldendeponie, die bis zu ca. 25 m über Gelände aufgeschüttet wird. Die Ablagerungen im Zeitraum vor 1988 erfolgten ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz.

Die Deponie befindet sich am linken Ufer der Enns etwa östlich der Ortschaft Hausleiten. Der Untergrund der Austufe der Enns wird durch junge fluviatile Sedimente, die von tertiären Meeresablagerungen unterlagert werden, aufgebaut. Im Bereich der Mülldeponie bewirkt ein Höhenrücken des tertiären Grundwasserstauers (Schlier), dass das Grundwasser nicht mit der Enns kommuniziert sondern aus dem Bereich der Mülldeponie nach Norden bzw. Nordosten abströmt. Im Norden der Deponie bildet der Stauer zwei Rinnen. Die Deponiesohle befindet sich oberhalb des Grundwasserspiegels.

Da kein relevanter Zustrom von Grundwasser in den Bereich der Deponie gegeben ist, sind die Mächtigkeit und die Ergiebigkeit des Grundwasser im Bereich bzw. im Grundwasserabstrom der Altlast der lokalen Grundwasserneubildungsrate entsprechend relativ gering. Dem Relief bzw. der Höhenlage des Schliers entsprechend kann es dabei auch dazu kommen, dass die Oberkante des Grundwasserstauers lokal über dem Grundwasserspiegel der Umgebung liegt.

Die Deponie befindet sich unmittelbar linksufrig der Enns. In unmittelbarer Umgebung der Altlast befinden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen und zwei Einfamilienhäuser. Etwa 2 km im Grundwasserabstrom befindet sich die Trinkwasserversorgungsanlage der Stadt Steyr. Aus dem Brunnenfeld Dietach wird die Stadt Steyr mit Trinkwasser versorgt.

Gefährdungsabschätzung

Auf der "Mülldeponie Steyr" wurden seit 1970 Hausmüll, hausmüllähnlicher Gewerbemüll, Klärschlamm, Bauschutt und Aushubmaterial ohne technische Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers abgelagert. Bis Mitte der 80er Jahre waren insgesamt rund 200.000 m³ Abfälle deponiert worden. Aufgrund der fehlenden Maßnahmen zum Grundwasserschutz konnten stark belastete Sickerwässer (sh. Tabelle 1) ungehindert in das Grundwasser gelangen.

Ausgewählte Analysenergebnisse einer Sickerwasser- und von Grundwasserproben in Gegenüberstellung mit Orientierungswerten der ÖNORM s 2088-1 für das Grundwasser

ParameterEinheit Sicker-wasserGrund-wasser minGrund-wasser maxGrund-wasser nÖNORM S 2088-1 PWÖNORM S 2088-1 MSW
El. LeitfähigkeitµS/cm-223030704--
Gesamthärte°dH49,439,443,64--
Kaliummg/l-95,6143412-
Ammoniummg/l26842,613140,3-
KmnO4-Verbrauchmg/l7459328241220
CSBmg/l9521062504--

Das Ergebnis der Analyse einer Sickerwasserprobe aus dem Jahr 1984 zeigte, dass das Sickerwasser hoch belastet war und dementsprechend weder für eine Einleitung in einen Vorfluter und keinesfalls für eine Versickerung ins Grundwasser geeignet war. Die Analysenergebnisse von Beprobungen eines Brunnens ca. 200 m im Grundwasserabstrom der Deponie im Jahr 1988 zeigten eine massive Beeinträchtigung des Grundwassers. Die stark erhöhten Messwerte bei den Leitparametern Ammonium, CSB und KMnO4-Berbrauch bestätigten, dass ein Eintrag von Sickerwässern mit hohen Belastungen aus dem Abbau organischer Abfälle gegeben war. Der Höhe der beobachteten Belastungen entsprechend kann darauf geschlossen werden, dass die Schadstofffahne der Deponie eine weitreichende Verunreinigung des Grundwassers verursacht hat. Dem Standort der Deponie entsprechend war auch eine Gefährdung des Brunnenfeldes Dietach und damit der Trinkwasserversorgungsanlage der Stadt Steyr nicht auszuschließen.

Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen

Ziel der Sicherungsmaßnahmen ist es, die Ausbreitung bzw. Verlagerung von Schadstoffen aus dem Bereich der Altlast in die Umgebung dauerhaft hintanzuhalten bzw. zu verhindern, so dass eine uneingeschränkte Nutzung des Grundwassers im Abstrom möglich ist.

Um die Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser hintanzuhalten wurden in den 80er Jahren folgende Maßnahmen gesetzt:

  • Entlang des nordwestlichen und nordöstlichen Randes des Deponieareals wurde eine Schmalwand errichtet (Verlauf der Schmalwand siehe Abbildung 1).
  • Innerhalb des durch die Schmalwände teilweise umschlossenen Deponieareals erfolgt durch den Betrieb von drei Brunnen im Bereich der Rinnen eine Grundwasserabsenkung.
  • Das aus den drei Brunnen abgepumpte Wasser wird in die Kläranlage des Reinhaltungsverbandes Steyr abgeleitet.

Die Einbindung der Schmalwand in den Grundwasserstauer erfolgte mindestens 0,8 m tief. Die Gesamtlänge der errichteten Schmalwand ist etwa 830 m. Die Tiefe der Schmalwände (von der Geländeoberkante bis zum Grundwasserstauer) beträgt zwischen 6 und 18 m. Bei der Errichtung der Schmalwand im Norden der Deponie wurde festgestellt, dass der Grundwasserstauer hier zwei Rinnen aufweist. Am Südrand des Deponieareals, in einem Bereich in dem der Grundwasserstauer ansteigt und an der Geländeoberkante ausstreicht, wurde auf einer Länge von etwa 480 m keine Schmalwand errichtet.

© Umweltbundesamt Verlauf der Umschließung sowie Lage der Brunnen und Grundwassermessstellen

Zur Kontrolle der Wirksamkeit der Umschließung und der Grundwasserhaltung erfolgt eine regelmäßige Beweissicherung der aus dem umschlossenen Bereich abgepumpten Wassermengen, der Grundwasserspiegellagen innerhalb und außerhalb des umschlossenen Bereiches sowie der Grundwasserqualität an Probenahmestellen im Umfeld der Altlast. Die Lage der Grundwassermessstellen und Brunnen kann aus Abbildung 1 entnommen werden.

Bis 2001 wurde jährlich eine Sickerwassermenge in der Größenordnung von rund 20.000 m³ abgepumpt. Die jährliche Niederschlagsmenge für den Bereich der Altlast kann mit etwa 70.000 m³ abgeschätzt werden. Der Sickerwasseranfall beträgt damit rund 30 % der jährlichen Niederschlagsmenge und entspricht in der Größenordnung den Literaturangaben über Sickerwasseranfall bei den entsprechenden klimatischen Bedingungen des Alpenvorlandes.

Die Messung der Grundwasserspiegellagen an benachbarten Messstellen innerhalb und außerhalb der Umschließung bestätigen, dass innerhalb des umschlossenen Deponiebereiches eine Absenkung des Grundwasserspiegels im Bereich der beiden Rinnen um zumindest 1 m gegeben war. Im Bereich der Stauerhochlage zwischen den beiden Rinnen liegt der Grundwasserspiegel innerhalb der Umschließung höher als außerhalb der Umschließung. Da in diesem Bereich das Wasserdargebot und die Mächtigkeit des Grundwassers sehr gering sind, kann es auch in diesen Bereichen zu keinen erheblichen Austritten belasteter Sickerwässer kommen.

Die Analysenergebnisse von Wasserproben im Abstrom der Altlast zeigten bei jenen Parametern, die Indikatoren für den Einfluss von Deponiesickerwasser auf das Grundwasser waren (z.B. el. Leitfähigkeit, Ammonium, Kaliumpermanganatverbrauch), einen deutlichen Rückgang der Messwerte.

© Umweltbundesamt Überblick zu ausgewählten Ergebnissen der Grundwasser-
beweissicherung im Abstrom der Altlast

In Abbildung 2 werden die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung an ausgewählten Grundwassermessstellen im Abstrom der Altlast für Leitparameter dargestellt. An dem Brunnen 1017 wurden zwischen 1988 und 2001 insgesamt 15 Proben entnommen und analysiert. An dem nahe gelegenen Brunnen 1018 wurden die Beprobungen des Grundwassers im Jahr 1995 eingestellt. An der Messstelle GS 6a wurden zwischen 1997 und 2001 insgesamt 7 Grundwasserproben entnommen.

Die Ergebnisse der durchgeführten Beweissicherungsmaßnahmen bestätigen nachvollziehbar, dass eine deutliche Verbesserung der Grundwasserqualität eingetreten ist. Im weiteren Abstrom der Altlast sind seit etwa 1992 keine Belastungen mehr zu beobachten, die auf eine Ausbreitung von verunreinigtem Grundwasser aus dem Bereich der Deponie schließen lassen.

© Umweltbundesamt Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung an der Messstelle GS 6
unmittelbar außerhalb der Umschließung der Altlast

In Abbildung 3 werden die Ergebnisse der Grundwassermessstelle GS 6 unmittelbar östlich der Altlast (siehe Abbildung 1) dargestellt. Die Grundwassermessstelle GS 6 wurde im Jahr 1996 in das Beweissicherungsprogramm aufgenommen. Bis Oktober 2001 wurden an dieser Messstelle insgesamt 5 Grundwasserproben entnommen.

Da an den Grundwasserproben der Messstelle GS 6 massive Belastungen des Grundwassers (z.B. Ammonium > 100 mg/l) zu beobachten waren, wurden in weiterer Folge in kurzer Distanz (25 bzw. 12 m) im Abstrom die Grundwassermessstellen GS 6b und 6c errichtet. Bei der Analyse von Grundwasserproben dieser beiden Grundwassermessstellen konnten keine bzw. nur deutlich geringere Belastungen (z.B. Ammonium 14 mg/l) beobachtet werden.

Die Ursache der Belastungen kann nicht eindeutig zugeordnet werden, wobei nachhaltige Sickerwasseraustritte aus dem Bereich der "Mülldeponie Steyr" auszuschließen sind.

Im Bereich der Grundwassermessstelle GS6 liegt die Oberkante des Grundwasserstauers im Vergleich mit der Umgebung relativ hoch, so dass nur eine sehr geringe Überdeckung mit Grundwasser gegeben. Jahreszeitlich bedingt kann es in diesem Bereich auch zu einem Trockenfallen kommen. Der Vergleich der Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung an den Messstellen GS 6 sowie der Messstellen 6a bis 6c zeigt, dass die massive Belastung des Grundwassers lokal beschränkt ist.

Die äußerst hohen Konzentrationen für die beschriebenen Parameter sind möglich, da Ergiebigkeit und Austausch des Grundwassers in diesem Bereich sehr gering sind. Die Schadstofffracht ist gering, so dass bereits in kurzer Distanz im Grundwasser keine relevanten Belastungen mehr gegeben sind.

Zusammenfassend ergibt sich anhand der vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse nachvollziehbar, dass die Umschließung der Altlast wirksam ist und eine Ausbreitung bzw. Verlagerung von Schadstoffen aus dem Bereich der Altlast in die Umgebung dauerhaft verhindert wird. Da die Wirksamkeit und ein weitgehender Erfolg der Maßnahmen nachgewiesen sind, ist die Altlast als gesichert zu bewerten.

 

Datum der Texterstellung:     September 2002

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