Szenarien WEM und WAM (2015)

Energiewirtschaftliche Szenarien im Hinblick auf die Klimaziele 2030 und 2050

Das Umweltbundesamt erstellt regelmäßig Szenarien über die mögliche Entwicklung von energiewirtschaftlichen Daten und die österreichischen Treibhaus­gas-(THG)-Emissionen, die als Grundlage zur Erfüllung der EU-Berichtspflicht im Rahmen des Monitoring Mechanisms (VO Nr. 525/2013/EG) herangezogen werden. Die vorliegenden Energieszenarien dienen auch als eine Grundlage für die Diskussion über die nationale Klimaschutzpolitik (Klimaschutzgesetz) für die Zielverhandlungen mit den Zeithorizonten 2030 und 2050.

Die Energieszenarien umfassen den Zeitraum von 2010 bis 2035 und beinhalten Annahmen über das Wirtschaftswachstum (bis 2030 im Durchschnitt 1,5 % p. a. auf Basis Wifo 2013; ab 2030 1,3 % p. a.) sowie bezüglich der Umsetzung relevanter Maßnahmen. Für das Szenario WEM (with existing measures) wurden die bis zum Stichtag 1. Mai 2014 verbindlich umgesetzten Maßnahmen berücksichtigt. Das Szenario WAM (with additional measures) beinhaltet zusätzliche in Diskussion befindliche Maßnahmen, deren Umsetzung als wahrscheinlich angesehen wird, bzw. deren Umsetzung nach dem Stichtag erfolgt ist (wie z. B. das Energieeffizienzgesetz).

Szenario WEM

Im Szenario WEM wird das Ziel des Energieeffizienzgesetzes (EEffG) deutlich verfehlt, im Jahr 2020 den energetischen Endverbrauch auf maximal 1.050 PJ zu beschränken. Bedeutende bestehende Maßnahmen sind ökonomische Anreize (z. B. Erhöhung der Mineralölsteuer im Jahr 2011), Mobilitätsmanagement und Bewusstseinsbildung (Sektor Verkehr), die Umsetzung des Ökostromgesetzes 2012 (Sektor Energie), die Änderungen im EU-Emissionshandel (Sektor Industrie), die thermische Gebäudesanierung und die Erneuerung der Heizsysteme (Sektor Gebäude – Haushalte und Dienstleistungen).

Szenario WAM

Im Szenario WAM wird der Wert von 1.050 PJ für das Jahr 2020 durch die Annahme zusätzlicher Maßnahmen eingehalten. Voraussetzung für die modellierte Zielerreichung sind die Umsetzung weitgehender Energieeffizienzmaßnahmen, die Reduktion des Kraftstoffexports im Tank durch eine Annäherung der Treibstoffpreise an das Auslandsniveau (Sektor Verkehr), eine Verbesserung der Sanierungsqualität und eine Verlagerung des Förderschwerpunkts vom Neubau zur thermischen Sanierung (Sektor Gebäude).

Sensitivitäts-Szenarien

Als Sensitivitätsanalyse wurden ein Szenario mit höherem Wirtschaftswachstum (WEM sens1; durchschnittlich 2,5 % p. a.) und eines mit niedrigerem (WEM sens2 durchschnittlich 0,8 % p. a.) gerechnet. Da die österreichische Wirtschaft exportorientiert ist, ist das inländische Wirtschaftswachstum an das globale Wachstum gekoppelt. Daher wurde angenommen, dass die CO2- und Energiepreise bei höherem Wachstum ebenfalls höher sind, bei niedrigerem entsprechend kleiner, was zu einer Abschwächung des Effekts des Wirtschaftswachstums führt. Im Sektor Gebäude wirkt sich das veränderte Wirtschaftswachstum am geringsten aus, da sich der gegenläufige Trend durch die veränderten Energiepreise etwa gleich stark auswirkt. Im Sektor Verkehr wirkt sich das Wirtschaftswachstum stark auf den Güterverkehr aus, der Personenverkehr reagiert dagegen nur auf die veränderten Energiepreise. Am stärksten wirkt sich das Wachstum auf den Sektor Industrie aus und überlagert den gegenläufige Trend durch die veränderten Energiepreise.

Für die Sensitivitätsszenarien wurden die gleichen Maßnahmen wie im Szenario WEM abgebildet. Auch in diesen Szenarien wird das Ziel des Energieeffizienzgesetzes nicht erreicht, den energetischen Endverbrauch unter 1.050 PJ zu halten.

Modellsysteme

Die energiewirtschaftlichen Inputdaten und Szenarien decken alle Sektoren ab und ermöglichen die Abbildung und Quantifizierung von Maßnahmen. Zur Berechnung der Szenarien wurden folgende Modelle und Beiträge der jeweiligen Institutionen verwendet: 

  • IVT (Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz) – Modelle NEMO und GEORG; Energieverbrauch und Emissionen des Sektors Verkehr (inkl. Offroad).
  • EEG (Energy Economics Group der TU Wien) – Energiepreise, Modell IN­VERT/EE-Lab; Kühlung, Raumwärme und Warmwasser inklusive Strombedarf für Haushalte und Dienstleistungen, Fernwärmebedarf.
  • AEA (Austrian Energy Agency) – Strompreis für Haushalte und Stromimportpreis, Modell auf Basis von TIMES; Gesamtstromnachfrage und öffentliche Strom- und Fernwärmeaufbringung.
  • Umweltbundesamt – Industrie, Landwirtschaft, Abfallaufkommen, alternative Kraftstoffe, Elektromobilität, industrielle Branchen und Eigenstromerzeuger, Verdichterstationen, Gesamtübersichten, Projektkoordination.

Ergebnisse

Der energetische Endverbrauch steigt von 1.138PJ im Jahr 2010 im Szenario WEM auf1.149 PJ im Jahr 2020 und auf 1.213 PJ im Jahr 2030. Im Szenario WAM sinkt der energetische Endverbrauch bis 2020 auf 1.050 PJ und bis 2030 auf 1.043 PJ. Der Bruttoinlandsverbrauch lag 2010 bei 1.467PJ und steigt in den Jahren 2020 und 2030 im Szenario WEM auf 1.481 PJ bzw. auf 1.554 PJ und im Szenario WAM auf 1.379 PJ bzw. auf 1.381 PJ.

Der Anteil erneuerbarer Energie am Bruttoendenergieverbrauch steigt von 32,2% im Jahr 2010 in beiden Szenarien kontinuierlich an; im Szenario WEM auf 36,0 % im Jahr 2020 und auf 37,7 % im Jahr 2030 und im Szenario WAM auf 38,5 % und auf 42,6 %.

Mit derzeit rechtlich verbindlichen Maßnahmen (Szenario WEM) wird das Ziel von 34 % Anteil an erneuerbaren Energieträgern im Jahr 2020 erreicht. Hingegen wird das Ziel den energetischen Endverbrauch bis 2020 auf 1.050 PJ zu reduzieren nicht erreicht. Mit zusätzlichen Maßnahmen (Szenario WAM) könnte dieses Ziel jedoch eingehalten werden.

Detailberichte und Synthesebericht

Nähere Informationen finden Sie in den Detailberichten der Fachorganisationen und im Synthesebericht des Umweltbundesamtes.