Klimawandel und Extremereignisse

Extremereignisse in Österreich

© Nadja Meister Hochwasser am 4. Juni 2013 in Greifenstein (NÖ)

Ein besonderes Augenmerk bei Fragen des Klimawandels liegt auf Extremereignissen. Damit sind meteorologische Extremereignisse wie Stürme, Hagel, Gewitter, Extremniederschläge aber auch extreme Witterungsperioden wie Dürren oder Hitzewellen gemeint.

 

Extremereignisse sind besonders aufgrund ihrer Schadensauswirkungen relevant. So wurden nach Daten des NatCatService der MunichRe zwischen 1980 und 2010 wetter- und witterungsbedingte Schäden in der Höhe von rund 9,5 Mrd. EURO (inflationsbereinigt auf Basisjahr 2010) für Österreich registriert. Dabei sind nur die größeren Ereignisse erfasst, so dass man insgesamt von noch höheren Zahlen ausgehen kann. Nähere Auswertungen dazu werden dzt. im Forschungsprojekt adapt2to4 erarbeitet.

Klimawandel und Extremereignisse

Uns allen sind die Bilder der Augusthochwässer 2002 und 2005 sowie die Hitzewelle des Jahres 2003 noch gut in Erinnerung. Das Hochwasser vom 30. Mai bis 3. Juni 2013 hat deutlich vor Augen geführt, dass – obwohl ein direkter Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und einzelnen Extremereignissen nicht herstellbar ist – die Eintrittswahrscheinlichkeit vermeintlicher "Jahrhunderthochwässer" im Zuge des Klimawandels deutlich zunimmt und die Jährlichkeiten – die die Bemessungsgrundlage für den Hochwasserschutz bilden – vielerorts entsprechend weiter angepasst werden müssen. Die globale Erwärmung verändert den Energiehaushalt der Atmosphäre dergestalt, dass Extremereignisse häufiger und/oder intensiver werden können.

 

Das Mai/Juni-Hochwasser 2013 hat auch deutlich vor Augen geführt, dass sich einerseits Anpassungsmaßnahmen (in diesem Fall der Hochwasserschutz) sehr wohl rentieren und andererseits noch weitere Maßnahmen getroffen werden müssen, um die potenziellen Schäden von Extremereignissen zu reduzieren. Im Mittelpunkt sollten hierbei möglichst sanfte/"grüne" Maßnahmen stehen, die für den Hochwasserschutz unter den Schlagworten "mehr Raum für Flüsse" bzw. "Hochwasser zu Breitwasser" zusammengefasst werden können. Nur wo dies nicht möglich ist – etwa in alpinen Tälern mit starkem Siedlungsdruck – müssen auch andere Anpassungsmaßnahmen bzw. Hochwasserschutzmaßnahmen in Betracht gezogen werden.

 

Wesentlich ist jedoch festzuhalten, dass neben dem Klimawandel auch Flächenversiegelungen, Flussbegradigungen und nicht zuletzt die Besiedlung von Risikozonen u.v.a.m. einen enormen Beitrag zu den Schadenswirkungen einzelner Ereignisse leisten. Der Strukturwandel in unserer Gesellschaft ist damit Gefahr und Chance zugleich und die Raumordnung ein wesentlicher Schlüssel, um die Schadenspotenziale künftiger Ereignisse zu mindern.

 

Extremereignisse sind per Definition selten. Daher sind auch statistische Aussagen zu ihren Trends nur über lange Zeiträume valide. Gleiches gilt für Projektionen in die Zukunft: Die Berechnung von Projektionen für Häufigkeit und Intensität künftiger Extremereignisse aus den Klimamodellen sind methodisch schwierig und trotzdem wünschenswert, um entsprechende Anpassungsmaßnahmen zu treffen. Die markanten Schäden, die in Österreich durch Extremereignisse auftreten, zeigen zudem, dass es ein Anpassungsdefizit gibt und somit schon auf Basis des bestehenden Klimas weitere Schritte in Richtung Anpassung nötig sind. Derzeit kann und muss dabei das Hauptaugenmerk im Bezug auf Extremereignisse auf robusten Anpassungsmaßnahmen liegen, die gegen eine Bandbreite möglicher Klimazukünfte einen bestmöglichen Schutz liefern.

Neuer IPCC-Report zu Extremereignissen

Auf internationaler Ebene treten die Extremereignisse auch immer mehr in den Vordergrund der Diskussion, sind sie es doch, über die oft tagaktuell berichtet wird, die tatsächlich direkt Schäden nach sich ziehen und oft auch Menschenleben fordern. Hochwässer, Hurricanes/Taifune, Tornados, Blizzards, Hitze- und Kältewellen sind nachrichtenwirksam. Und in der Tat scheint sich der Trend einer Zunahme extremer Ereignisse im globalen Mittel zu bestätigen.

 

Ein neuer Spezialbericht des IPCC befasst sich somit auch mit den Extremereignissen, Ihrem Auftreten, Ihren Auswirkungen und damit, was getan werden kann, um durch Anpassungsmaßnahmen besser vor Extremereignissen geschützt zu sein.

 

Der so genannte SREX-Report (SREX steht für Special Report on Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation) des IPCC kommt zu dem Schluss, dass wir bereits genug über die durch den Klimawandel verstärkten Trends in Auftreten und Intensität von extremen Wetterereignissen und Witterungsperioden wissen, um zu handeln und somit Anpassungsmaßnahmen zu implementieren. Dabei steht im Vordergrund, dass wir im Sinne der Risikovorsorge sowohl Maßnahmen zur direkten Gefahrenabwehr treffen müssen als auch Maßnahmen, die die Belastbarkeit von Gesellschaft und Wirtschaft gegenüber Extremereignissen erhöhen.