CCN-Adapt

Österreichweite Risikobewertung und Modellierung der Wechselwirkungen

Mit Hilfe der Verteilung von Arten, die besonders empfindlich auf Klimaveränderungen reagieren, und flächenbezogenen Daten zu den Auswirkungen des Stickstoffeintrags wurde ein Gesamtbild des Risikos kombinierter Effekte in Österreich erstellt. Daraus konnte die Gefährdung sensibler Ökosysteme, wie Wälder, nährstoffarme Moore und extensives Grünland abgeleitet werden. Daten aus dem Langzeit-Ökosystemmonitoring von 55 Standorten wurden herangezogen, um mit komplexen dynamischen Ökosystemmodellen (VSD+, Landscape DNDC), die Bodenverhältnisse und das Mikroklima in Abhängigkeit von Klima, Bewirtschaftung und Luftverschmutzung abzuschätzen. Die Ergebnisse flossen wiederum in Modelle (VEG, BERN) ein, die Veränderungen der biologischen Vielfalt unter verschiedenen Klima-, Emissions- und Bewirtschaftungsszenarien berechneten. Auf diese Weise konnten spezifische Anpassungsmaßnahmen unter Annahme potenzieller Klimaveränderungen und Stickstoffeinträge hinsichtlich ihres Einflusses auf die Biodiversität getestet werden.

Flächenverluste bei sensiblen Lebensräumen und Abnahme der biologischen Vielfalt

Die Ergebnisse der Risikobewertung zeigen bei fortschreitendem Klimawandel deutliche Flächenverluste bei natürlichen oder naturnahmen Lebensräumen in Österreich. Die meisten Lebensraumtypen der heutigen Natura 2000 Gebiete werden demnach mehr als 50 % ihrer Fläche einbüßen. Bei Stickstoff ist die Lage ähnlich brisant. Selbst bei Erreichen der angepeilten Emissionsreduktion bis 2020 würden 47 % der als sensibel eingestuften Landesfläche (59 %) eine Überschreitung der Grenzwerte aufweisen. Kombinierte Effekte sind auf 23 – 40 % der Natura 2000 Fläche bis 2050 zu erwarten, 6 – 7 % weisen ein besonders hohes Risiko auf. Da weit verbreitete Lebensräume (z.B. Fichtenwälder) ein hohes Risiko aufweisen, ist der Gefährdungsgrad außerhalb der Schutzgebiete noch höher.

 

Die Modellierung der Wechselwirkungen von Klimawandel und Stickstoffeintrag sagt eine Abnahme der Qualität der untersuchten Lebensräume für die heute darin vorkommenden Pflanzenarten voraus. Eine Ausnahme bilden Wälder mit ausreichender Wasserversorgung, in denen die Klimaerwärmung die Stickstoffaufnahme der Bäume forciert und die Verfügbarkeit für den Unterwuchs dadurch verringert. Zunehmende Trockenheit durch Niederschlagsabnahme kann diesen Prozess unterbinden. Waldstandorte in Ostösterreich, an denen hohe Stickstoffdepositionen zu erwarten sind, weisen demnach das größte Risiko für Biodiversitätsverluste durch Eutrophierung auf. Für Wiesenökosysteme wird angenommen, dass ein derartiger Kompensationseffekt nicht zu erwarten ist. Hier führt vermehrtes Wachstum konkurrenzfähiger Pflanzenarten in der Regel zur Abnahme der Artenvielfalt.

Empfehlungen für Anpassungsmaßnahmen

Eine ExpertInnenrunde prüfte die Plausibilität der Modellierungsergebnisse und zeigte anhand konkreter Beispiele auf, welche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel gleichzeitig zu einer Reduktion der Eutrophierung aufgrund von Stickstoffeinträgen beitragen können, indem sie die Resilienz von Ökosystemen verbessern. So sollten Schutzgebiete, die zur Bewahrung bestimmter Lebensräume eingerichtet wurden, künftig angemessene Verbreitungskorridore durch die umgebende oftmals intensiv genutzte und fragmentierte Landschaft bieten, damit ihre Schutzfunktion erhalten bleibt. Gesunde Wälder mit Anpassungsfähigkeit hinsichtlich des Baumwachstums können die Effekte von Stickstoffeinträgen ebenfalls mindern. Die verbesserte Umsetzung von Maßnahmen ist ein Thema, das eine Reihe von Akteuren, wie Raumplanung, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Klimapolitik betrifft. Die Stärkung der Resilienz von Ökosystemen muss sich in den entsprechenden nationalen und internationalen Strategien widerspiegeln.

Das Forschungsprojekt CCN-ADAPT wurde unter Leitung des Umweltbundesamtes in Kooperation mit der Universität Wien, dem Bundesamt für Wald, der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft (HBLFA) Raumberg-Gumpenstein und der Firma ÖKO-DATA durchgeführt.

 

Projektlaufzeit: Mai 2013 – April 2016

Förderprogramm: Austrian Climate Research Programme (ACRP)