Gefährdung der österreichischen Fauna

© Irene Oberleitner Der Waldrapp wurde in Österreich bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet. Daher scheint diese Art in der Roten Liste nicht auf.

Die Aktivitäten des Menschen führten bei vielen Arten zu Lebensraumverlusten, Habitatdegradation und Habitatfragmentation, sowohl auf globaler Ebene, aber insbesondere in den dicht besiedelten Ländern Mitteleuropas. Lebensraumverlust führt zu Populationsrückgängen, Arealverlusten, erhöhtem Aussterbensrisiko und schlussendlich zum lokalen Erlöschen von Populationen und Arten.

 

Ausgestorben heißt für immer: das globale Erlöschen einer Art ist unumkehrbar. Mag es möglich sein, Lebensräume und selbst Ökosysteme mit Mühe wiederherzustellen, so ist es undenkbar, einmal ausgestorbene Arten wieder neu zu erschaffen. Der Verlust von Genen, Populationen, Lebensräumen und naturnahen Gebieten im lokalen bis globalen Maßstab läuft unter dem Schlagwort „Biodiversitätsverlust“ und ist allgegenwärtig.

Rote Listen gefährdeter Tierarten

Rote Listen wurden als „ Barometer der Biodiversität“ bezeichnet. Rote Listen bieten einen umfassenden Überblick über den Gefährdungsstatus von Arten in einer bestimmten Region. Sie sind eines der am besten etablierten Naturschutzinstrumente mit einer Geschichte, die bis in die 1960er-Jahre zurückgeht. Zeitgenössische Rote Listen informieren darüber hinaus über Gefährdungsfaktoren und Maßnahmen zum Schutz der Arten.

 

 

In Österreich sind bereits im Jahre 1983 und im Jahre 1994 zwei Versionen von Roten Listen erschienen. Im Lichte der IUCN-Diskussion wurde ein neues Gefährdungseinstufungskonzept im Umweltbundesamt erarbeitet. Die Neubearbeitung der Roten Listen, von der drei Bände 2005, 2007 und 2009 erschienen sind, und ein Band derzeit kompiliert wird, basiert auf diesem Konzept.

 

 

Diese Neuausgabe der Roten Listen illustriert die Gefährdungssituation der österreichischen Fauna in vielen Aspekten. Einige Details:

 

  • Die Gefährdungssituation von Uhu, Fischotter, Wanderfalke, Schwarzstorch, um nur einige Arten zu nennen, hat sich wesentlich verbessert. Das ist zum Teil auf erfolgreiche Bewahrungsprogramme zurückzuführen.
  • Allerdings sind 47 Arten, das sind 10% der Wirbeltiere, noch immer in der Kategorie „CR“ (Critically Endangered, vom Aussterben bedroht) geführt, mit einer Aussterbenswahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten Jahre von über 50%.
  • Arten wie die Großtrappe und die Blauracke haben in Österreich überlebt, aber auf sehr niedrigem Populationsniveau und abhängig von Bewahrungsprogrammen.
  • Eine österreichsche Fledermausart, die Langflügelfledermaus, ist ausgestorben, zwei Arten sind vom Aussterben bedroht. Viele Arten sind gefährdet. Die Gründe sind Intensivierung der Landnutzung, Nahrungsmangel durch Pestizideinsatz und Störung der Überwinterungsplätze in Höhlen und Gebäuden.
  • Es war nicht möglich, irgendeine der österreichischen Lurch- oder Kriechtierarten von der Roten Liste zu nehmen. Alle Arten sind in unterschiedlichem Ausmaß gefährdet oder nahezu gefährdet.
  • Die Bayerische Kurzohrmaus ist ein österreichischer Endemit, das heißt, die Art lebt nur in Österreich, seit die deutschen Populationen ausgestorben sind. Es handelt sich um eines der seltensten Wirbeltiere Österreichs und Europas.