OrientGate

Wissen aus der Klimaforschung nutzen

Eine wesentliche Aufgabe von OrientGate bestand darin, den aktuellen Stand des Wissens aus der Klimaforschung für EntscheidungsträgerInnen – wie beispielsweise StädteplanerInnen, Naturschutzbehörden, Regionalentwicklungsverbände, GebietsbetreuerInnen oder Baubehörden - zugänglich zu machen. Zu den wichtigsten Projektergebnissen zählen sechs Pilotstudien mit konkreten Klimawandelanpassungsmaßnahmen, eine Datenplattform mit Verbindung zum EU Clearinghaus für Klimawandelanpassung, weiterbildende Seminare und Workshops sowie die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der hydrogeologischen Behörden aller südosteuropäischen Länder.

Pilotstudie 1: Angepasste Waldbewirtschaftung am LTER-Standort Zöbelboden

Damit Wälder ihre Funktionen trotz Klimawandel erfüllen können, muss das Waldmanagement an die neuen Bedingungen angepasst werden. Dazu ist die Kenntnis über Langzeiteffekte von Bewirtschaftungsmaßnahmen im Wald auf die Ökosystemfunktionen unabdingbar. Als Basis erhoben die ExpertInnen des Umweltbundesamtes in einem ersten Schritt den aktuellen Stand des Wissens über die Auswirkungen von Klimaänderungen auf Waldfunktionen. Langzeitdaten vom Standort Zöbelboden, die bis ins Jahr 1993 zurückreichen, dienten in der Folge dazu, ein bestehendes Ökosystemmodell (Landscape-DNDC) für die Untersuchungsfläche zu kalibrieren. Der Waldstandort ist typisch für die österreichischen Karstgebiete. Mit Hilfe des Modells wurden Szenarien für Klima und Waldbewirtschaftung im Hinblick auf die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen aus Karstgebieten entwickelt. Ein bereits vorhandenes karsthydrologisches Modell für den Zöbelboden floss in die Berechnungen mit ein, sodass Aussagen für das konkrete Untersuchungsgebiet getroffen werden konnten. Die Szenarien zur Waldbewirtschaftung wurden gemeinsam mit Fachleuten der Universität für Bodenkultur sowie der Bezirksforstdirektion Steyr erarbeitet.

Positive und negative Effekte des Klimawandels

Die Modellergebnisse der Pilotstudie zeigen, dass der Klimawandel sowohl positive als auch negative Wirkung auf Nitrateinträge in Karstgrundwasser hat. Nach größeren forstlichen Eingriffen muss in Zukunft mit erhöhten Austrägen aus dem Boden gerechnet werden. Über längere Zeiträume gesehen nimmt die Nitratauswaschung aber eher ab, da durch verstärktes Baumwachstum mehr Stickstoff gebunden wird. Durch die unterschiedlichen Abflusswege im Karst erfolgt eine Mischung hoher Nitratmengen aus dem Bodenwasser mit „älteren“ Abflusskomponenten, sodass schließlich weniger Nitrat in den Karstquellen landet als im Bodenwasser vorhanden ist. Allerdings führen vermehrte Störungen im Waldökosystem, wie sie durch Klimawandel bedingt sein können, langfristig zu steigenden Nitratkonzentrationen im Karstgrundwasser.

Projektlaufzeit: Juli 2012 – Juni 2015

Förderprogramm: South East Europe Transnational Cooperation Programme (Interreg IVC

 

Publikationen:

  • Dirnböck, T., Kobler, J., Kraus, D., Grothe, R. Kiese R. (2016). Impacts of management and climate change on nitrate leaching in a forested karst area. Journal of Environmental Management 165: 243-252.
  • Hartmann, A., J. Kobler, Kralik, M., Dirnböck, T., Humer, F., Weiler, M. (2016). Model-aided quantification of dissolved carbon and nitrogen release after windthrow disturbance in an Austrian karst system. Biogeosciences 13(1): 159-174.