Phthalate: PVC-Weichmacher mit Gesundheitsrisiko

Die weit verbreiteten Kunststoff-Weichmacher Phthalate gelten als höchst gesundheitsgefährdend. Diese Industriechemikalien werden weltweit in großen Mengen hergestellt und verwendet. Der Mensch nimmt die Phthalate vorwiegend mit der Nahrung, und der Atemluft auf. Auf diesem Weg gelangen sie in den Organismus, wo sie auf den Hormonhaushalt wirken. Besonders gefährdet sind Kinder.  

 

Neuesten Studie zufolge ist die Menge an Phthalaten, die die Bevölkerung aufnimmt, größer als bisher angenommen. Sie werden auch mit dem seit Jahrzehnten beobachteten Rückgang der Spermienzahlen und damit der abnehmenden männlichen Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Phthalate können die Plazentarschranke durchdringen und das Baby im Mutterleib schädigen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass bereits bei derzeitigen Konzentrationen die Entwicklung der männlichen Fortpflanzungsorgane negativ beeinflusst werden kann. Das Abstract zu diesem Artikel ist abrufbar. 

Besondere Gefahr für Kinder

Vor allem Kinder nehmen größere Mengen der Stoffe aus Spielzeugen und Produkten auf, als bisher bekannt. Da gerade Kinder, deren Organismus sich entwickelt, besonders empfindlich gegenüber fortpflanzungsgefährdenden Substanzen sind, wurde eine EU-Richtlinie verabschiedet.

© Umweltbundesamt/Kratz

Die EU-Richtlinie 2005/84 EG verbietet drei gesundheitsgefährdende Phthalate, nämlich DEHP, DBP und BBP in Spielzeug generell, drei weitere in Spielsachen, die Kinder unter 36 Monaten in den Mund nehmen können.

 

Dennoch enthalten leider Spielzeugartikel aus Kunststoff nach wie vor Phthalate, wie Untersuchungen, beispielsweise von Ökotest, zeigen.

Großer Einsatz

Phthalate wie der Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) werden jährlich weltweit in einer Menge von zwei Millionen Tonnen erzeugt; 90 Prozent davon werden dem PVC als Weichmacher (in Konzentrationen bis zu über 50% der Gesamtmasse) zugesetzt und sind in Fußböden, Verkleidungen, Kunststoffbelägen und -artikeln enthalten. Phthalate kommen aber auch in vielen anderen Bereichen zum Einsatz, etwa bei der Herstellung von Insektiziden, Körperpflegemitteln, Medikamenten, Polstermöbeln und Textilien.

 

Da sie aber im Kunststoff nicht chemisch gebunden sind, können sie auch wieder entweichen. So gelangen diese Verbindungen in die Raumluft und in den Hausstaub und können eine Belastung für die Gesundheit darstellen. Eine groß angelegte Studie an schwedischen Schulkindern zeigte einen klaren Zusammenhang von allergischen Symptomen und der Konzentration von Phthalaten im Elternhaus.

In der Umwelt allgegenwärtig

Nachdem Phthalate relativ beständig sind und darüber hinaus fettlöslich sind, reichern sie sich in der Umwelt insbesondere in Sedimenten, an und können in der Nahrungskette kumulieren.