Perfluorierte Tenside

Perfluorierte Tenside sind eine Stoffgruppe, die zu den Industriechemikalien gezählt wird. Ihre einzigartigen oberflächenaktiven Eigenschaften, u.a. sowohl wasser- als auch fettabweisend zugleich zu sein, machen sie in vielen Industriebereichen und auch im Haushalt scheinbar unverzichtbar. Der prominenteste Vertreter heißt Perfluoroctansulfonsäure (PFOS).

 

Der Nachteil ist, dass diese Verbindungen praktisch nicht abgebaut werden, sich daher in der Nahrungskette anreichern und zudem toxische Wirkungen zeigen.  

 

Daher unterstützt der Europäische Wirtschaft- und Sozialausschuss den Vorschlag der EU Kommission vom 5. Dezember 2005 für eine Richtlinie des europäischen Parlaments und des Rates über Beschränkungen des Inverkehrsbringens und der Verwendung von Perfluoroctansulfonsäuren. In die Richtlinie 2006/122/EG sollen Verwendungsverbote für PFOS aufgenommen werden. 

Vom Abwasser in die Polgebiete

Aufgrund ihrer Persistenz werden perfluorierte Tenside selbst in den entlegensten Gebieten der Erde vorgefunden und reichern sich in Lebewesen an. Auch hier haben die Verbindungen ihre Eigenheiten: die Anreicherung erfolgt nicht im Fettgewebe, sondern in Organen und Blutproteinen.

Einsatz in Haushalt und Industrie

Aufgrund ihrer besonderen chemischen und physikalischen Eigenschaften finden perfluorierte anionische Tenside in Industrie und Haushalt mannigfaltige Verwendung. Dazu zählen ihre außergewöhnliche chemische Resistenz und ihr einzigartiges tensidisches Verhalten. Mit PFOS und verwandten Stoffen werden Materialien wie Textilien, Teppiche und Papier sowie allgemein Beschichtungen fett-, öl- und wasserfest gemacht.

 

Sie werden daher als Prozesshilfsmittel vor allem in der Papier-, Leder- und Photoindustrie eingesetzt. Außerdem sind sie Bestandteil einiger Feuerlöschmittel. Im Haushalt finden sie z.B. als Textil- und Möbelimprägnierung sowie in Farben und Schmiermitteln ihre Anwendung.

 

PFOS dürfen in keinem Produkt als Stoff oder Zubereitung in einer Konzentration von 0,1 Massenprozent oder mehr in Verkehr gebracht oder verwendet werden. Ausnahmen gelten nur für wenige Bereiche:

  • Photoresistenzlacke und Antireflexbeschichtungen für photolithografische Beschichtungen
  • industrielle photographische Beschichtungen von Filmen, Papieren und Druckplatten
  • Antischleiermittel für das Verchromen
  • Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt
  • Feuerlöschschäume

Ergebnisse aus Österreich

© Umweltbundesamt/Gröger

Das Umweltbundesamt ist derzeit das einzige Labor in Österreich, das diese Substanzgruppe (PFOS) in Umweltmedien, wie beispielsweise  Oberflächengewässer, Abwasser, Sedimentproben sowie in Biota, Fischen, Lebensmitteln und Produkten nachweisen kann.

 

Die Bestimmung von PFOS ist Teil des Akkreditierungsumfangs. Mittels einer LC-MS/MS Methode können diese Substanzen im unteren Nanogramm-Bereich gemessen werden. Erste Untersuchungsergebnisse wurden bereits veröffentlicht, weitere analytische und toxikologische Publikationen sind derzeit in Ausarbeitung.

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