Sicherheitsdatenblatt

Was ist ein Sicherheitsdatenblatt?

Ein Sicherheitsdatenblatt (SDB) ist ein Informationssystem über eine Chemikalie, das – ähnlich dem Beipacktext eines Medikamentes – kurz und übersichtlich die wichtigsten Informationen enthält und das Produkt über seine gesamte Lieferkette hinweg begleiten soll.

In erster Linie ist es dafür vorgesehen, berufsmäßigen Verwenderinnen/Verwendern zu ermöglichen, die notwendigen Maßnahmen für den Gesundheits- und Umweltschutz und für die Sicherheit am Arbeitsplatz zu ergreifen.

Aufgrund ihrer kompakten Charakterisierung von Chemikalien dienen Sicherheitsdatenblätter als Medium für den Austausch relevanter Informationen in der Lieferkette und sind dadurch nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für Behörden und Privatpersonen eine vielfältige und dennoch übersichtliche Informationsquelle.

Inhalt eines Sicherheitsdatenblattes

Das Sicherheitsdatenblatt hat insbesondere folgende Angaben zu enthalten:

  • Stoff-/Zubereitungs- und Firmenbezeichnung;
  • Mögliche Gefahren;
  • Zusammensetzung/Angaben von Bestandteilen;
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen;
  • Maßnahmen zur Brandbekämpfung;
  • Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung;
  • Handhabung und Lagerung;
  • Expositionsbegrenzung und persönliche Schutzausrüstungen;
  • Physikalisch-chemische Eigenschaften;
  • Stabilität und Reaktivität;
  • Angaben zur Toxikologie;
  • Angaben zur Ökologie;
  • Hinweise zur Entsorgung;
  • Angaben zum Transport;
  • Vorschriften.

Anforderungen an ein REACH-konformes Sicherheitsdatenblatt

Die Erfordernisse, die ein Sicherheitsdatenblatt zu erfüllen hat, sind EU-weit durch die REACH-Verordnung geregelt. In Österreich sind sie auch im Chemikaliengesetz sowie in der Chemikalienverordnung gesetzlich verankert.

 

Auf der Website des österreichischen REACH-Helpdesks werden diese Erfordernisse ausführlich erläutert.

Wie bekomme ich ein Sicherheitsdatenblatt?

Berufsmäßige VerwenderInnen

  • Gefährliche Produkte: Berufsmäßige VerwenderInnen haben einen Anspruch darauf, das Sicherheitsdatenblatt für alle gefährlichen Produkte spätestens bei der ersten Lieferung des Produktes kostenlos und in deutscher Sprache vom Lieferanten zu erhalten. Das gilt auch, wenn der Lieferant nicht in Österreich - jedoch in einem Mitgliedstaat der EU - ansässig ist. Falls Sie im Einzelhandel kaufen, erhalten Sie das SDB auf Nachfrage.
  • Nicht gefährliche Produkte: Für bestimmte, nicht als gefährlich eingestufte Produkte, ist der Lieferant verpflichtet, der/dem berufsmäßigen AbnehmerIn ein Sicherheitsdatenblatt zu übermitteln, wenn dies die/der AbnehmerIn verlangt. Solche Produkte sind auf der Verpackung mit dem Hinweis "Sicherheitsdatenblatt auf Anfrage für berufsmäßige Verwender erhältlich" gekennzeichnet.

Privatpersonen

Einer Privatperson, die ein gefährliches Produkt bezieht und verwendet, muss das Verkaufspersonal auf Nachfrage ein SDB aushändigen.

Andere Privatpersonen haben keinen Rechtsanspruch auf ein Sicherheitsdatenblatt, können es aber oft auf dem Kulanzweg erhalten. Viele Firmen haben ihre Sicherheitsdatenblätter – unabhängig von der Lieferpflicht an ihre Kundinnen/Kunden – auch ins Internet gestellt.

Problematik

Der Umgang mit gefährlichen Chemikalien kann bei ungenügender Kenntnis der gefährlichen Eigenschaften zu einer Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit der am betreffenden Arbeitsplatz beschäftigten ArbeitnehmerInnen führen. Der zentrale Informationsträger über die möglichen Gefahren von Chemikalien ist das Sicherheitsdatenblatt.

 

Diverse Erfahrungen sowie Studien haben allerdings gezeigt, dass besonders die in Österreich überwiegend vorhandenen Klein- und Mittelbetriebe nicht die nötige Kenntnis über ihre Verpflichtungen in diesem Zusammenhang haben und oft auch gar nicht über qualifizierte MitarbeiterInnen zur Erstellung und Überarbeitung von Sicherheitsdatenblättern verfügen.

Im Rahmen mehrerer EU-Projekte wurden österreichweit Sicherheitsdatenblatt-Kontrollen durchgeführt, die erhebliche Ausführungsmängel ergaben. Die Ergebnisse dieser Inspektionsprojekte zeigen, dass in Österreich – ähnlich wie in anderen EU-Ländern bis zu 70% der Sicherheitsdatenblätter nicht richtig oder unvollständig sind.