Radioökologie
Kapitel aus dem sechsten Umweltkontrollbericht
Die Exposition von Mensch und Umwelt mit ionisierender Strahlung wird von natürlichen und aus zivilisatorischen Aktivitäten stammenden radioaktiven Quellen verursacht. Die natürliche Exposition stammt von kosmischer und terrestrischer Strahlung, sowie von der Aufnahme natürlicher radioaktiver Stoffe in den Körper mit der Nahrung oder der Atemluft. Den größten Beitrag zu natürlichen Dosis, die im Mittel in Österreich etwa 3.2 mSv pro Jahr und EinwohnerIn beträgt leisten mit im Durchschnitt etwas mehr als der Hälfte das radioaktive Edelgas Radon und seine Folgeprodukte. Die Radonexposition kann örtlich und zeitlich sehr stark schwanken. Einflussfaktoren sind die Bauweise von Häusern (da Radon in Innenräumen den Hauptbeitrag liefert: Isolation gegen den Untergrund, Lüftungsverhältnisse), Klima (Luftdruck) und der geologische Untergrund (Urangehalt, Permeabilität für Radon).
Die andere knappe Hälfte der Strahlenexposition, etwa 1,4 mSv/Jahr, stammt aus zivilisatorischen Quellen, davon wieder ca. 1,3 mSv aus der Anwendung ionisierender Strahlung und radioaktiver Stoffe in der Medizin, insbesondere in der Röntgendiagnostik. Der Rest ist auf den Betrieb kerntechnischer Anlagen, Anwendungen in Forschung und Technik und auf die Reste des Fallouts der atmosphärischen Atombombentests vor allem der 50er und 60er Jahre, sowie auf den Unfall von Tschernobyl (26.4.1986) zurückzuführen.
Dieser Reaktorunfall hat in einigen Gebieten Österreichs im internationalen Vergleich hohe radioaktive Kontaminationen verursacht. Es handelt sich dabei um jene Gegenden, in denen es während des Durchzugs der kontaminierten Luftmassen (Ende April/Anfang Mai 1986) starke Niederschläge gegeben hat.
In den folgenden Jahren haben Messungen von Lebensmitteln und radioökologische Untersuchungen gezeigt, dass – im Gegensatz zu Agrarprodukten – in Waldprodukten wie Wild, Pilzen und Beeren auch Jahre nach der Deposition hohe Aktivitätskonzentrationen von Radiocäsium auftreten können.
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