FloodRisk I

Analyse der Hochwasserereignisse vom August 2002

©BH Perg Feuerwehreinsatz im Hochwassergebiet

Das Projekt FloodRisk baute auf die bereits vorliegende Ereignisdokumentation des Hochwassers 2002 (HABERSACK & MOSER 2003) auf. Die Analyse stellt nun den nächsten Schritt dar, um in Zukunft Grundlagen für strategische Entscheidungen im Sinne eines integrierten Hochwassermanagements zu besitzen.

 

Dafür wurden die Ergebnisse aus insgesamt 46 Teilprojekten aus den Bereichen Meteorologie, Hydrologie, Geomorphologie, Naturgefahren, Ökonomische Aspekte, Recht, Raumordnung und Katastrophenschutz aufgearbeitet, um eine Ursache-Wirkungsanalyse des Ereignisses vorzunehmen, sowie daraus Vorschläge für künftige Verbesserungen ("lessons learned") und entsprechende Umsetzungsstrategien für ein integriertes Hochwassermanagement abzuleiten.

  • Meteorologie/Hydrologie
  • Geomorphologie
  • Ökonomische Aspekte
  • Raumordnung
  • Hochwasserschutz
  • Katastrophenschutz

Insgesamt wurden 46 Projekte in 10 Workpackages durchgeführt.

Problemstellung und Ziele

Projektstruktur

Mit neun Todesopfern und Sachschäden in Höhe von etwa drei Milliarden Euro führten die Katastrophenhochwässer im August 2002 in Österreich zu grundlegenden fachlichen und politischen Diskussionen, wie in Zukunft mit derartigen Naturereignissen umgegangen werden soll. Wesentliche Erkenntnisse und Problemstellungen im Umgang mit Hochwässern sind bereits bekannt - nun gibt es auf fachlicher Ebene neue Erfahrungen und Erkenntnisse.

Dokumentation

Als erster Schritt der Aufarbeitung wurde eine umfassende Dokumentation der Hochwasserereignisse durchgeführt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (HABERSACK & MOSER 2003). In der Dokumentation lag der Schwerpunkt bewusst auf der Darstellung des Ereignisablaufes, wobei die meteorologische Situation, Niederschläge, Abflüsse, Feststoffhaushalt, Schäden und Ereignismanagement inkludiert waren. Die Dokumentation stellte einen ersten Schritt der Aufarbeitung dar, zeigte aber bereits deutlich die Notwendigkeit einer weiteren detaillierten Ursache-Wirkungsanalyse.

 

Die Kernpunkte einer derartigen Analyse müssen in der Aufarbeitung der naturwissenschaftlichen, technischen, sozio-ökonomischen, ökologischen und politisch/rechtlichen Rahmenbedingungen liegen, verbunden mit der Ausarbeitung von daraus abgeleiteten "lessons learned".

Projekt FloodRisk

Auf dieser Ereignisdokumentation aufbauend wurde eine Kooperation zwischen dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und der Schweizer Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ins Leben gerufen, die sich im Rahmen des Projektes FloodRisk mit der Analyse der Vorgänge bei diesem Hochwasser beschäftigte.

 

In vielen Bereichen zeigt die Entwicklung der letzten Jahrzehnte (z. B. hinsichtlich der Verbauung der für den Hochwasserabfluss erforderlichen Flächen), dass nach früheren Hochwässern (wie 1965/66) trotz der erkannten Problemstellungen offenbar vielfach nicht ausreichende Konsequenzen gezogen wurden. Dabei ist anzumerken, dass sich in jenen Gebieten, wo die Bemessungsgrößen (z.B. HQ100) nicht überschritten wurden, die durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen positiv auswirkten. Probleme gab es in jenen Regionen, wo Niederschläge und daraus resultierende Abflüsse deutlich über einem hundertjährlichen Ereignis lagen und damit ein teilweises Versagen der Anlagen mit nicht genau bekannten Überflutungen sowie sehr kurze Vorwarnzeiten gegeben waren.

 

Fragen des Restrisikos wurden vor dem Hochwasser 2002 kaum diskutiert. Gleichzeitig erhöhte sich die Vulnerabilität von Siedlungsgebieten und Infrastruktureinrichtungen - nicht zuletzt aufgrund der starken Verbauung in Überflutungszonen, aber auch wegen der nicht angepassten Bautechnik und Nutzungen. Daraus resultieren technische und insbesondere raumplanerische Problemstellungen.

 

Die Bevölkerung erhielt finanzielle Entschädigungen, wobei die mangelhafte Abstimmung zwischen Versicherungsleistungen und Zahlungen aus dem Katastrophenfonds Diskussionen auslöste und sozioökonomische Analysen einleitete.

 

Das Problem der sehr kurzfristigen Evakuierungen und entsprechend notwendigen Präventionsmaßnahmen bedingt eine Auseinandersetzung mit den Gefahren aus Hochwässern und relevanten Planungsinstrumenten wie Gefahrenzonenplanungen und Hochwasserfrühwarnsystemen. Hier sind rechtliche Schritte inkludiert und Optimierungen des Katastrophenschutzes notwendig.

 

Nachdem im Zuge des Hochwassers 2002 an verschiedenen Flüssen signifikante Laufverlagerungen, Erosionen und Anlandungen mit daraus resultierenden Schäden zu beobachten waren, kommt der Geomorphologie in Zukunft verstärkte Bedeutung zu. Die im Zuge von FloodRisk gewonnenen Erkenntnisse führen zu Handlungsmöglichkeiten, die von verbesserten Planungen bis hin zur Berücksichtigung bei der Umsetzung reichen. Hier ist der Querbezug zur Ökologie unerlässlich, da gerade Hochwässer den ökologischen Zustand erheblich beeinflussen und ökologisch orientierte Maßnahmen (z. B. Gewässeraufweitungen) sich durch Extremereignisse, insbesondere infolge morphologischer Prozesse, verändern.

 

Das Versagen von technischen Bauwerken bedingt ein Hinterfragen der technischen Planungsgrundlagen und Ausführungen sowie den Einschluss der Restrisikofrage.

 

Es gibt aber auch organisatorische Problemfelder, die beispielsweise in der starken Kompetenzaufteilung begründet liegen und im Sinne einer in der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie im Wasserrecht geforderten Flussgebietsplanung diskutiert werden müssen.

Projektstatus

Projektablauf

Der nun vorliegende Synthesebericht (Deutsch, 181 Seiten) gibt in ausführlicher Weise die Ergebnisse der einzelnen Teilprojekte in folgender Form wieder:

 

1. Darstellung der Erkenntnisse aus dem Hochwasser 2002

 

2. Diskussion der bestehenden Defizite

 

3. Beschreibung der Handlungsmöglichkeiten

 

4. Ableitung von Strategien zur Umsetzung der Handlungsmöglichkeiten

Der nächste wesentliche Schritt ist nun die Erstellung eines Konzeptes, in dem die prioritären Aspekte und Themenfelder für ein Folgeprojekt dargestellt, Schnittstellen definiert und Vorgehensweisen bei der weiteren Umsetzung festgelegt werden.