Zusammenfassende Bewertung und Ausblick
Bei nur 37% Dauersiedlungsraum ist die Erreichung des 1/10-Reduktionsziels der Österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie besonders wichtig. Dazu müsste die Verbrauchsrate für Bau- und Verkehrsflächen bis 2010 auf 2,5 ha pro Tag gedrosselt werden. Das erfordert neben raumplanerischen und planungsrechtlichen Maßnahmen den kombinierten Einsatz von steuerpolitischen, marktanalogen und fördertechnischen Steuerungsinstrumenten.
Wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Standortgemeinden sorgt für Wohn- und Betriebsgebietswidmungen auf Flächen, die gemeinnützige Funktionen (z.B. Erholungs-, Lebensraums- oder Retentionsfunktion) erfüllen oder der Landwirtschaft zur Verfügung stehen sollten.
Die bevorzugte Neuaufschließung der „grünen Wiese“ gegenüber der Nachnutzung alter Betriebsflächen erhöht den Flächenverbrauch (Kapitel 10).
Das Straßennetz wird weiter ausgebaut (Kapitel 14). Zwar sind bei der Planung neuer Verkehrsinfrastruktur Alternativen zu prüfen, vorhandene Infrastrukturen optimal zu nutzen und eine hohe Umweltqualität sicherzustellen (Strategische Prüfung Verkehr), bei der Interessensabwägung fehlen allerdings Vorgaben für die monetäre Bewertung von Umweltgütern in der Kosten/Nutzen-Analyse. Nicht vermeidbare Lebensraumzerschneidungen sind nach bester Möglichkeit auszugleichen (BMUJF 1998). Dennoch machen die Ausbaubestrebungen auch vor naturschutzrechtlich verordneten Gebieten nicht halt (z.B. A22 – Nationalpark Donauauen, Trassenverlauf S33 durch Natura 2000-Gebiet; BMVIT 2006b). Außerdem entstehen an Verkehrsknotenpunkten verkehrsverstärkende und flächenversiegelnde Einkaufs- und Freizeitkonglomerate.
Eine aktuelle, bundesweite und für die Flächenwidmung bindende Ausweisung von Gefahrenzonen mit Rücksicht auf zunehmende Naturgefahren, insbesondere im Hinblick auf den stattfindenden Klimawandel, fehlt. Für eine wirksame Prävention sind Präzisierungen der Schutzziele und Maßnahmen in den Raumordnungsgesetzen erforderlich. Die Sicherung von Retentionsflächen wird auch durch wirtschaftliche Interessenkonflikte zwischen Gemeinden erschwert. Die harte Verbauung steht in vielen Fällen in Konflikt mit den Qualitätszielen der Wasserrahmenrichtlinie (Kapitel 1).
Nachhaltigkeit
Eine nachhaltige Flächennutzung verlangt sowohl die Steuerung der Nutzung von Flächen anhand ihrer Eignung sowie die Schonung und deutliche Minimierung des Verbrauchs, speziell durch Versiegelung der nicht erneuerbaren Ressource Boden. Um die Handlungsmöglichkeiten für zukünftige Generationen nicht einzuschränken (intergenerationelle Gerechtigkeit), ist ein vorsorgender Umgang mit der freien Fläche erforderlich (UMWELTBUNDESAMT 2005). Die Reduktion der Flächenversiegelung gemäß Nachhaltigkeitsstrategie erfordert weitere große Anstrengungen bei Siedlungswesen und Verkehr. Die Umsetzung des Prinzips der Regionalität und der kurzen Wege, der Schutz wertvoller Freiflächen sowie Standortoptimierungen sind auch aus volkswirtschaftlichen und sozialen Überlegungen notwendig.
Die Indikatoren für eine nachhaltige Entwicklung gemäß der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie (BMLFUW 2002a, 2004, 2006c, d) zu diesem Thema sind der „Anteil der versiegelten Fläche“ (Kapitel 3) und die „Änderung der Flächennutzung (regional gegliedert)“. Es zeigen sich seit 1991 Zunahmen der Bauflächen – vor allem in Stadt-Umland-Gebieten und anliegenden Tal- und Beckenlagen. Weiters sind landesweite Zunahmen der Waldflächen und Abnahmen der landwirtschaftlichen Flächen – mit Ausnahme des Innviertels und der Südoststeiermark – festzustellen.
Gesundheit
Raumplanungsaktivitäten verursachen vielfach eine Zunahme des Verkehrs. Die dadurch entstehenden Schadstoff- und Lärmbelastungen beeinträchtigen die Gesundheit der Bevölkerung im Bereich der Verkehrstrassen. Im städtischen Bereich ist vor allem die Planung, Erhaltung sowie Neuerrichtung von Grünflächen zur Erholung und die Ausübung körperlicher Aktivitäten für die Gesundheit bedeutend. Zunehmend werden im Rahmen des Katastrophenschutzes (Hochwasser, Muren, Lawinen etc.) Maßnahmenpläne auf Raumplanungsebene zu entwickeln und umzusetzen sein. Insbesondere funktionsfähige Wälder schützen vor Hochwasserereignissen, Muren und Lawinen. Hitzeperioden, welche – durch den Klimawandel bedingt – in Intensität, Dauer und Häufigkeit zunehmen werden, können durch Erhaltung und Einplanung von städtebaulichen Frischluftachsen in ihren Auswirkungen gemildert werden.
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