Emerging Pollutants

Mit Umwelt Forensik ans Licht gebracht

Der Begriff „Emerging Pollutants“ bezeichnet verschiedene Substanzgruppen organischer Schadstoffe. Sie werden beispielsweise in Flammschutzmitteln, Pharmazeutika, Tensiden, Bioziden, Körperpflegemitteln oder Pestiziden eingesetzt.

Emerging pollutants sind nicht notwendigerweise neue Chemikalien, doch ist der Wissensstand über Ökotoxizität und potenzielle gesundheitsschädliche Auswirkungen noch gering. Da die entsprechenden Rechtsgrundlagen häufig noch fehlen, gibt es auch keine EU-weiten Umwelt-Monitoringprogramme zu deren Erfassung.

Der Nachweis dieser Substanzen ist Detektivarbeit. Erst die Entwicklung neuer hochauflösender Analysensysteme in den letzten Jahren ermöglichte ihr Aufspüren in der Umwelt in entsprechend hoher Qualität. Sie sind daher Gegenstand zahlreicher Forschungsvorhaben.

Risikominimierung durch frühzeitiges Erkennen

Das Umweltbundesamt hat sich u.a. die Minimierung von bestehenden sowie eine Vermeidung von künftigen Expositions-Risiken durch unbekannte bzw. noch zu wenig untersuchte Chemikalien zum Ziel gesetzt. Ein Arbeitsschwerpunkt widmet sich schon seit mehreren Jahren der Erfassung und Risikobewertung von emerging pollutants.

Dabei ist das Umweltbundesamt als Partnerinstitution in verschiedenen Forschungs- und Technologieförderprogrammen und Netzwerken der Europäischen Union vertreten:

Das Projekt NORMAN

NORMAN, „Network of Reference Laboratories for Monitoring of Emerging Environmental Pollutants” ist ein Projekt aus dem 6. Rahmenprogramm der Europäischen Union und hat die Errichtung eines Europaweiten Netzwerks von Referenzlaboratorien und Forschungseinrichtungen zum Inhalt mit dem Ziel,

  • den Informationsaustausch über emerging pollutants zu verbessern;
  • und harmonisierte und validierte Messmethoden und Monitoringtools zur Risikoabschätzung zu erarbeiten.

Die Feldstudie CMA

Der Fluss Po in der Provinz Ferrara, Italien war 2006 Schauplatz der ersten Feldstudie „Comparison of Monitoring Approaches for Selected Priority Pollutants“ (PAH, Nonylphenol sowie polybromierte Flammschutzmittel). Unter der Koordination des Joint Research Centre in Ispra galt es für die teilnehmenden Labors aus sieben EU Mitgliedsstaaten die angewandten Probenahme- und Messverfahren mit den künftigen Vorgaben für das Monitoring der Tochter-Wasserrahmenrichtlinie zu vergleichen. Die Prüfstelle des Umweltbundesamt ist Referenzlabor Wasser und nahm an dieser Feldstudie teil.

 

Fazit: es Bedarf der Harmonisierung der Analysenverfahren und der Entwicklung von gemeinsamen Monitoringstrategien auf EU-Ebene.

Forschungsinitiative COST

COST ist eine Forschungsinitiative europäischer Staaten und steht als Abkürzung für Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung.

Die Aktion 636 befasste sich bis 2009 mit dem Themenschwerpunkt „Xenobiotics in the Urban Water Cycle“. Der multidisziplinäre Ansatz sollte durch innovative Lösungsansätze einen Beitrag dazu leisten, die potenzielle Gefährdung von hormonwirksamen Stoffen, die bei ungenügender Abwasserbehandlung in Bäche, Flüsse und Seen gelangen können, für Mensch und Umwelt einzuschränken. Das Umweltbundesamt nahm an einem Ringversuch zur externen Qualitästskontrolle teil und stellte seine hohe Kompetenz bei der Analytik von organischen Schadstoffen unter Beweis.