Strahlenwarnsysteme erfassen die Umweltradioaktivität in Österreich

Die Österreichischen Strahlenwarnsysteme bestehen aus folgenden wesentlichen Systemteilen:

  • ODL- und Luftmonitor-Messsysteme
  • Datennetzwerke
  • Datenzentralen (samt Server-Infrastruktur)
  • Entscheidungshilfesysteme

ODL-Messsysteme

Ca. 300 Gamma-Messsonden (sog. Proportional-Zählrohre) eines österreichischen Herstellers bilden das Gamma-Messnetz. Sie erfassen die so genannte Ortsdosisleistung (ODL), ein Maß für die momentane radioaktive Belastung der Bevölkerung in Sondennähe.

 

Die aktuellen Messdaten aller Sonden werden im 10-Minuten-Rhythmus von einem Server in der Bundesstrahlenwarnzentrale (BStrWZ) abgefragt und in einer Datenbank zu Auswertungszwecken gespeichert.

 

Wird bei einer Sonde ein bestimmter ODL-Wert überschritten, wird die Sonde selbsttätig aktiv und löst in der BStrWZ Alarm aus.

Luftmonitor-Messsysteme

© BITT Vollautomatischer Luftmonitor AMS02
(Fa. BITT)

Luftmonitore erlauben den elementspezifischen Nachweis von Radionukliden (z.B. Iod, Cäsium, Radon) in der bodennahen Luft (Aerosole). Dabei wird diese durch spezielle Filter angesaugt und die Aktivität der darin verbliebenen Radionuklide mit Detektoren für Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung gemessen.

 

Die 10 vollautomatischen Luftmonitore befinden sich in speziell eingerichteten Labor-Containern und sind im grenznahen Bereich zu jenen Nachbarländern aufgestellt, die Kernkraftwerke betreiben.

Datennetzwerke

© Umweltbundesamt Datenleitungen in der Strahlenwarnzentrale

In den Strahlenwarnsystemen wird eine Vielzahl an unterschiedlichen Netzwerktechnologien für den Datentransport eingesetzt.

 

Der ODL-Datentransfer läuft über ein kommerzielles, abgesichertes Telemetrie-Netzwerk. Die AMS-Stationen übertragen ihre Daten über xDSL-Verbindungen und für die Anbindung der Landeswarnzentralen an das Strahlenfrühwarn-system wird eine spezielle Netzwerkinfrastruktur eines großen österr. Telekom-Anbieters genutzt.

Kritische Verbindungen (z.B. zwischen den Datenzentralen) laufen über Standleitungen, alle übrigen Verbindungen (z.B. Remoteverbindungen der Bereitschaftsbediensteten auf die Systeme) werden hauptsächlich über stationäre und mobile Internetverbindungen abgewickelt.

Datenzentralen

© Umweltbundesamt Arbeitsplätze in der Strahlenwarnzentrale

Zwei geografisch getrennte Strahlenwarnzentralen bilden mit ihren Servern, Netzwerkkomponenten und Kommunikationseinrichtungen das Herz der österreichischen Strahlenwarnsysteme.

 

Sie verfügen über entsprechend eingerichtete Serverräume sowie über eigene Arbeitsplätze für die EntscheidungsträgerInnen der Strahlenschutzbehörde und die Bediensteten der Betriebsführung.

In den Zentralen laufen alle Informationen der Strahlenwarnsysteme zusammen. Hier werden die Strahlenmessdaten gespeichert, ausgewertet, dargestellt und analysiert.

 

Im radiologischen Anlassfall wird von hier aus die Strahlenschutzbehörde alarmiert.

Entscheidungshilfesysteme

© Umweltbundesamt

Wenn radioaktive Substanzen (z.B. im Zuge eines KKW-Unfalls) in größeren Mengen in die Atmosphäre freigesetzt werden, spielen die aktuellen Wetterverhältnisse, vor allem Wind und Niederschlag, eine bedeutende Rolle.

 

Komplexe Computer-Programme (sog. Entscheidungshilfesysteme) sind in der Lage, die Ausbreitung von radioaktiv belasteten Luftmassen unter Zuhilfenahme von aktuellen Wetterdaten (Wind, Regen) zu simulieren.

 

Mit diesen Ergebnissen kann die zuständige Strahlenschutzbehörde bereits in der Zeit kurz nach einer bedeutsamen Radioaktivitätsfreisetzung über eventuell erforderliche Notfallmaßnahmen entscheiden und entsprechende Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung treffen.