Energie in Europa

Energiepolitik in der EU

Klimawandel, zunehmende Energieimportabhängigkeit und höhere Energiepreise stellen die EU-Mitgliedsländer vor dieselben Herausforderungen. Im Jänner 2007 schlug die Europäische Kommission eine Energiepolitik für Europe vor, um den zukünftigen Energiebedarf nachhaltig, sicher und wettbewerbsfähig decken zu können. Ebenfalls im Jänner 2007 präsentierte die Europäische Kommission das „Klima- und Energiepaket“, dem das Europäische Parlament im Dezember 2008 zustimmte.

 

Klima- und Energiepaket

 

Mit dem Klima- und Energiepaket soll sichergestellt werden, dass die EU ihre Klimaziele für 2020 erreicht:

  • eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 20% (ausgehenden vom Level 1990)
  • eine 20%ige Senkung des Primärenergieverbrauch im Vergleich zum BAU Szenario
  • ein Erhöhung des Anteil der erneuerbaren Energieträger auf 20%

Erneuerbare Energieträger und Energieeffizienzmaßnahmen werden als die Schlüssel in der Energiepolitik gesehen, um Treibhausgasemissionen (THG) zu reduzieren, die Importabhängigkeit zu senken und die Energiekosten vom Ölpreis abzukoppeln.

Energieimportabhängigkeit

© Umweltbundesamt Energieimportabhängigkeit in EU-27

Die Energieimportabhängigkeit zeigt inwieweit eine Wirtschaft auf Importe angewiesen ist, um seinen eigenen Energiebedarf zu decken. Sie wird als Nettoimport dividiert durch die Summe des Bruttoinlandsenergieverbrauchs inkl. Lager berechnet.

 

In den EU-27 Mitgliedsländern stieg die Importabhängigkeit von 46% in 1998 auf 55% in 2008. Diese Entwicklung ist vorrangig bedingt durch die gestiegene Importabhängigkeit beim Energieträger Erdöl, die ihrerseits durch die gestiegenen Nachfrage im Verkehrssektor verursacht wurde. In Österreich schwankte die Energieimportabhängigkeit in diesem Zeitraum zwischen 65% und 73% und lag im Jahr 2008 bei 70%.

Energieintensität

© Umweltbundesamt Energieintensität in EU-27

Die Energieintensität bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Nettoinlandsverbrauch an Energie und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), gemessen in kg ROE (Kilogramm Rohöleinheiten) pro 1000 Euro. Der Indikator misst den Energieverbrauch einer Volkswirtschaft und ihre Gesamtenergieeffizienz.

 

In den EU-27 Mitgliedsländern ist die Energieintensität rückläufig und sank von 200 kg ROE/1000 Euro im Jahr 1998 auf 167 kg ROE/1000 Euro im Jahr 2008. Im selben Zeitraum schwankte in Österreich die Energieintensität zwischen 140 und 154 kg ROE/1000 Euro und lag im Jahr 2008 bei 138 kg ROE/1000 Euro.

Energieeffizienz

Im Jahr 2005 wurde das Grünbuch über Energieeffizienz von der Europäischen Kommission herausgegeben. Das Grünbruch über Energieeffizienz hält fest, dass die Europäische Union zumindest 20% ihres derzeitigen Energieverbrauchs bis 2020 einsparen kann. Energieeffizienzmaßnahmen werden dabei als Möglichkeit gesehen, auf schnellste und kostengünstigste Weise Treibhausgasemissionen zu reduzieren und Europas Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu senken.

 

Im Jahr 2006 wurde der „Aktionsplan für Energieeffizienz: Das Potenzial ausschöpfen“ publiziert. Ziel des Aktionsplans ist eine Reduktion des Primärenergieverbrauchs um 20% bis 2020 im Vergleich zum BAU-Szenario. Diese Reduktion entspricht einer jährlichen Einsparung von 1,5% bis 2020.

 

Eine Reihe von EU Richtlinien fördern Energieeffizienz in den Bereichen Gebäude, Energieproduktion und Produkte:

  • die Richtlinie 2002/91/EG über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden („Gebäude-Richtlinie“)
  • die Richtlinie 2004/8/EG über die Förderung einer am Nutzwärmebedarf orientierten Kraft-Wärme-Kopplung im Energiebinnenmarkt („Kraft-Wärme-Kopplungsrichtlinie“)
  • die Richtlinie 2005/32/EG zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte („Ökodesign-Richtlinie“).
  • die Richtlinie 2010/31/EU über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Neufassung)

 

Die Richtlinie 2006/32/EG über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen („Energieeffizienz-Richtlinie“) verpflichtet die Mitgliedsstaaten, beginnend im Jänner 2008 den Energieeinsatz bis 2017 durch Effizienzmaßnahmen um 9% zu senken und drei Energieeffizienz-Aktionsplänen auszuarbeiten. Österreich hat seinen 1. Energieeffizienzplan fristgerecht im Juni 2007 vorgelegt.

Erneuerbare Energie

© Umweltbundesamt EU Richtlinie für Erneuerbare Energien

Die Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen ("Richtlinie für Erneuerbare Energien") setzt das Ziel, EU-weit den Anteil an erneuerbaren Energieträger am Bruttoendenergieverbrauch von 8,5% im Jahr 2005 auf 20% bis 2020 zu erhöhen, mit nationalen Zielwerten für jedes Mitgliedsland. Das 20% Ziel inkludiert einen 10%igen Anteil von Biokraftstoffen im Verkehrssektor. Österreich hat sich verpflichtet den Anteil an erneuerbaren Energieträgern von 23,3% im Jahr 2005 auf 34% bis 2020 zu erhöhen.

 

Die Richtlinie 2009/28/EG löst die beiden Richtlinien 2001/77/EG und 2003/30/EG ab. Die Richtlinie 2001/77/EG sah vor, dass der Anteil an Stroms aus erneuerbaren Energiequellen von 14% im Jahr 1997 auf 22% im Jahr 2010 angehoben wird. Die Richtlinie 2003/30/EG enthielt die Vorgabe einen Anteil an Biokraftstoffen und anderen erneuerbaren Kraftstoffen von 5,75% bis 2010 zu erreichen.

Ausblick

Langfristig sind eine Transformation des vorherrschenden Wirtschaftssystems zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch notwendig, um eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 80-95% bis 2050 in Relation zu 1990 zu erreichen. Eine Reduktion der Treibhausgase in dieser Größenordnung in den Industrieländern wird als Voraussetzung gesehen, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf maximal 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.