Pflanzenschutzmittel und sonstige Biozide

Kapitel aus dem sechsten Umweltkontrollbericht

Der Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffverbrauch in Österreich beträgt seit 1992 im jährlichen Schnitt rund 3.275t. Bezogen auf die landwirtschaftliche Nutzfläche ohne Grünland ergibt sich ein Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffaufwand von ca. 2,2 kg/ha und Jahr.

 

Ein Vergleich der jährlich in Verkehr gebrachten Mengen zeigt eine Abnahme der Wirkstoff-Mengen von 1993 bis 1995, gefolgt von einer Zunahme bis 1997 und schließlich wieder einem Rückgang bis zum Jahr 1999 auf 3.119t.

Mit durchschnittlich 732 t pro Jahr (1992 bis 1999) sind Fungizide mit dem anorganischen Wirkstoff Schwefel die mit Abstand mengenmäßig am häufigsten in der Landwirtschaft eingesetzten, gefolgt vom Wirkstoff Mancozeb (Carbamat-Fungizid) mit ca. 168t pro Jahr. Kupferoxychlorid liegt mit durchschnittlich 68t pro Jahr mengenmäßig an dritter Stelle. Insgesamt wurden seit 1992 jährlich im Schnitt 1.461 t Fungizide in Verkehr gebracht.

 

Bei den Herbiziden wurden seit 1992 im Schnitt jährlich 1.663 t in Verkehr gebracht. 1994 kam es zu einem Rückgang um 320 t, der vor allem durch das Verbot von Atrazin-haltigen Mitteln, aber auch durch eine starke Reduktion bei den Wirkstoffen Pyridate, Mecoprop und Metolachlor hervorgerufen wurde. Seither stieg der Verbrauch mit Ausnahme von 1996 jedoch wieder stetig an und erreichte 1999 einen Zuwachs von 109 t gegenüber 1994.

 

Mecoprop (MCPP) ist mit durchschnittlich 279t pro Jahr im Beobachtungszeitraum nach wie vor das mengenmäßig am häufigsten eingesetzte Herbizid in der Landwirtschaft. Hohe Einsatzmengen finden sich weiters bei Metolachlor (ca. 79 t pro Jahr) und Metazachlor (ca. 30 t pro Jahr). Beide Wirkstoffe wurden bereits in mehreren Bundesländern im Grundwasser mit über 0,1 µg/l nachgewiesen. Positive Grundwasserbefunde liegen auch für die Herbizide Bentazon (ca. 27 t pro Jahr) und Pyridate (ca. 61 t pro Jahr) vor.

 

Natriumchlorat wird auf landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen mit durchschnittlich 230t pro Jahr zur Beikrautbekämpfung verwendet.

 

Die jährlich eingesetzten Mengen bei Insektiziden und Akariziden betragen etwa 110 t. Bei diesen Wirkstoffgruppen lässt sich seit 1994 eine stetige Abnahme der eingesetzten Mengen feststellen, die Differenz zu 1994 betrug im Jahr 1999 56 t, das entspricht einer Verringerung um 42%.

 

Nach dem Wegfall von Lindan vom heimischen Markt im Jahr 1998, auf Grund der Widerrufung der letzten aufrechten Zulassung, ist mit Endosulfan (4,7 t im Jahr 1999) noch immer ein Vertreter der für die Umwelt bedenklichen chlorierten Kohlenwasserstoffe im Freiland in Verwendung.

 

Um die Ökologisierung und Extensivierung der österreichischen Landwirtschaft nachhaltig zu sichern, sollte eine weitere Reduktion des Pflanzenschutzmittelverbrauches angestrebt werden.

 

Die Bewertung der Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Umwelt im Rahmen des Zulassungsverfahrens stellt einen wichtigen Beitrag zur Abwendung unannehmbarer Beeinträchtigungen von Ökosystemen durch Chemikalien dar. Durch die diesbezügliche Tätigkeit des Umweltbundesamtes wurden seit 1993 ungefähr 12% der über 800 in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel einer nationalen Umweltbewertung unterzogen. Letztendlich muss jedoch die Umweltbewertung aller am heimischen Markt befindlichen Pflanzenschutzmittel angestrebt werden, wie das auch gemäß Pflanzenschutzmittelgesetz 1997 vorgesehen ist.

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