SEIS - Shared Environmental Information System

Das „Shared Environmental Information System“ (SEIS) ist ein Konzept für ein gemeinsames europäisches Umweltinformationsnetzwerk entsprechend der Mitteilung COM(2008)46 der Europäischen Kommission vom 1.2.2008 „ Towards a Shared Environmental Information System (SEIS)”.

 

SEIS soll den einfachen freien Zugang zu umweltrelevante Informationen gewährleisten, zunächst für Umweltverwaltung und –politik, aber auch für Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Forschungseinrichtungen, Universitäten und die umweltinteressierte Öffentlichkeit. SEIS wird in enger Kooperation von Eurostat, DG ENV, EEA und dem JRC (der „Group of Four“, kurz Go4) mit den EU Mitgliedstaaten und EEA-Partnern entwickelt.

 

Die Grundidee von SEIS ist die Integration von Systemen für umweltrelevante Informationen. Derzeit existente Umweltinformationssysteme zielen auf die Erstellung von zentralisierten Datenbanken für Umweltdaten. Diese sollen sukzessive durch dezentrale Systeme ersetzt werden, mit einem Fokus auf direkten Datenzugang, Interoperabilität und Vernetzung. Auch nationale Berichtspflichten an EU/EEA sollen durch elektronische Tools erleichtert werden („Reportnet“).

Sieben Prinzipien von SEIS

  • Informationen werden möglichst direkt an ihrer Quelle gehalten und bearbeitet.
  • Informationen werden nur einmal abgelegt und für unterschiedlichste Anwendungszwecke verfügbar gemacht.
  • Informationen werden für Behörden und die öffentliche Hand zur Erfüllung von Berichtspflichten leicht verfügbar gemacht.
  • Informationen werden für Endanwender leicht zugänglich gemacht, vorrangig für Behörden auf allen Ebenen von lokal bis europäisch, um die Wirksamkeit von bestehenden Richtlinien und Gesetzen zu beurteilen bzw. um neue zu erstellen.
  • Informationen werden verfügbar gemacht, um sowohl öffentlichen Einrichtungen als auch BürgerInnen die Möglichkeit zu geben, selbst Vergleiche auf verschiedensten räumlichen Massstäben (z.B. Länder, Städte, Flusseinzugsgebiete) anzustellen.
  • Informationen werden der breiteren Öffentlichkeit vollständig zur Verfügung gestellt, sofern dies keine Verletzungen des Datenschutzes verursacht.
  • Der Informationsaustausch und die weitere Verarbeitung soll durch frei verfügbare und quelloffene (open-source) Software unterstützt werden.

SEIS ist die konsequente Umsetzung der verschiedenen Bestrebungen auf internationaler Ebene, umweltrelevante Informationen bereitzustellen und Berichtspflichten zu harmonisieren. Im Gegensatz zu INSPIRE ist SEIS nicht nur auf georeferenzierbare numerische Daten beschränkt; SEIS umfast auch nicht-numerische Daten und Informationen sowie Informationen ohne direkten Raumbezug. Dadurch umfasst SEIS im Endausbau die volle Palette von umweltrelevanten Informationen, von einfachen Messungen bis zu hoch aggregierten Indikatoren, Auswertungen und Berichten.

SEIS baut auf folgenden Initiativen auf

  • Aarhus Konvention: Übereinkommen über den Zugang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten.
  • Zugang zu Umweltinformationen: Richtlinie 2003/4/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28. Januar 2003 über den Zugang der Öffentlichkeit zu Umweltinformationen.
  • Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors: Richtlinie 2003/98/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. November 2003 über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors.
  • i2010 / Single European Information Space for Environmental Management: Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen - „i2010 – Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung“.
  • EEA und Eionet: Schaffung der Europäischen Umweltagentur und des „European Environment Information and Observation Network“ (EIONET), in dem das Umweltbundesamt National Focal Point (NFP) und National Reference Center (NRC) für zahlreiche Umweltthemen ist.
  • INSPIRE Direktive: Infrastructure for Spatial Information in the European Community, Richtlinie des europäischen Parlaments und des europäischen Rats zur Verfügbarmachung von räumlichen Informationen.
  • Vereinheitlichung von Berichten: Richtlinie 91/692/EWG des Rates vom 23. Dezember 1991 zur Vereinheitlichung und zweckmäßigen Gestaltung der Berichte über die Durchführung bestimmter Umweltschutzrichtlinien. Diese Richtlinie wird ab 2008 im Sinne von SEIS überarbeitet.
  • GMES: „Global Monitoring for Environment and Security“. Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament - Globale Überwachung von Umwelt und Sicherheit (GMES) : Vom Konzept zur Wirklichkeit.