Auswirkungen von Lärm
Ob Geräusche als Störung empfunden werden ist subjektiv und von einer Reihe von Faktoren abhängig. So wird Meeresrauschen meist als angenehm empfunden, Verkehrsgeräusche in gleicher Lautstärke in der Regel nicht. Allgemein gilt jedoch, dass das Empfinden der Störung mit der Lautstärke zunimmt.
Lärm kann eine Reihe gesundheitlicher Beeinträchtigungen verursachen. Nur bei sehr hohen Lautstärken ist das Gehör selbst betroffen und es können Hörschäden wie beispielsweise ein Tinnitus auftreten. Auch schon bei geringer aber lang andauernder bzw. ständiger Exposition muss mit Folgen gerechnet werden. Dazu zählen:
- Beeinträchtigung der Sprache und Kommunikation
- Schlafstörungen mit allen kurz- und langfristigen Konsequenzen
- Kreislaufbedingte Erkrankungen
- Hormonelle Reaktionen (z.B. Stresshormone) und ihre möglichen Konsequenzen für den menschlichen Stoffwechsel und das Immunsystem
- Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit in der Schule und am Arbeitsplatz
- Beeinträchtigung im sozialen Verhalten (z.B. Aggressivität, Hilflosigkeit, etc.)
- Belästigung
Die WHO hat daher Richtwerte für den vorbeugenden Gesundheitsschutz abgeleitet und als "Guidelines for community noise" veröffentlicht.
Krankheitslast durch Umweltlärm - WHO-Studie
Das Regionalbüro für Europa von der Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Bericht "Burden of disease from environmental noise" veröffentlicht. In der Studie wird der Verlust an gesunden Lebensjahren durch Umgebungslärm in Europa quantifiziert.
Der Untersuchung nach ist Verkehrslärm nach der Luftverschmutzung das Umweltproblem mit den zweitstärksten Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Europäer verlieren jedes Jahr - konservativ geschätzt - mindestens 1 Million gesunde Lebensjahre durch die gesundheitlichen Auswirkungen von Umgebungslärm.
Im Bericht wird der aktuelle Wissensstand hinsichtlich der Zusammenhänge von Lärm und dem Auftreten von ischämischen Herzkrankheiten, Schlafstörungen, kognitiven Leistungsbeeinträchtigungen, Tinnitus und Belästigung zusammengefasst. Für jede dieser möglichen Krankheitsendpunkte wurden auf Basis von Dosis-Wirkungsrelationen, der Lärmbelastung der Bevölkerung sowie Gewichtungsfaktoren für das Ausmaß der Beeinträchtigung die in Europa durch die Lärmbelastung verlorenen gesunden Lebensjahre (DALYs - disability adjusted life years) ermittelt.
Es wird geschätzt, dass in der europäischen Union und weiteren westeuropäischen Ländern 61.000 gesunde Lebensjahre aufgrund von ischämischen Herzkrankheiten verloren gehen, 903.000 Jahre aufgrund von Schlafstörungen, 45.000 Jahre aufgrund von kognitiven Beeinträchtigungen bei Kindern, 22.000 Jahre aufgrund von Tinnitus und 587.000 Jahre aufgrund von erheblicher Belästigung. Insgesamt gehen somit jährlich mindestens eine Million gesunde Lebensjahre in West-Europa durch Umgebungslärm verloren.
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