Nationalparks, Naturschutzgebiete & Co.

Der Gebietsschutz zählt gemeinsam mit dem Artenschutz und der ökologisch nachhaltigen Nutzung zu den Säulen eines umfassenden Naturschutzes. Schutzgebiete sollen die biologische Vielfalt unserer Natur- und Kulturlandschaften schützen, aber auch die abiotischen Ressourcen. Teile von Natur und Landschaft sind von den Naturschutzabteilungen der Bundesländer per Verordnung als Schutzgebiete ausgewiesen.

In Österreich kommen zahlreiche Schutzgebietskategorien vor. Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete sowie Naturdenkmäler gibt es österreichweit. Andere Kategorien, wie beispielsweise „Geschützter Landschaftsteil“ oder „Naturpark“, bestehen nur in einigen Bundesländern. Die Schutzbestimmungen für die Schutzgebietskategorien sind unterschiedlich wie auch die Auflagen für jedes einzelne Gebiet, die in den jeweiligen Gebietsverordnungen festgelegt sind. Die Land- und Forstwirtschaft sowie Jagd und Fischerei sind selbst in den Schutzgebieten meist „im bisherigen Umfang“ gestattet.

 

In Österreich sind 16 Prozent der Bundesfläche als Natura-2000-Gebiet, Nationalpark oder Naturschutzgebiet streng geschützt. Hinzu kommen noch fast 11 Prozent weniger streng geschützte Gebiete, wie z.B. Landschaftsschutzgebiet und Geschützte Landschaftsteile (Überlagerungen von Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorien herausgerechnet). Insgesamt sind somit 28% der Fläche Österreichs geschützt (siehe nachstehende Tabelle).

Naturschutzrechtlich geschützte Gebiete in Österreich (Dez. 2015)

Schutzgebiete Anzahl  km2 Anteil Bundesfläche (%)
Nationalparks         6    2.373         2,8
Europaschutzgebiete (verordnete Natura-2000-Gebiete)      199  12.259       14,6
Naturschutzgebiete      461    3.038         3,6
Landschaftsschutzgebiete      248  12.327       14,7
Natur-Landschaftsschutzgebiete          4       506         0,6
Naturparke        48   4.139         4,9
Geschützte Landschaftsteile      335        84         0,1
Biosphärenparks**          4    1.887         2,2
Sonstige Schutzgebiete (außer Naturdenkmäler)        42    1.483         1,8
Summe   1.347  23.664*          28*

* Summenangabe mit den bereits herausgerechneten Überlagerungen von Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorien.

** Zwei weitere Biosphärenparks sind rechtlich nicht verordnet. Mit Stand Dezember 2016 gibt in Österreich drei Biosphärenparks. "Neusiedler See“ und „Untere Lobau“  entsprachen nicht mehr den UNESCO-Anforderungen an einen modernen Biosphärenpark. "Naturpark Nagelfluhkette" ist von der UNESCO nicht als Biosphärenpark anerkannt.

 

Quelle: Umweltbundesamt, Ämter der Landesregierungen Österreichs: Dez. 2015

Das Schutzgebietsprogramm der Konvention über die biologische Vielfalt

Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Biodiversitäts-Konvention) zielt auf den generellen Schutz der biologischen Vielfalt ab: Gene, Arten, Ökosysteme. Die Nutzung von Bestandteilen der biologischen Vielfalt soll nachhaltig erfolgen. Die sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile sollen ausgewogen und gerecht aufgeteilt werden.

Die Vertragsstaaten haben bei ihren Entscheidungen zur Umsetzung der Ziele der Biodiversitäts-Konvention immer wieder auf die bedeutende Rolle von Schutzgebieten hingewiesen. Im Konventionstext wird die Bedeutung von Schutzgebieten für den Erhalt der biologischen Vielfalt mehrfach hervorgehoben. So werden die Mitgliedstaaten in Artikel 8 unter anderem aufgefordert:

  • Systeme von Schutzgebieten oder solchen Gebieten einzuführen, in denen besondere Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität erforderlich sind, sowie
  • wo nötig, Richtlinien für Auswahl und Einrichtung und Management für solche Gebiete zu entwickeln.

Die Konvention hat daher ein eigenes Arbeitsprogramm erarbeitet (Protected Areas Programme of Work). Dieses umfasst folgende Themen:

  • Planung, Auswahl, Errichtung, Stärkung und Bewirtschaftung von Schutzgebietsflächen und -systemen;
  • Governance, Partizipation, Vorteilsausgleich;
  • unterstützende Aktivitäten;
  • Standards, Bewertung und Monitoring.

Alle Schutzgebiete sollen ein wirksames Management haben. Dieses ambitionierte Ziel wurde in Österreich noch nicht erreicht.

2015 sollen alle Schutzgebiete und Schutzgebietssysteme unter Anwendung des ökosystemaren Ansatzes in die weitere Landschaft integriert sein. Dabei soll auch deren räumliche Vernetzung berücksichtigt sein.

 

Ökosystemarer Ansatz bedeutet eine ganzheitliche Herangehensweise für den Umgang mit natürlichen Ressourcen. Dabei soll ein Ausgleich zwischen den legitimen Ansprüchen auf Schutz, nachhaltige Nutzung und gerechten Vorteilsausgleich erfolgen.

 

Quelle: Niekisch, M. (2008): Die 9. Vertragsstaatenkonferenz und das Schutzgebietsprogramm über die biologische Vielfalt. Natur und Landschaft, 83. Jg., Heft 3: 90-92.