Gewässer in Österreich
Kapitel aus dem sechsten Umweltkontrollbericht
Seit Erscheinen des letzen Umweltkontrollberichtes (1998) stellt die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie die wichtigste Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen dar. Damit wurde ein neuer Ordnungsrahmen auch für die österreichische Wasserwirtschaft geschaffen.
Grundwasser ist in Österreich die mit Abstand wichtigste Quelle für die Trinkwassergewinnung. Etwa 99% des Trinkwassers stammen aus Grundwasser, davon etwa die Hälfte aus den Porengrundwasservorkommen der Tal- und Beckenlagen und die andere Hälfte aus den Karst- und Kluftgrundwasserquellen der Gebirgszüge.
Die bedeutendste, das Porengrundwasser beeinträchtigende Substanz ist Nitrat. An 16% der Messstellen wird der Schwellenwert von 45 mg/l (der Trinkwassergrenzwert beträgt 50 mg/l) überschritten. Wertet man die Daten bezüglich Nitrat-Belastung bis Juni 1999 aus, so zeigt sich nur mehr bei 13 % der Messstellen eine Verschlechterung, bei 20% jedoch eine Verbesserung. Aber auch mit diesen ersten Anzeichen einer möglichen Trendwende bleibt die Nitrat-Belastung weiterhin das Hauptproblem bei der Grundwasserbewirtschaftung. Da als Hauptverursacher großräumig nur die Landwirtschaft in Frage kommt, kann auch nur durch Veränderungen in der landwirtschaftlichen Praxis eine Verbesserung erwartet werden. Das System der Ausweisung von Sanierungsgebieten, wie es mit der Grundwasser-Schwellenwertverordnung errichtet worden war, hat sich bisher offenbar nicht bewährt.
Der Schwellenwert und der Trinkwassergrenzwert von Atrazin und Desethylatrazin – einem Abbauprodukt des Herbizids Atrazin – liegt bei 0,1 µg/l. Er wird von Desethylatrazin an 15,5% und von Atrazin an 10% der Messstellen überschritten.
Für das vor allem im Maisanbau eingesetzte Atrazin hat sich das Anwendungsverbot (durch Aufhebung der Zulassung) bewährt. An 72% der wegen ihrer höheren Atrazinbelastung ausgewählten 247 Messstellen nimmt die Konzentration ab, an 24% bleibt diese gleich und an 3,6% musste ein Aufwärtstrend festgestellt werden.
Anders als das Porengrundwasser ist das Karst- und Kluftgrundwasser chemisch kaum beeinträchtigt. Nur bei 1-2% der Quellen gibt es Grund zur Beanstandung. Anders ist die Situation jedoch bei der bakteriellen Verunreinigung. In mehreren Gebieten durchgeführte Untersuchungen zeigen, dass vor allem im Sommer bis zu 80% der Quellen mikrobiologisch nicht den Trinkwasserkriterien entsprechen. Als Ursache werden vor allem der Weidebetrieb und der Tourismus angesehen.
Bei den Flüssen und Bächen Österreichs setzt sich der positive Trend zu einer besseren Wasserqualität fort. Waren 1966/71 noch 17% der Gewässer nach der vierstufigen Güteklassenskala mit III oder schlechter einzustufen, sank dieser Anteil bis 1995 auf unter 5% und bis 1998, bei einer Erhöhung des Anschlussgrades an Kläranlagen, nochmals auf unter 3%.
Weniger positiv als die Wasserqualität stellt sich die Gewässerstruktur dar. Untersuchungen an 56 großen Flüssen (exkl. der Donau) belegten, dass nur 6% der analysierten über 5.000 Flusskilometer noch dem natürlichem Flusstyp entsprechen.
Die österreichischen Seen weisen durchwegs eine gute bis sehr gute Wasserqualität auf. Die bereits in den 60er bzw. 70er Jahren gestarteten Seensanierungsprogramme zeigen ihre Erfolge, nur vereinzelt wird die gute Wasserqualität vor allem durch diffuse Einträge aus landwirtschaftlichen Flächen beeinträchtigt.
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