Chemikalien in Müttern und Neugeborenen

Ergebnisse der Um-MuKi-Studie

Quecksilberverbindungen: In den Blutproben aus Wien wurden deutlich höhere Quecksilber und Methylquecksilbergehalte nachgewiesen als in den Blutproben aus Bratislava. Eine mögliche Ursache ist der höhere Meeresfischkonsum der österreichischen Mütter. Im Großraum Wien hing der Quecksilbergehalt des Blutes auch mit der Wohnlage zusammen. Die Werte stiegen vom Land über den Stadtrand zum dicht bebauten Gebiet hin an. Weitere Einflussfaktoren waren das Alter der Mütter und die Anzahl der bisherigen Schwangerschaften. Zwischen dem Rauchverhalten und den Quecksilberwerten konnte kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden. Das gleiche gilt für die Anzahl der Amalgamfüllungen. Die Quecksilberwerte hatten keinen nachweisbaren Einfluss auf Gewicht und Kopfumfang der Neugeborenen.

 

Blei: In Wien waren die Bleigehalte im Blut der Mütter und im Nabelschnurblut höher als in Bratislava. Mögliche Erklärungen dafür sind eine stärkere Trinkwasserbelastung durch die Wohnsituation (in Wien leben wesentlich mehr Studienteilnehmerinnen in Altbauten, in denen es noch verbleite Trinkwasserleitungen gibt) und das Alter. Die Bleikonzentration im Blut stieg mit dem Lebensalter nachweislich an. In Raucherinnen (sowie Ex- Raucherinnen) war dieser Zusammenhang stärker ausgeprägt. Blei beeinflusste das Geburtsgewicht und die Körperlänge der Neugeborenen nicht.

 

Bisphenol A (BPA): Bisphenol A war nur in einem Teil der Proben nachweisbar. Die in Bratislava und Wien im mütterlichen Blut gemessenen BPA-Gehalte lagen deutlich unter den Werten vergleichbarer Mutter-Kind-Studien. Die Testpersonen aus Bratislava waren häufiger und geringfügig höher mit BPA belastet als jene aus dem Raum Wien. Weder bei den Ernährungsgewohnheiten noch bei der Wohn- oder Arbeitsumgebung wurden eindeutige Zusammenhänge zwischen einem der analysierten Umweltfaktoren und der BPA-Belastung festgestellt. Es gab zwar einzelne fachlich plaus­ible Auffällig­keiten, wie etwa die relativ hohen BPA-Konzentrationen bei Plastikfußböden am Arbeits­platz, umgekehrt haben sich aber erwartete Zusammenhänge wie etwa zwischen BPA-Gehalt im Blut und Konsum von Dosennahrung (BPA-haltige Beschichtung) nicht bestätigt.

 

Perfluorierte Tenside (PFT): Diese Schadstoffe waren im Blut aller Testpersonen nachweisbar. Die mittlerweile verbotene Verbindung Perfluoroktansulfonat (PFOS) war im Vergleich zu anderen Studien in geringeren Konzentrationen nachweisbar. Die PFT-Werte der Wiener Mutter-Kind-Paare lagen geringfügig höher als die der slowakischen Mutter-Kind-Paare. Die Konzentrationen von Perfluoroktansulfonsäure (PFOA) lagen in Bratislava deutlich höher als in Wien und auch höher als in anderen Studien. Die Ursachen für diese regionalen Unterschiede sind unklar, vor allem, weil sich kein Zusammenhang zwischen den erhobenen Umweltfaktoren und dem PFT-Gehalt herstellen ließ. Allerdings gaben die Mütter aus Bratislava häufiger Teppichböden als Fußbodenbelag an, diese können mit perfluorierten Tensiden ausgerüstet sein. In Bratislava stiegen die PFOA-Werte mit dem Trinken von Leitungswasser an, allerdings nur bis zu einem Tageskonsum von zwei Litern. Aus der Literatur ist bekannt, dass Kontaminationen des Trinkwassers die Ursache für erhöhte PFOA-Werte sein können.

Offene Fragen und Handlungsbedarf

Die Um-MuKi-Studie zeigt, dass Mütter und ihre ungeborenen Kinder mit Quecksilber, Methylquecksilber, Blei, perfluorierten Substanzen und teilweise Bisphenol A belastet sind. Trotz geringer räumlicher Distanz zwischen Wien und Bratislava lassen sich erhebliche Unterschiede in der Belastung feststellen. Diese Unterschiede sind einerseits durch den persönlichen Lebensstil bedingt, andererseits von Umweltfaktoren abhängig. Die Freisetzung von langlebigen und gefährlichen Stoffen in die Umwelt sollte unbedingt vermieden werden, um die Menschen und insbesondere Ungeborene vor der Belastung mit gesundheitsgefährdenden Stoffen zu schützen. Darüber hinaus ist eine Reduktion dieser Stoffe in der direkten Umgebung der Menschen nötig. Um die Gesundheit der besonders sensiblen Bevölkerungsgruppe der Ungeborenen und Babys vor schädigenden Wirkungen von Chemikalien zu schützen, bedarf es vermehrter Anstrengungen der Chemikalienpolitik sowie einen bewussteren Umgang mit natürlichen Ressourcen.

 

Projektpartner

Partner des Projekts Um-MuKi sind das Umweltbundesamt, das Institut für Medizinische Genetik der Medizinischen Universtät Wien und das genetische Labor Medgene in der Slowakei. Die Probenahmen erfolgten in der Semmelweisklinik Wien und der Medizinischen Fakultät (Neonatologie) der slowakischen Comenius Universität. Das Projekt wurde aus Mitteln des EU-Programms zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Slowakei-Österreich (2007 – 2013),des Lebensministeriums sowie Eigenmittel der Partner gefördert.

 

Weitere Informationen:

Petra Kestler, Pressestelle Umweltbundesamt, mobil: 0664 966 86 26

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