Verkehr

Kapitel aus dem sechsten Umweltkontrollbericht

Das Verkehrswesen ist ein Hauptverursacher von Umweltproblemen auf lokaler, nationaler wie auch globaler Ebene.

 

Die Entwicklung der Fahrleistung in Österreich zeigt einen starken Anstieg des Personen- und Güterverkehrs in Österreich.

 

Der größte Anteil des gesamten Transportgeschehens in Österreich entfällt auf den Personenverkehr. In Österreich wurden im Jahr 2000 122 Mrd. Personenkilometer (1970: 61 Mrd. Pkm) zurückgelegt, wovon beinahe 65% im motorisierten Individualverkehr (Pkw, Mofa, Motorrad) und etwa 7% im Flugverkehr zurückgelegt wurden. Das Verkehrsaufkommen im Personenverkehr hat vor allem bei jenen Verkehrsmitteln zugenommen, welche die niedrigste Energieeffizienz aufweisen und die größten negativen Auswirkungen auf die Umwelt entfalten.

 

Hohe Zuwachsraten verzeichnete in den letzten Jahren auch der Straßengüterverkehr, jene Verkehrsart, welche von der Bevölkerung aufgrund der hohen Schadstoff- und Lärmemissionen am deutlichsten negativ wahrgenommen wird. Bedingt durch die spezielle geographische Lage und Situation ist Österreich besonders stark vom Gütertransitverkehr betroffen. Von 1987 bis 1998 stieg die Transportleistung des Straßengüterverkehrs um fast 120% an und hat sich in diesem Zeitraum somit mehr als verdoppelt.

 

Noch weitaus stärker ist die Zunahme der Transportleistung im Flugverkehr. So hat sich der Personenflugverkehr in den letzten 12 Jahren mehr als verdreifacht.

 

Im Radverkehr, dem öffentlichen Personennahverkehr und im Bahnverkehr sind die Fahrleistungen im Personenverkehr gesunken, lediglich im Güterverkehr konnte die Transportleistung der Bahn leicht erhöht werden.

 

Bei der Reduktion der Schadstoffemissionen bei den einzelnen Fahrzeugen konnten in den letzten Jahren Fortschritte erzielt werden. Durch die in europäischen Richtlinien festgelegten Emissionsgrenzwerte für Personenkraftwagen und Lastkraftwagen sowie strengere Qualitätsanforderungen an Treibstoffe sanken die Emissionen der Fahrzeuge ab. Dies führte bei den Schadstoffgruppen Blei (Pb), Schwefeldioxid (SO2), Kohlenwasserstoffe (HC) und Kohlenmonoxid (CO) zu einer merklichen Reduktion der Gesamtemissionen des Verkehrssektors. Die stark gestiegenen Fahrleistungen der letzten Jahre überlagern jedoch die Erfolge bei der Reduktion der Schadstoffemissionen beim Einzelfahrzeug. So konnten die NOx-Emissionen nur geringfügig um 11% reduziert werden. Dies stellt speziell hinsichtlich der Tatsache, dass der Verkehrssektor die größte Verursachergruppe bei den Stickoxidemissionen ist, eine kritische Entwicklung dar. Während die Gesamtemissionen der Personenkraftwagen durch die Einführung des Katalysators gesenkt werden konnten, stiegen jene der schweren Nutzfahrzeuge von 1980 bis 1999 um fast 30% an.

 

Durch die steigenden Fahrleistungen hat weiters der Energieverbrauch und somit der CO2-Ausstoß des Verkehrssektors kontinuierlich zugenommen. So sind die gesamten Kohlendioxidemissionen aus dem Verkehrssektor von 1980 bis 1999 von 13,1 Mio. t auf 20,2 Mio. t angestiegen. Dies entspricht einer Zunahme von 35% innerhalb der letzten neunzehn Jahre. Damit zeigen die Emissionen aus dem Verkehrssektor eine Entwicklung, welche der im Kyoto-Protokoll vereinbarten Verringerung der nationalen CO2-Emissionen deutlich entgegensteht.

 

In einer Studie der WHO (1999) wurden die Gesundheitskosten ermittelt, welche in Österreich durch die verkehrsbedingte Luftverschmutzung hervorgerufen werden. Obwohl die Studie nur die Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr berücksichtigt wurde festgestellt, dass in Österreich etwa 2.400 Todesfälle pro Jahr auf Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr zurückzuführen sind. Damit sterben mehr als doppelt so viele Personen an straßenverkehrsbedingten Luftschadstoffen wie bei Verkehrsunfällen.

 

Die durch straßenverkehrsbedingte Luftverschmutzung hervorgerufenen Kosten belaufen sich laut WHO-Studie auf etwa 40 Mrd. Schilling.

 

Um zu einem umweltverträglichen – wie auch wirtschafts- und sozialverträglichen –Verkehrssystem zu gelangen, muss neben dem Emissionsverhalten der Fahrzeuge auch die Fahrleistung sowie die Verkehrsmittelwahl beeinflusst werden. Dies lässt sich mittels systembezogener Maßnahmen und bewusstseinsbildender Maßnahmen (Kostenwahrheit) erreichen.

 

Die Einführung eines Road Pricing-Systems wird in Österreich seit Jahren diskutiert. Vorgesehen ist als erster Schritt eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe für Lastkraftwagen auf Autobahnen. Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist eine möglichst rasche Einführung eines Road Pricing-Systems zur schrittweisen Internalisierung externer Kosten notwendig, um das Verursacherprinzip im Transportsektor umzusetzen.

Infobox

Downloads

Volltext