Siloxane

Bausteine für Silikonprodukte

Siloxane sind Bausteine für Silikonprodukte. Sie galten lange Zeit als ungefährlich, allerdings gibt es Hinweise auf gefährliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt.

 

Siloxane besitzen aufgrund ihrer vielen verschiedenen Eigenschaften ein breites Anwendungsspektrum und werden daher weltweit sehr häufig in Produkten verwendet. Seit drei Jahrzehnten werden sie in Konsumentenprodukten eingesetzt; vor allem im Kosmetikbereich als Pflege- und Konservierungsmittel. In der Öffentlichkeit sind vor allem Silikone bekannt, die aus Siloxanen hergestellt werden.

 

Siloxane sind organische Siliziumverbindungen, also Verbindungen der Elemente Silizium (Si), Sauerstoff (O), Kohlenstoff (C) und Wasserstoff (H). Siloxanverbindungen werden rein synthetisch hergestellt, es gibt keine natürlichen Vorkommen. Man unterscheidet lineare (z.B. L3, L4, L5) und zyklische (z.B. D4, D5 und D6) Siloxane.

Eigenschaften und Verwendung von Siloxanen

© Umweltbundesamt/C. Trimbacher Silikonbackformen

Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften, die Siloxane aufweisen können, ist ihr Einsatzbereich sehr groß. Sie können u.a. schmierfähig, weich und biegsam, wasserabweisend und lange haltbar sein und auch sehr hohen oder sehr niedrigen Temperaturen unbeschadet ausgesetzt werden. Daher sind sie Bestandteil in vielen Körperpflegeprodukten, wie Haarpflegemittel, Deodorants, Lippenstift oder Hautcreme. In der chemischen Industrie werden sie u.a. als Hilfsstoff, Weichmacher oder Oberflächenbeschichtungsmittel (für Papierprodukte, Textilien usw.) verwendet. Der Verbrauch an Silikonen in Westeuropa betrug im Jahr 2002 knapp 300.000 Tonnen.

 

Weiters sind sie Ausgangsmaterial für Silikone, die in der plastischen und kosmetischen Chirurgie (für Silikon-Brustimplantate bzw. Silikon-Unterspritzungen) und in der Zahnmedizin (für Zahnabdrücke) ebenso verwendet werden, wie in Haushaltsartikeln (vor allem Backformen) und in Produkten für Babys und Kleinkinder (Schnuller, Trinksauger für Babyfläschchen).

Sind Siloxane gefährlich?

Für den Menschen galten diese Substanzen lange als toxikologisch unbedenklich, allerdings lässt sich das nicht mehr uneingeschränkt behaupten: Es gibt nur einige Siloxane, für die es durch Tierversuche (an Ratten) Informationen zu Gesundheitseffekten gibt; es sind daher nicht genügend Daten vorhanden, um allgemein gültige Aussagen treffen zu können.

 

In der EU ist bisher nur D4 als gefährlich eingestuft. Die in mehreren Studien nachgewiesenen Effekte weisen darauf hin, dass es möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen aber auch in Gewässern längerfristig schädliche Wirkung haben kann.

 

Einige Studien geben Hinweise auf eine mögliche Schädigung der Leber durch D4 und der Lunge durch D5, andere Studien zeigen eine mögliche Betroffenheit von Lunge und Niere durch L2. Für D5 wird eine möglicherweise krebserzeugende Wirkung angenommen.

 

Auch die Daten zur Umwelt-Gefährdung durch Siloxane sind spärlich und beruhen teilweise nur auf Modellen. Dadurch ist die Abschätzung möglicher Gefahren für die Umwelt schwierig. Es ist aber davon auszugehen, dass insbesondere die zyklischen Siloxane besonders langlebig sind, was ihnen die Möglichkeit gibt, auch weite Strecken zu überwinden. Außerdem können sie sich in biologischem Gewebe anhäufen, was beispielsweise beim Kabeljau bereits nachgewiesen wurde.

 

Siloxane sind sehr flüchtig und gelangen schnell in die Luft. Die Hauptkontamination der Umwelt erfolgt daher über flüchtige Siloxane, die beispielweise über Kosmetika, Pflege- und Konservierungsmittel in die Atmosphäre und ins Abwasser gelangen.

Exposition von Mensch und Umwelt

Der meiste Siloxan-Kontakt bei Menschen findet über Körperpflegemittel statt. Durch Eincremen der Haut oder die Haarpflege gelangen Siloxane durch die Haut ins menschliche Blut. Hier sind Frauen aufgrund der häufigeren Anwendung solcher Produkte höheren Mengen ausgesetzt. Zusätzlich werden Siloxane auch durch Einatmen aus der Luft aufgenommen. Das kann aufgrund der hohen Flüchtigkeit dieser Substanzen schon während der Anwendung dieser Pflegemittel passieren, was die aufgenommene Konzentration erhöht. Auch die Aufnahme durch Verschlucken ist möglich.

 

Allerdings wird das Siloxan durch Ausatmen sehr rasch wieder abgegeben. Nur 24 Stunden nach der Aufnahme ist nur mehr 1% der aufgenommenen Menge an D4 noch im Körper vorhanden.

 

In der Umwelt kommen vor allem die zyklischen Siloxane D4, D5 und D6 vor. Hohe Konzentrationen von D4 und D5 wurden, in Zuläufen von Kläranlagen, im Klärschlamm und im Sediment gefunden.

Empfehlungen

Das Umweltbundesamt empfiehlt, Siloxan-haltige Produkte, die mit Babys oder Kleinkindern oder mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, vor dem ersten Gebrauch  – wenn möglich und je nach vorgesehener Verwendung - heiß vorzubehandeln, da dadurch der Siloxan-Gehalt reduziert wird.

 

Vom Hersteller der von uns getesteten Schnuller und Trinksauger wird empfohlen, diese vor dem Erstgebrauch zu desinfizieren und fünf Minuten in Wasser zu kochen. Auch die Siloxan-belastete Backform soll laut Produktinformation vor dem ersten Gebrauch mit heißem Wasser und Spülmittel gereinigt werden.  Die anderen Produkte enthielten keine derartigen Hinweise.

 

Siloxane aus Backformen entweichen vermutlich mit der Zeit durch einen oder mehrere Backvorgänge. Ob sie in die darin gebackenen Lebensmittel übergehen, bedarf einer genaueren Überprüfung. Einschlägige Literatur beschreibt einen solchen Übergang während des Backprozesses. Um die Exposition von Babys und Kleinkindern möglichst gering halten zu können, wären auch für Schnuller und Trinksauger genauere Untersuchungen angebracht, da darin enthaltene Siloxane ins Milchfett gelangen können.