Freisetzungen

© Umweltbundesamt/Groeger

Unter Freisetzung eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO) versteht man das absichtliche Ausbringen eines GVO aus einem geschlossenen System (z.B. Labor, Glashaus) in die Umwelt. Die Freisetzung erfolgt zu Forschungs- und Entwicklungszwecken und ist ein verpflichtender Schritt der Forschung auf dem Weg vom Labor zur Anwendung in der Praxis.

 

Freisetzungsvorhaben mit GVO müssen einer umfassenden Risikoabschätzung unterzogen werden, um potenzielle Risiken von Fall zu Fall beurteilen zu können. Diese Einzelfallbewertung ist ebenso ein Grundprinzip beim Umgang mit GVO wie das Stufenprinzip. Demnach dürfen Freisetzungen zu Versuchs- oder Forschungszwecken immer nur stufenweise erfolgen. Einschließungen der GVO werden dabei Schritt für Schritt gelockert und Freisetzungen mit zunehmender Erfahrung stufenweise ausgeweitet. 

Potenzielle Umweltwirkungen

Die Risikoabschätzung einer Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sollte unter Einbeziehung indirekter und sekundärer ökologischer Auswirkungen erfolgen. Dabei ist die landwirtschaftliche Praxis einzubeziehen. Die Abschätzung möglicher umweltrelevanter Folgen bereitet aufgrund der komplexen Zusammenhänge in Ökosystemen jedoch Schwierigkeiten.

  • Auswirkungen auf die Artenvielfalt
  • Auswirkungen auf Bodenorganismen
  • Potenzielle Toxizität bzw. Allergenität der GV Pflanze
  • Veränderte Überlebens- oder Vermehrungsfähigkeit des GVO
  • Effekte auf Insekten oder andere "Nicht-Ziel-Organismen"
  • Möglichkeiten zum Gentransfer (Auskreuzen)
  • Änderungen der landwirtschaftlichen Praxis

... sind nicht zuletzt aufgrund vorhandener Wissenlücken derzeit schwer vorhersehbar.

Die Datengrundlagen zur Beurteilungen von Freisetzungen müssen daher noch verbessert werden. So sollten für Österreich geographische Verbreitungsgebiete sowie natürliche Kreuzungspartner von jenen Nutzpflanzen erfasst werden, die in Österreich zur Freisetzung beantragt werden könnten, z.B. Mais, Kartoffel oder Raps.

 

Freisetzungen mit herbizidresistenten Pflanzen sind aus ökologischer Sicht besonders kritisch zu bewerten. Insbesondere dann, wenn natürliche Kreuzungspartner in Österreich vorhanden sind und so die Herbizidresistenz auf diese übertragen werden kann. Dies wäre beispielsweise bei Raps der Fall.

Rolle des Umweltbundesamt

Das Umweltbundesamt nimmt für das Lebensministerium (BMLFUW) auf Basis des Gentechnikgesetzes zu nationalen (derzeit nicht aktuell) und EU-weiten Anträgen auf Freisetzung bzw. Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Organismen Stellung. Weiters ist das Umweltbundesamt als Vertreter des BMLFUW für die Gentechnikkommission und den wissenschaftlichen Ausschuss für Freisetzungen und Inverkehrbringen nominiert.

Weitere Informationen zu Freisetzungen ...

 ... sind in einem Forschungsbericht britischer Institutionen zu finden, der im Auftrag der Europäischen Kommission erstellt wurde. Der Bericht in englischer Sprache ist über den untenstehenden Link abrufbar. Ein Bericht des Joint Research Center (JRC) der Europäischen Kommission über Freisetzungen in den Vereinigten Staaten ist ebenfalls dort zugänglich.