Obertauern-Hundsfeldmoor

Ornithologische Bedeutung

 

Die zentrale Bedeutung des Hundsfeldmoores liegt im Vorkommen der größten und stabilsten Brutpopulation des Rotsternigen Blaukehlchens (Luscinia svecica svecica) im Alpenraum. Es handelt sich hierbei um eine von nur zwei größeren Brutpopulationen dieser Unterart in Österreich. Der Brutbestand des Hundsfeldes lag in den 1980er und frühen 1990er Jahren zwischen 10 und 16 Paaren, 1981 wurde ein Maximum von 21 Paaren erreicht (Gressel 1991, Dvorak et al. 1993). Der Bestand liegt auch aktuell in etwa derselben Höhe, im Jahr 2000 waren es z. B. 16 Paare (J. Gressel unveröff.).

 

Die nähere und weitere Umgebung des Hundsfeldmoores beherbergt darüber hinaus eine artenreiche Vogelgemeinschaft, deren Vertreter zumindest gelegentlich im Jahreslauf auch das Moor als Nahrungsgebiet oder Rückzugsraum nutzen. Dazu gehören unter anderem Steinadler (Aquila chrysaetos), Wanderfalke (Falco peregrinus), Alpenschneehuhn (Lagopus mutus), Grau-, Schwarz- und Dreizehenspecht (Picus canus, Dryocopus martius, Picoides tridactylus) sowie Neuntöter (Lanius collurio). In der Umgebung des Hundsfeldes brüteten auch bis zu vier Paare des Steinrötels (Monticola saxatilis), wobei in den letzten Jahren nur mehr 1-2 Reviere bestätigt wurden. Das Hundsfeldmoor ist auch zentrales Element des „Important Bird Areas“ Radstätter Tauern (Gressel 1995).

 

Daneben spielt das Moor und die kleinen Seen der Umgebung (Hundsfeldsee, Grünbergsee) durch ihre Lage am Radstätter Tauernpass eine wichtige Rolle als Rastplatz für Zugvögel auf ihrem Weg über die Zentralalpen, besonders während der im Gebiet nicht seltenen Schlechtwetterperioden. Bemerkenswert sind schließlich eine Reihe von Sommerbeobachtungen des Adlerbussards (Buteo rufinus) im Bereich des Hundsfeldmoores (J. Gressel Archiv BirdLife Österreich sowie in Ranner et al. 1995) sowie die wiederholten Feststellungen der Alpenkrähe (Pyyrhocorax pyrrhocorax) im Gebiet (J. Gressel Archiv BirdLife Österreich).

Beeinträchtigung und Erhaltungszustand

In den letzten Jahren existierende Pläne im Rahmen der touristischen Entwicklung von Obertauern, die eine massive Beeinträchtigung des Moores und der Blaukehlchen bedeutet hätten (Wasserableitung, Ausbau des Theoder Körner-Hauses) konnten mittlerweile durch die Gemeinde Untertauern und die Naturschutzabteilung des Amtes der Salzburger Landesregierung abgewandet werden.

 

Die touristische Erschließung des Gebiets stellt nach wie vor eine Bedrohung dar. Vor allem der Besucherdruck im Sommer (u.a. durch Naturfotografen) kann zu empfindlichen Störungen der Brutvögel führen. Einzelne gastronomische Betriebe reichen bis an die Reviergrenzen der Blaukehlchen heran.

Management

Fortsetzung der Gebietsbewachung während der Brutsaison.

Literatur

Gressel, J. (1991): Das Blaukehlchen (Luscinia svecica) und seine Verbreitung im Land Salzburg. Salzburger Vogelkundl. Ber. 3: 10-15.

 

Gressel, J. (1995): Radstätter Tauern. In: Dvorak, M. & Karner, E. (Hrsg.): Important Bird Areas in Österreich. Monographien des Umweltbundesamtes, Band 71, Wien.

 

Ranner, A., Laber, J. & Berg, H.-M. (1995): Nachweise seltener und bemerkenswerter Vogelarten in Österreich 1980-1990. 1. Bericht der Avifaunistischen Kommission von BirdLife Österreich. Egretta 38: 59-98.

Vogelarten aus Anhang I

Art nicht ziehend brütend überwinternd Durchzug P E I G
Luscinia svecica   x            

Legende

p - Paare

x - kommt vor (keine Bestandesangabe möglich)

forage - Nahrungsgast

P, E, I, G - Population, Erhaltung, Isolierung und Gesamtbeurteilung (Bewertung gemäß Standdard-Datenbogen der EU)

Autoren

M. Dvorak & A. Ranner