Risikoabschätzung

Aufgrund der neuen Qualität dieser Technologie sowie der geringen Erfahrung damit, sind Einsatz und Anwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) allgemein streng geregelt. Um mögliche negative Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit identifizieren und bewerten zu können, ist eine Risikoabschätzung durchzuführen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (deutsch: EBLS, englisch: EFSA) hat wichtige Funktionen für diese Sicherheitsüberprüfung.

 

Manche direkte Risiken, wie z.B. toxische Wirkungen, lassen sich zum Teil vor der Anwendung abschätzen. Es sind jedoch auch Effekte wahrscheinlich, die indirekt wirken bzw. erst nach längeren Zeiträumen erkennbar sind. Komplexere Zusammenhänge wie die Wirkung von GVO als lebende Organismen im Ökosystem, sind schwieriger vorauszu ehen. Langfristige negative Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere die biologische Vielfalt, sowie den Menschen können derzeit nicht ausgeschlossen werden. Die Einschätzung des potenziellen Risikos hat daher von Fall zu Fall zu erfolgen.

Neue Qualität

Die Vorgaben für Risikoabschätzungen von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sind u.a. in den Unterschieden zur konventionellen Züchtung. Gentechnik ermöglicht die Überschreitung von Artgrenzen. Dies bedeutet aus evolutionärer Perspektive eine Beschleunigung der Entstehung neuer Eigenschaften ohne natürliche Koevolution. Denn in der Natur entwickeln sich neue Eigenschaften von Arten immer graduell und in Interaktion mit Ökosystemen.

 

GVO können je nach Art der gentechnischen Veränderung unterschiedliche Auswirkungen auf die Umwelt haben. Insbesonders mögliche Langzeitfolgen sind nur schwer abzuschätzen, denn Gene können sich - im Unterschied zu Chemikalien - in der Natur vermehren. Mögliche Effekte sind z.B. die Verwilderung von Kulturpflanzen durch Auskreuzen oder die Verdrängung natürlicher Populationen. 

Komplexe Zusammenhänge

Über geänderte landwirtschaftliche Praktiken sind aber auch indirekte Auswirkungen möglich. Ein Beispiel dafür sind mögliche Effekte auf die Beikrautflora durch die Art und Weise, wie Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden. Die Beikrautflora steht wiederum in direktem Zusammenhang mit den Insektenpopulationen in einem Feld. Und diese wiederum sind Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Wirbeltiere, die somit indirekt und zeitverzögert beeinflusst werden können.