Papier- und Zellstoffindustrie

Wirbelschicht- und Laugenverbrennungskessel

Technische Potentiale zur Minderung von Stickoxiden und Staub

Die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie hatte im Jahr 2004 mit 4.776 Tonnen einen Anteil von 2,1% an den Stickoxid-Emissionen (NOx) in Österreich und einen Anteil von 21,0% an denen des Sektors Industrie. Die Staubemissionen aus den Verbrennungsanlagen dieser Branche betrugen 331 Tonnen, ca. 0,4% der gesamten österreichischen Staubemissionen.

(c) Pöls Papier- und Zellstofffabrik in Pöls

77% der NOx-Emissionen und 94% der Staubemissionen der österreichischen Papier- und Zelltstoffindustrie stammen aus Laugenverbrennungskesseln zur Chemikalienrückgewinnung und aus Wirbelschichtkesseln zur Verbrennung von Schlämmen, Rinde, Kohle und Abfällen. Laugenkessel werden beim Sulfatverfahren (drei Standorte in Österreich) und beim Sulfitverfahren (vier Standorte) eingesetzt. Wirbelschichtkessel werden an sechs Standorten in Österreich betrieben (Stand 2004).

Im Bericht „Technische Maßnahmen zur Minderung der Staub und NOx-Emissionen bei Wirbelschicht- und Laugenverbrennungskesseln“ beschreibt das Umweltbundesamt diese Verfahren und die beiden Kesseltypen, in denen der größte Teil der benötigten Prozessenergie bereitgestellt wird. Ein Schwerpunkt der Beschreibung liegt auf den Technologien zur Emissionsminderung (z.B. SNCR, SCR, Gewebefilter) und deren Effizienz hinsichtlich Schadstoffminderung (Stand der Technik). Anhand von Einzelanlagen wurden Berechnungen technischer Potenziale zur Minderung der beiden Schadstoffe durchgeführt. Für NOx liegt dieses je nach angewendetem Szenario bei Laugenverbrennungskessel bei insgesamt 116–445 Tonnen jährlich (Sulfatverfahren) und 46–771 Tonnen (Sulfitverfahren), bei Wirbelschichtkessel bei 330–614 Tonnen.

 

Analog wurden für Staub technische Minderungspotentiale von 0–48 Tonnen jährlich (Sulfatverfahren), 74–139 Tonnen (Sulfitverfahren) und 31–65 Tonnen (Wirbelschichtkessel) berechnet. Die Basis für die gewählten Minderungsszenarien bilden die Besten Verfügbaren Techniken (BAT) gemäß den relevanten europäischen BAT Dokumenten und Referenzdaten schwedischer Anlagen. Die ausgewiesenen Minderungspotenziale wurden mit aktuellen Kostendaten hinterlegt.

 

Das Umweltbundesamt liefert damit einen Beitrag für die Überarbeitung des BAT-Referenz Dokumentes „Papier- und Zellstoffproduktion“ und stellt Grundlagen für die Erstellung eines Maßnahmenplans im Rahmen des Emissionshöchstmengen-Gesetzes zur Verfügung. 

Abwasseremissionen

Seit dem Jahr 2001 sind alle Zellstoffwerke in Österreich mit einer mehrstufigen Kläranlage zur Reduktion des Biologischen Sauerstoffbedarfs (BSB) ausgestattet, sodass nun die Gesamt-BSB5-Emissionen aus dieser Branche innerhalb des BAT-Bereiches liegen.

(c) Sappi Papierfabrik in Gratkorn

Der CSB-Ausstoß liegt bei manchen Betrieben im oberen BAT-Bereich bzw. knapp darüber. Da nur noch in einem einzigem Werk mit Chlordioxid gebleicht wird (alle anderen Betriebe erzeugen chlorfrei gebleichten Zellstoff) liegen die AOX-Werte (Adsorbierbare Organische Halogenierte Kohlenwasserstoffe) unter den BAT-Werten.

Infobox

Gesetze

EG-K, LRV-K, AEV Papier und Pappe (i.d.F. BGBl. II 2000/220), AEV Zellstoff (i.d.F. BGBl. II 2000/219) (RIS)