Künstliche Moschusverbindungen

© Umweltbundesamt/Bernhard Groeger

Künstliche Moschusverbindungen finden als preiswerter Ersatz für Moschus, einen Duftstoff aus der Drüse des Moschushirschen, Verwendung. Sie werden in großen Mengen industriell produziert und Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln, Luftverbesserern etc. zugesetzt. Eine aktuelle Studie von Greenpeace zeigt, dass in allen Produkten einer Stichprobe aus 36 der am Markt erhältlichen Parfüms und Duftwässer Moschusverbindungen zu finden sind.

 

Das Umweltbundesamt führte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Umwelthygiene im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen bereits 2002 eine Studie über Moschusduftstoffe im menschlichen Blut durch. Blutproben von 100 Studentinnen und Studenten wurden auf 11 verschiedene Duftstoffe untersucht.

Sechs der untersuchten Stoffe wurden tatsächlich in den Blutproben gefunden. Eine Verbindung war in 16 Personen, eine andere in 45 Personen und einer der Stoffe sogar in 83 Personen nachweisbar.

Einfluss des Konsumverhaltens

Um zu klären, auf welchem Weg die bedenklichen Verbindungen ins Blut gelangen können, wurden die Studentinnen und Studenten über ihr Konsumverhalten befragt. Da diese Stoffe über den Einsatz in Wasch- und Reinigungsmittel ins Abwasser gelangen und so Flüsse und Gewässer  belasten können, kann es zu einer Anreicherung dieser fettlöslichen Verbindungen in Muscheln und Fischen kommen. Im Rahmen der Studie konnte kein Zusammenhang zwischen Blutkonzentrationen und Ernährungsgewohnheiten (häufiger Fischkonsum) hergestellt werden.

Weiters wurde die Häufigkeit und Art der Verwendung von Kosmetika und Reinigungsmitteln abgefragt, da auch der direkte Kontakt mit diesen Stoffen ihren Nachweis im Blut erklären kann.

Zwischen der Häufigkeit der Verwendung von Körpercremen und Duftstoffen im Blut wurde ein deutlicher Zusammenhang festgestellt.

Andere Konsumgewohnheiten waren nicht eindeutig mit den Ergebnissen in Verbindung zu bringen. Die Erklärung dafür liegt in der Vielzahl der Produkte, die Schadstoffe in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Konzentrationen enthalten.

Die gemessenen Konzentrationen lagen einige Größenordnungen unter den Werten, bei denen gesundheitsschädigende Effekte auftreten. Hinsichtlich ihrer toxikologischen Eigenschaften gibt es jedoch Datenlücken. Hinweise auf die hormonartige Wirksamkeit einiger dieser Verbindungen wurden bereits erbracht. Darüber hinaus können sie die Schadwirkungen anderer Giftstoffe verstärken.

Risikobewertung

Manche Duftstoffe (Nitromoschusverbindungen) wurden aufgrund ihrer giftigen Eigenschaften bereits verboten.  Der Verbrauch von Moschus-Keton und Moschus-Xylo, beides  persistente und toxische Substanzen ist innerhalb der EU rückläufig. Die derzeit gängigsten polyzyklischen Moschus-Duftstoffe heißen Tonalid und Galaxolid. Für beide Substanzen wurde eine Risikoabschätzung durchgeführt, die besagt, dass derzeit kein Risiko und kein Handlungsbedarf besteht. Diese Substanzen sind jedoch wegen ihrer potentiellen endokrinen Wirksamkeit weiterhin zu beobachten.