Intensivtierhaltung

Leitfaden zur Umsetzung der BVT-Schlussfolgerungen Intensivtierhaltung

© flohfoto – Fotolia.com

Anlagen zur Intensivhaltung oder -aufzucht von Geflügel oder Schweinen unterliegen ab einer bestimmten Tierplatzanzahl (mehr als 40.000 Plätze für Geflügel, mehr als 2.000 Plätze für Mastschweine (Schweine über 30 kg), oder mehr als 750 Plätze für Sauen) der Industrieemissions-Richtlinie (2010/75/EU).

 

Mit 21.2.2017 wurden BVT Schlussfolgerungen zur Intensivtierhaltung im Amtsblatt der Europäischen Kommission veröffentlicht. Diese sind als Referenzdokument für Genehmigung, die wesentliche Änderung und die Anpassung von IPPC-Anlagen anzuwenden. Bestehende Anlagen müssen den Anforderungen der BVT-Schlussfolgerungen binnen vier Jahren entsprechen.

 

Die BVT-Schlussfolgerungen beschreiben die besten verfügbaren Techniken (BVT), die mit den besten verfügbaren Techniken assoziierten Emissionswerte und Überwachungsmaßnahmen. Sie betreffen folgende in den landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführte Prozesse und Tätigkeiten:

  • Nährstoffmanagement von Geflügel und Schweinen;
  • Futterbereitstellung (Mahlen, Mischen, Lagerung);
  • Haltung und Aufzucht von Geflügel und Schweinen
  • Sammeln und Lagerung von Wirtschaftsdünger;
  • Ausbringung von Wirtschaftsdünger;
  • Lagerung von Tierkadavern.

 

In einer Arbeitsgruppe bestehend aus BehördenvertreterInnen, Amtssachverständigen, VertreterInnen der Landwirtschaftskammern, des BMNT und des Umweltbundesamtes wurde ein Leitfaden zur Unterstützung der Umsetzung erarbeitet. Im Leitfaden werden Berechnungsmethoden und Berechnungsbeispiele für die Überwachung von Ammoniak, Staub, gesamtem ausgeschiedenen Stickstoff und Phosphor angegeben.

Standort Hirnsdorf

Im 2009 erschienenen Bericht wurde erstmals die Umweltsituation am Standort eines Betriebs mit Intensivtierhaltung medienübergreifend untersucht und dargestellt.

 

Die Firma Durlacher GmbH betreibt am Standort Hirnsdorf einen Legehennenbetrieb mit 56.000 Legehennen in Volierenhaltung. Am Standort bestehen weiters ein landwirtschaftlicher Schweinemastbetrieb und eine Biogasanlage.

© Umweltbundesamt

Die Umweltauswirkungen der Betriebe der Durlacher GmbH in Luft, Wasser und Boden wurden im Bericht beschrieben. Dabei wurden die Luftemissionen Feinstaub (PM10), Ammoniak (NH3), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) anhand des PRTR-Leitfadens berechnet bzw. abgeschätzt.

 

Da aus Hirnsdorf keine Luftgütedaten vorlagen wurden vom Umweltbundesamt zwei Messkampagnen durchgeführt. Anhand der Luftqualitätsmessungen konnte kein direkter Einfluss der Emissionen des Betriebes auf die lokale PM10- und NOx-Belastung festgestellt werden, der Betrieb erweist sich jedoch als relativ markante NH3-Quelle.

 

Von einem Sachverständigen der Steiermärkischen Landesregierung wurde eine Luftgüte- und Geruchsmodellierung durchgeführt. Die lokalen und überregionalen Verkehrsemissionen wurden abgeschätzt. Insgesamt ist aufgrund der relativ geringen induzierten Gesamtverkehrsmenge von keinen erheblichen Umweltbelastungen auszugehen.

Eine agrartechnische Beurteilung wurde vorgenommen und nahegelegene Schutzgebiete beschrieben.  Eine Bilanzierung des Gesamtstickstoffes aller auf die Felder aufgebrachter Dünger (Gärrückstände und Gülle diverser Betriebe) sollte mit dem Ziel die EU-Nitratrichtlinie (170 kg/ha) gesichert einzuhalten erfolgen.

 

Die Beschreibung des Zustandes der Oberflächengewässer war aufgrund der großen Entfernung der Messstellen zum Standort nicht möglich. Die Auswertung der untersuchten Parameter der Grundwassermessstellen ergab, dass Ammonium, Orthophosphat, Eisen, Mangan, Arsen, Nitrat und Desethylatrazin die Schwellenwerte gemäß Grundwasserschwellenwertverordnung überschreiten. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den erhöhten Werten und dem Betrieb lässt sich nicht belegen.

 

Der Anfall und der Einsatz von Abfällen werden im Bericht beschrieben. Die im  Schweinemastbetrieb anfallende Gülle wird zum überwiegenden Teil zur Biogaserzeugung in der Biogasanlage eingesetzt, ein Teil wird direkt auf die Felder aufgebracht. Zur Behandlung in der Biogasanlage wurden bis 2004 Fette, Fettabscheiderinhalte und Glycerinphase sowie Produktionsabfälle aus anderen landwirtschaftlichen Betrieben übernommen. Diese Übernahme wurde 2004 eingestellt.