Abfall
Kapitel aus dem sechsten Umweltkontrollbericht
Ohne Berücksichtigung des in der Regel unbedenklichen Bodenaushubes von rund 20 Mio. t lässt sich das Gesamtaufkommen an Abfällen in Österreich mit rd. 28,6 Mio. t pro Jahr beziffern, wovon rund eine Mio. Tonnen pro Jahr als gefährlicher Abfall einzustufen ist.
- Weiterer Anstieg des Abfallaufkommens aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen von rd. 12% in 3 Jahren.
- Verbesserte Sammelergebnisse bei der getrennten Erfassung einiger Altstoffarten (Papier, Kunststoffe, biogene Abfälle). Die Ergebnisse der getrennten Erfassung von Altglas sind durch die Verdrängung durch Kunststoffflaschen rückläufig, während bei Problemstoffen die Sammelergebnisse annähernd unverändert blieben.
Der bedeutende Anstieg des Aufkommens gefährlicher Abfälle und Altöle um rd. 240.000 t auf rund 1 Mio. t/a ist nicht auf den zusätzlichen Anfall von gefährlichen Abfällen zurückzuführen, sondern auf die Änderung der Definition gefährlicher Abfälle durch die "Verordnung über die Festsetzung von gefährlichen Abfällen und Problemstoffen" (Festsetzungsverordnung 1997).
Obwohl gemäß Festsetzungsverordnung 1997 insgesamt 322 Abfallarten grundsätzlich als gefährlich eingestuft sind, wird das Gesamtaufkommen an gefährlichen Abfällen von nur wenigen Abfallarten maßgeblich beeinflusst. So zeigt sich, dass bereits 80% der Gesamtmasse von nur 17 Abfallarten gebildet werden. Die größten Abfallmassen sind ölverunreinigte Böden, Schlacken und Aschen aus Abfallverbrennungsanlagen, sonstige verunreinigte Böden, Altautos, Altöle sowie Bohr- und Schleifölemulsionen.
Im Jahr 1999 sind rd. 3,1 Mio. t Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen angefallen. Davon wurden über die öffentliche Müllabfuhr rd. 1.315.000 t Restmüll und rd. 219.000 t Sperrmüll abgeführt. Weiters konnten über getrennte Sammlungen rd. 23.000 t Problemstoffe, rd. 1.061.000 t Altstoffe und rd. 478.000 t biogene Abfälle erfasst werden.
Die Verwertung und Behandlung der rd. 3,1 Mio. t Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen erfolgte 1999 zu:
- 15,4% in Anlagen zur Verwertung von getrennt erfassten biogenen Abfällen,
- 34,3% in Anlagen zur stofflichen Verwertung von getrennt gesammelten Altstoffen,
- 0,8% in Anlagen zur Behandlung von Problemstoffen,
- 14,7% in Anlagen zur thermischen Behandlung von Restmüll,
- 6,3% in Anlagen zur mechanisch-biologischen Vorbehandlung von Restmüll,
- 28,5% direkt und unbehandelt auf Deponien.
Seit 1998 ist eine Erhöhung der gesamten Abfallmassen aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen um rd. 321.000 t zu beobachten. Trotz dieser Steigerung ist jener Anteil am Gesamtaufkommen, der einer Deponierung zugeführt werden musste, seit 1996 von 45,4% auf 43,1% weiter zurückgegangen.
Die Steigerung des gesamten Aufkommens der Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen konnte daher durch einen überproportionalen Erfolg bei der getrennten Sammlung und Verwertung von Altstoffen aufgefangen werden.
Die Verwertung und Behandlung der Abfälle erfolgt in ca. 1.500 Anlagen, die Abfälle von Dritten übernehmen. Ein erheblicher Anteil der Abfälle wird unmittelbar in ca. 160 innerbetrieblichen Anlagen verwertet bzw. behandelt.
Zur thermischen Behandlung und Verwertung von Abfällen sind derzeit in Österreich drei klassische Müllverbrennungsanlagen (Flötzersteig, Spittelau, Wels) in Betrieb, die in erster Linie Hausmüll und hausmüllähnliche Abfälle sowie diverse Gewerbeabfälle behandeln. In diesen drei Anlagen wurden im Jahr 1999 rd. 527.000 t Abfälle verbrannt. Im Werk Simmeringer Haide (ehemals EbS) der Fernwärme Wien GmbH werden gefährliche Abfälle in zwei Drehrohröfen (rd. 85.500 t im Jahr 1999) und Klärschlamm in drei Wirbelschichtöfen (rd. 187.000 t im Jahr 1999) thermisch behandelt. Daneben werden spezielle Abfallfraktionen in der Wirbelschichtanlage Lenzing verbrannt.
Eine Reihe von Projekten für neu zu errichtende Verbrennungsanlagen mit einer maximalen Kapazität von rd. 930.000 t/a befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren bzw. im konkreten Planungsstadium.
Aufgrund der aktuellen Entwicklung (BSE-Gefahr bei Rindern) müssen in Österreich beträchtliche Massen an Tiermehl entsorgt werden. Noch im Dezember 2000 begann im Kraftwerk St. Andrä in Kärnten der Probebetrieb zur Verbrennung von Tiermehl. Tiermehl wird unter anderem auch in den Verbrennungsanlagen der vormaligen EbS und der Welser Abfallverwertung thermisch behandelt.
Die Europäische Umweltagentur (EEA) veröffentlicht jährlich Berichte zur Umweltsituation in ihren Mitgliedsländern. Unter dem Titel "Environmental Signals 2000" wird, basierend auf "Abfallindikatoren", ein Vergleich der österreichischen Abfallwirtschaft mit anderen europäischen Staaten hergestellt. Es zeigt sich, dass sich Österreich bei fast allen Indikatoren im europäischen Spitzenfeld bewegt. Bei dem Aufkommen von Abfällen aus Haushalten pro Einwohner hat neben einem weiteren Staat nur Österreich den Zielwert des 5. Umweltrahmenprogrammes der EU erreicht. Hinsichtlich des Prozentsatzes an biologisch abbaubaren Abfällen, die auf einer Deponie entsorgt werden, weist Österreich gemeinsam mit Dänemark die geringsten Werte auf und erfüllt schon jetzt die Vorgaben der EU-Deponierichtlinie für 2016. Dieser Erfolg kann zum Teil dadurch erklärt werden, dass Österreich einer derjenigen Staaten ist, die die Kosten für die Deponierung von Abfällen durch staatliche, ökonomische Maßnahmen erhöhen. Bei der Verwertung von Verpackungsabfällen liegt Österreich für alle betrachteten Verpackungsmaterialien unter den drei besten Staaten. Damit hält Österreich alle Zielwerte der EU-Verpackungsrichtlinie ein, hinsichtlich der stofflichen Verwertung von Kunststoffabfällen als einer von nur zwei Staaten.
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