Forschungsplattformen (LTSER-Plattformen)

© Michael Mirtl

Forschungsplattformen sind Schwerpunkt-Regionen für Langzeitforschung, die auf bestehenden Einrichtungen und Daten aufbauen. In Österreich befinden sich zwei dieser Regionen in Aufbau: "High Alps" in den Tiroler Hochalpen und  "Eisenwurzen" in den nördlichen Kalkalpen.

In LTSER - Long-Term Socio-economic and Ecosystem Research - werden ganze Landschaften mit ihren vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Naturraum zum Untersuchungsobjekt. LTSER kombiniert soziale, wirtschaftliche und nutzungsgeschichtliche Aspekte mit der klassischen ökologischen Langzeitforschung (LTER, Long-term Ecosystem Research).

 

Der geographische Bezugsrahmen für LTSER sind Regionen, die naturräumliche, kulturelle und nutzungsgeschichtliche Einheiten darstellen, wie z.B. die "Eisenwurzen" im österreichischen Kernraum. Solche ausgewählten Regionen werden in Europa derzeit zu komplexen Forschungsinfrastrukturen, sogenannten Forschungsplattformen oder LTSER-Plattformen, entwickelt.

 

Das Konzept der LTSER-Plattformen berücksichtigt drei Schichten:

  • Physische Infrastruktur: Messeinrichtungen, Institutionen, Daten: Demoskopie, Wirtschaft, Naturraum etc.
  • Kommunikationsraum, Konzepte, Vernetzung: gemeinsame Sprache, inhaltliche Schwerpunktbildung, Methoden- und Modellentwicklung, Partizipation, Transdisziplinarität, Vernetzung national und international
  • Konkrete Projekte: "Produktions-Schicht", die unter Nutzung der LTSER-Dienstleistungen und LTSER-Infrastruktur Produkte liefern soll, die in anderem Kontext nicht herstellbar wären - exzellente und innovative Forschung

LTSER-Plattformen sind also regionale Cluster von Forschungseinrichtungen und -projekten, die intern gut abgestimmt und international hochgradig vernetzt sind. Sie sind ebenso Plattformen für die Kooperation unterschiedlichster Fachgebiete (Interdisziplinärität) wie auch zwischen der Forschung und den AnwenderInnen (Transdisziplinarität). Forschungs-Fragestellungen von regionaler Relevanz werden gemeinsam erarbeitet und die Ergebnisse auch regional verwertet (Partizipation, Bildung).

 

Der Mehrwert von Forschungsplattformen liegt in der Arbeitsteilung, der Möglichkeit komplexe Themen zu bearbeiten und gesellschaftspolitisch wichtige Ergebnisse zu liefern. Dies sie am Beispiel Luftschadstoffe verdeutlicht: Aufwändige und teure Messungen von Schadstoffeinträgen werden nur an wenigen Orten durchgeführt. Dafür gibt es aber eine Reihe von Untersuchungen zur Wirkung von Schadstoffen in den verschiedensten Ökosystem-Typen. Durch die gemeinsame Nutzung dieser Messdaten und den regionalen Ansatz können Verursacher identifiziert und die Auswirkungen auf Ökosysteme dargestellt werden.

LTSER stellt hohe Ansprüche hinsichtlich des Forschungsansatzes und der dafür nötigen Rahmenbedingungen:

  • Skalen-übergreifender Ansatz: Betrachtung von kleinräumigen Prozessen und Trends in einzelnen Ökosystem-Typen, wie z.B. Wald oder Grünland, bis hin zu flächendeckenden Analysen ganzer Regionen. Dabei sollen die Ergebnisse jeder Skalenebene für die anderen Ebenen maximal nutzbar sein: “Regionalisierung“.
  • Integrative Bearbeitung von soziologischen, sozioökonomischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen im regionalen Kontext
  • Fokussierung und Effizienzsteigerung der Forschungsaktivitäten und Forschungspotenziale durch die Nutzung von inhaltlichen Synergien, bestehenden Daten und Infrastrukturen.
  • Harmonisierung von regionaler und internationaler Forschung durch die Koppelung von lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Forschungsprojekten. Einbringung der Forschungsplattformen in internationale Projekte mit dem Ziel einer maximalen Arbeitsteilung.
  • Auf Basis einer erleichterten Verfügbarkeit von empirischen Daten und Know-how: Modellbildung und Entwicklung von Szenarien für die Entscheidungsfindung auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene - Politik relevante Information, z.B. proVision Projekt Reichraming.

Auf europäischer Ebene soll ein Netzwerk von 50-100 solcher LTSER-Plattformen entstehen, in denen die wichtigen Naturräume Europas (biogeographische Regionen) exemplarisch beforscht werden. Eine strategische Koppelung mit Monitoring-Netzwerken (Biodiversität, Wasser, Luft) soll die Optimierung von Monitoring-Systemen ermöglichen und wichtige Langzeit-Basisdaten für die Ökosystem-Forschung zur Verfügung stellen.