Ökologische Langzeitforschung

© Umweltbundesamt/M. Mirtl

Lag der Schwerpunkt der ökosystemaren Langzeitforschung (LTER) bisher darin, Auswirkungen von Umweltveränderungen auf Ökosysteme zu untersuchen, so werden zukünftig verstärkt sozio-ökonomische Prozesse einbezogen (LTSER).

LTER (Long-term Ecosystem Research)

„LTER“ steht für ökosystemare Langzeitforschung: Forschung, die sich mit der Gesamtheit von Ökosystemen, der Entwicklung von Prozessen und Strukturen über Jahrzehnte befasst. Seit den 70er Jahren waren die Standorte dieser Art von Forschung meist naturräumlich definiert (Einzugsgebiet kleiner Gewässer), von begrenzter Größe (10-1.000 ha) und vorzugsweise naturnahe Gebiete mit Schutzcharakter („LTER-sites“). Die Organisation solcher LTER-Standorte erfolgte in nationalen und kontinentalen Netzwerken. Thematisch konzentrierte sich LTER auf naturwissenschaftliche Fragestellungen wie z.B. Primärproduktion und Stoffkreisläufe.

 

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts setzte eine intensive Diskussion zur künftigen Ausrichtung bestehender und geplanter LTER-Netzwerke ein. Die meisten europäischen Länder besitzen eine Vielzahl LTER-relevanter Infrastrukturen, Projekte und Forschungsgruppen, jedoch in der Regel ohne strategische Abstimmung und Nutzung von Synergien. Diese Tatsache beklagt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur und betont die immense Wichtigkeit, die eine effiziente Koppelung von Ökosystem-Monitoring und Ökosystem-Forschung für das frühzeitige Erkennen von Umweltproblemen hat. Eine nachhaltige Entwicklung nach dem Vorsorgeprinzip fußt u.a. auf dieser Früherkennung. Die Forschungs-Strategiebildung der Europäischen Kommission trägt dem im 6. und 7. Forschungsrahmenprogramm mit Großprojekten zur Vorbereitung einer solchen Forschungslandschaft Rechnung (ALTER-Net, Infrastruktur-Initiative der Europäischen Kommission).

LTSER (Long-term Socio-economic and Ecosystem Research)

Ein zentrales Element aller Innovationsprozesse in LTER besteht darin, den Ökosystem-Begriff auszuweiten. Ziel ist die Integration sozialer, wirtschaftlicher, demoskopischer und nutzungsgeschichtlicher Aspekte. Der Arbeitstitel LT(S)ER symbolisiert traditionelle Ökosystemforschung erweitert um den Faktor „Mensch“. Der räumliche Bezug dafür ist so zu wählen, dass entsprechende sozio-ökonomische Informationen für Naturräume zur Verfügung stehen, die auch nutzungsgeschichtliche Einheiten bilden. In Österreich entspricht dies dem „Regions-Begriff“ wie z.B. für die Region „Eisenwurzen“ im österreichischen Kernraum. Die gesamte Landschaft wird zum Forschungsobjekt.

Forschungsplattformen (LTSER Platforms)

Die Herausforderung besteht darin, ausgewählte Regionen zu Schwerpunkt-Räumen hoch vernetzter Forschung zu entwickeln und zwar quer über wissenschaftliche Disziplinen und in enger Wechselwirkung mit der lokalen Bevölkerung, RegionalentwicklerInnen und EntscheidungsträgerInnen (LTSER Platforms). Selektionskriterien für Forschungsplattformen sind ein Maximum an bestehender Infrastruktur, interessierte KooperationspartnerInnen und die Existenz von Langzeitdaten, auf die künftige Forschungsprojekte aufsetzen können. In Österreich wurden zwei Regionen ausgewählt: „High Alps“ (Ötztaler und Stubaier Alpen) und „Eisenwurzen“ (Nördliche Kalkalpen mit Anteilen an NÖ, OÖ und Stmk). Diese beiden Regionen bilden Kernelemente des österreichischen LTER-Netzwerks und sind Österreichs Beitrag zu diversen anderen kontinentalen und globalen Netzwerken (ALTER-Net, LTER-Europe und ILTERN).

 

Forschungsziel ist es, wissenschaftliche Grundlagen für eine nachhaltige Regionalentwicklung zu erarbeiten, die regionale Charakteristika und Nutzungsgeschichte genauso berücksichtigt, wie den äußeren Rahmen durch den globalen und auch gesellschaftlichen Wandel sowie übergelagerte Wirtschaftsräume.