Belasteter Boden durch organische Schadstoffe?

Aktuelle organische Schadstoffe in Böden untersucht

Die Studie "Organische Schadstoffe in Grünlandböden" präsentiert neben Ergebnissen zu POPs (langlebige organische Schadstoffe) erstmals auch Ergebnisse zu weiteren Schadstoffen in Böden wie Phthalaten und Flammschutzmitteln.

Das Umweltbundesamt hat stichprobenartig Hintergrundstandorte in Österreich untersucht und die Schadstoffgehalte bewertet.

Die Studie wurde mit Unterstützung des Lebensministeriums durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen Aussagen früherer Erhebungen und aktuelle Trends. Sowohl altbekannte Risikostoffe, deren Anwendung bereits seit Jahren in vielen Ländern verboten ist, als auch sogenannte upcoming pollutants (Flammschutzmittel, Phthalate, Chlorphenole) -  finden sich in nicht unbeträchtlichen Konzentrationen im Boden. Die Studie zeigt, dass organische Schadstoffe auch fern von Verursacherquellen auf Weide- und Wiesenflächen zu finden sind.

 

Beprobt wurden 14 extensiv bewirtschaftete, emittentenferne Grünlandstandorte in den Bodentiefen 0-5 cm sowie 5-10 cm. Dies gibt Einblicke in die Verbreitung und Anreicherung von sowohl bekannten als auch „neuen" organischen Schadstoffen in der Umwelt.

 

Im Prüflabor des Umweltbundesamt wurden folgende Gruppen organischer Schadstoffe analysiert und bewertet:

  • Organochlorverbindungen (Pestizide) z.B. Aldrin, c-/t-Chloradan, Dieldrin, Mirex, Heptachlor, Hexachlorbenzol
  • Polychlorierte Biphenyle (PCBs)
  • Dioxine und Furane und dioxin-like PCBs
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs)
  • Polybromierte Dimethylether (PBDE – Flammschutzmittel)
  • Phenole z.B. Nonylphenol, Nitrophenole
  • Phthalate (Kunststoffweichmacher)
  • Organozinnverbindungen
  • Kohlenwasserstoffe (KW-Index)

Die Studie zeigt auch methodischen Entwicklungsbedarf für künftige Untersuchungen auf. Dies betrifft insbesondere das Erreichen niedriger analytischer Bestimmungs- und Nachweisgrenzen für diese Substanzen.

 

Schon durch Studien der letzten 10-15 Jahre ist belegt, dass Österreichs Böden als Träger der Lebensmittelproduktion und Filter der Gewässer auch organische Schadstoffe enthalten. In höherer Konzentration findet man diese Substanzen in industrienahen Gebieten sowie auf Ackerflächen mit Klärschlammaufbringung. Nicht immer liegen die Belastungen im Bereich von Hintergrundwerten. Nachgewiesen sind diese Stoffe auch in entlegenen industriefernen Waldgebieten, was für ihre unkontrollierbare Verteilung in der Umwelt spricht.  

 

Bisher sind die österreichischen Daten zu organischen Schadstoffen in Böden nur durch wenige Erhebungen in repräsentativem Umfang abgesichert.

 

Zur Erfassung von organischen Schadstoffen in Böden wird empfohlen:

  • Intensivierung der Standortdichte für Analysen
  • Einrichtung von Beobachtungssystemen zur Schadstofferfassung (Monitoring)
  •  Entwicklung von Methoden mit niedrigen Bestimmungs- und Nachweisgrenzen in den analytischen Messverfahren
  • Festlegung von Grenzwerten für upcoming pollutants in Böden
  • Weiterentwicklung bestehender Grenzwerte und Regelungen auch auf internationalem Level
  • weiterführende Studien

 

Von organischen Schadstoffen gehen aufgrund folgender Eigenschaften besondere Risiken aus

  • Persistenz gegen Abbaumechanismen,
  • ubiquitären Verbreitung in der Umwelt sowie
  • umwelt- und gesundheitsschädlichen Eigenschaften.

Auch in alltäglichen Produkten wurden Stoffe wie Weichmacher oder Flammschutzmittel mit z.T. beachtlichen gesundheitlichen Risiken nachgewiesen – zum Beispiel in Spielzeug.