Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Stabilität des Waldes durch Klimawandel gefährdet

Fossile CO2-Emissionen können langfristig nicht durch die terrestrische Biosphäre kompensiert werden. Zur Vermeidung schwerwiegender negativer Folgen des Klimawandels hat die Reduktion von Treibhausgasemissionen daher oberste Priorität. Um sich bereits abzeichnende, nicht vermeidbare Auswirkungen auf den Wald und dessen multifunktionale Leistungsfähigkeit weitestmöglich abzumildern, muss dessen Anpassungsfähigkeit erhalten und verbessert werden (BMLFUW 2006a).

 

Grundsätzlich wird vor allem in der Überführung gefährdeter, ungenügend an derzeitige und zukünftige Standortbedingungen angepasster Waldbestände in stärker an der potenziellen natürlichen Vegetation orientierte Wälder eine geeignete waldbauliche Vorsorgestrategie gesehen (SPIECKER et al. 2004, von TEUFEL et al. 2005, LEXER et al. 2006, BÜRGI & BRANG 2001). Das größte Gefährdungspotenzial weisen sekundäre, fichtendominierte Wälder der Tieflagen auf (WWF & ÖBF 2006, PRSKAWETZ & SCHADAUER 2000). Hier sollten standortangepasstere, Wärme ertragende Laubholzarten vermehrt eingesetzt werden (WWF & ÖBF 2006). Aufgrund langer Überführungszeiträume muss mit dem Umbau bereits jetzt begonnen werden. Strukturelle und genetische Vielfalt von Beständen sowie der Einsatz geeigneten Saat- oder Pflanzgutes können weiters maßgeblich zu verbesserter Anpassungsfähigkeit des Waldes beitragen (GEBUREK 1994, 2006).

Systematische waldbauliche Anpassungsstrategien an den Klimawandel werden derzeit in Österreich noch kaum durchgeführt. Mögliche Gründe hierfür sind Wissenslücken und Prognoseunsicherheiten, Informations- und Bewusstseinsdefizite bei Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern, betriebswirtschaftliche Sachzwänge und zu geringe Berücksichtigung von Klimawandelfragen im Förder- und Beratungswesen.

 

Die CO2-Speicherfähigkeit des Waldes hängt maßgeblich von seiner Vitalität, ökologischen Stabilität und Anpassungsfähigkeit ab. Dabei sind Wechselwirkungen zwischen Folgen des Klimawandels, Bewirtschaftungsformen und Luftverunreinigungen von besonderer Bedeutung. Aufgrund des hohen Waldflächenanteils in Österreich von 47% ist das Potenzial zur weiteren gezielten Ausdehnung der Waldfläche durch Neuaufforstungen begrenzt und aus Gründen der Kulturlandschaftserhaltung nur in Regionen mit derzeit geringer Waldausstattung vertretbar (BMLFUW 2006a).

Energieholznutzung darf Nachhaltigkeit nicht gefährden

Ökologische und ökonomische Gründe, insbesondere der Klimaschutz, sprechen für nachwachsende Rohstoffe aus dem Wald. Zu beachten ist jedoch, dass das theoretische Biomassepotenzial nicht dem wirtschaftlich realisierbaren und dieses wiederum nicht dem ökologisch nachhaltig nutzbaren Potenzial entspricht. Eine nachhaltige Biomassenutzung muss sich neben quantitativen vor allem an ökologischen Kriterien orientieren, die von Standort zu Standort variieren können. Es ist darauf zu achten, dass die Biomassenutzung nicht in Widerspruch zu Zielen des Naturschutzes und der multifunktionalen nachhaltigen Waldbewirtschaftung gerät.

 

Abhängig von Vorgangsweise und Standort birgt eine intensivierte Energieholznutzung ökologische Risiken. Gesteigerte Biomasseentnahme ist mit erhöhten Nährstoffverlusten für Waldökosysteme verbunden und kann – wenn die für die standörtliche Nachhaltigkeit erforderliche Balance von Entnahme und Zuwachs nicht beachtet wird – zu Nährstoffungleichgewichten, Arten- und Strukturverarmung, Bodendegradation sowie Zuwachsverlusten führen (WWF & ÖBF 2006). Grundlagenstudien weisen darauf hin, dass hoher Biomasseentzug grundsätzlich mit abnehmender Artenvielfalt verbunden sein kann (HABERL et al. 2001, WRIGHT 1983). Eine vermehrte Anwendung der Vollbaumernte wäre aus ökologischer Sicht kritisch zu bewerten, weil sie mit überproportional hohem Nährstoffentzug bei relativ geringem zusätzlichem Biomassegewinn verbunden ist (STERBA et al. 2003, CENTER FÜR BIOMASSETECHNOLOGIE 1999). Auf eine ausreichende Ausstattung mit Totholz ist bei der Biomassenutzung jedenfalls zu achten, weil Totholz einen notwendigen Lebensraum für eine große Zahl von Waldlebewesen darstellt (LWF 2004). Insbesondere in Schutzgebieten und in seltenen oder sensiblen Waldbiotoptypen muss besondere Rücksicht auf Biodiversitätsziele genommen werden.

Bei entsprechender Umsetzung sind aber auch Synergien zwischen energetischer Biomassenutzung und Biodiversität möglich. Beispiele sind die Erhaltung von Nieder- und Mittelwäldern, die Erhöhung von Strukturvielfalt und Stabilität bei Durchforstungen, die Förderung von Laubbäumen (die für Energieholznutzung besonders gut geeignet sind) und ein beschleunigter Umbau sekundärer Nadelwälder (WWF & ÖBF 2006).

 

Eine effiziente Möglichkeit, Ressourcen zu schonen und die Wertschöpfung der Holznutzungskette zu steigern, bietet die kaskadische Biomassenutzung, d.h. die kombinierte stoffliche und energetische Verwertung, bei der Holzneben- und -abfallprodukte etappenweise oder am Ende des Verarbeitungsprozesses energetisch abgeschöpft werden.

Schutzwirkung des Waldes erhalten

Der anhaltend hohe Wildverbiss gefährdet Regenerationsfähigkeit und ökologische Stabilität der Waldökosysteme. Besonders im meist hoch gelegenen Schutzwald ist zu befürchten, dass auf großen Flächen aufgrund über Jahrzehnte ausbleibender Verjüngung die Kontinuität der Schutzwirkung nicht gewährleistet ist. Das ist angesichts einer erwarteten Zunahme extremer Witterungsereignisse besonders prekär, weil der Bergwald als natürliche Vegetationsform den wirksamsten und wirtschaftlichsten Schutz gegen Naturgefahren darstellt (Bergwaldprotokoll zur Alpenkonvention). In forstwirtschaftlich wenig ertragreichen Bergwäldern ist der Konflikt zwischen hohen Erträgen aus der jagdlichen Bewirtschaftung – die oftmals überhöhte Wildbestände bedingen – und öffentlichen Interessen (Schutzwirkung, Biodiversität) seit Jahrzehnten ungelöst. Wesentlich ist daher die enge Koppelung von Förderungen zur Schutzwaldsanierung an die Beseitigung der Ursachen des Verjüngungsmangels (v.a. hoher Verbissdruck, Waldweide).

 

Die durch selektiven Wildverbiss bewirkte Baumartenentmischung behindert auch außerhalb des Schutzwaldes die Entwicklung standortangepasster, arten- und strukturreicher Wälder und erschwert eine naturnahe Waldbewirtschaftung. Das hohe Wildschadensniveau ist ein indirekter, aber zuverlässiger Indikator für vielfach überhöhte Schalenwildbestände, die die Tragfähigkeit von Waldbiotopen übersteigen (UMWELTBUNDESAMT 1995, 1996). Eine Hauptursache ist in der unangepassten jagdlichen Bewirtschaftung zu suchen. Daneben können Wildschäden auch andere, sich oft überlagernde Ursachen haben (intensive Freizeitnutzung, Lebensraumeinengung, waldbaulich bedingte Wildschadensanfälligkeit, mangelnde forstlich-jagdliche Maßnahmenabstimmung etc.;  UMWELTBUNDESAMT 2004b, REIMOSER 1995, 2001, REIMOSER et al. 2006). Wesentlich für eine nachhaltige Jagdausübung (UMWELTBUNDESAMT 2001b, 2006b) ist eine stärkere Orientierung von Abschussplanung und Bejagung am Vegetationszustand. Das neu installierte bundesweite Wildeinflussmonitoring kann hierzu eine wesentliche Grundlage liefern.

Lebensraum Wald besser schützen

Die Zunahme von Mischwald und der steigende Totholzanteil im Wald sind ein positiver Trend, weil sie die biologische Vielfalt fördern und damit die Waldstabilität erhöhen. Der Flächenanteil von nadelholzdominierten und reinen Nadelholz-Beständen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes nimmt laut Waldinventur stetig ab, ist gemessen an der potenziellen natürlichen Waldvegetation aber immer noch hoch.

 

Der Anteil der aus der forstlichen Nutzung genommenen Wälder ist – auch im internationalen Vergleich – gering (UMWELTBUNDESAMT 2004a, MCPFE 2003b, WWF 2003). Ein effektiver Biodiversitätsschutz erfordert eine Ausweitung der Flächen und deren repräsentative Verteilung über die verschiedenen Waldgesellschaften. Auch mangelt es an Waldschutzgebieten, die primär mit dem Ziel des Biodiversitätsschutzes bewirtschaftet werden. Das Naturwaldreservateprogramm (BFW 2003) des Bundes ist wichtig, es mangelt jedoch an Repräsentativität der ausgewählten Waldgesellschaften sowie an ausreichenden Mitteln für ein effektives Management und Monitoring. Im Österreichischem Waldprogramm ist daher die Ausweitung auf noch fehlende Waldgesellschaften vorgesehen (BMLFUW 2006a).

 

Die Gesetzeslage reicht für einen flächendeckenden Schutz der Waldvegetation vor Schadstoffeinträgen nicht aus (BMLFUW 2006a), da nicht alle relevanten Schadstoffe (etwa organische) erfasst sind und schutzgutspezifische bindende Grenzwerte für einige Substanzen (z.B. für Ozon) fehlen. Bestehende Grenzwerte sind z.T. nur in der Nähe von Schadstoffemittenten anwendbar. Synergismen zwischen unterschiedlichen Schadstoffen werden nicht berücksichtigt.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in Bezug auf den Wald bedeutet, dass die im öffentlichen Interesse stehenden multifunktionalen Waldwirkungen und seine natürliche biologische Vielfalt dauerhaft erhalten werden. Dies erfordert gesunde, ökologisch stabile und regenerationsfähige Waldökosysteme. Hierzu ist es notwendig, dass eine ökosystemverträgliche Waldbewirtschaftung und der Schutz von Waldlebensräumen verstärkt werden und negative Einflüsse (v.a. durch Luftschadstoffe, Wildverbiss, Klimawandel) vermindert werden. Die zunehmend verstärkte Nutzung von Waldbiomasse für Energiezwecke wird im Vorschlag für einen österreichischen Biomasseaktionsplan (ÖSTERREICHISCHER BIOMASSEVERBAND 2006) und in der nationalen Klimastrategie (BMLFUW 2002a, 2007) als ein bedeutender Beitrag zum Klimaschutz gesehen; dieser ist im Vergleich zum stark steigenden Gesamtenergieverbrauch jedoch begrenzt. Bei der Biomasseaufbringung ist darauf zu achten, dass sie unter Wahrung der ökologischen Nachhaltigkeit, ohne Gefährdung der biologischen Vielfalt und möglichst durch regionale Versorgung mit kurzen Transportdistanzen erfolgt. Es ist bestmöglich zu gewährleisten, dass importiertes Holz aus nachweislich nachhaltiger Produktion stammt.

 

Ein Indikator für nachhaltige Entwicklung gemäß der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie (BMLFUW 2002b, 2004a, 2006d, e) zum Lebensraum Wald ist die „Überschreitung von Depositionswerten (critical loads). Der errechnete Anteil der durch Versauerung gefährdeten Waldökosystemflächen ist durch europaweite Reduktionen der SO2-Emissionen stark zurückgegangen, während durch Eutrophierung infolge von Stickstoff-Einträgen gefährdete Flächen keine ausgeprägte Verminderung zeigen (mehr als 95% aller Ökosystemflächen im Jahr 2000; Prognose für 2010: über 85%) (STATISTIK AUSTRIA 2006; POSCH et al. 2005). In Zukunft wird auch der Nachhaltigkeitsindikator „Natürlichkeit der Baumartenzusammensetzung“, welcher die aktuelle Zusammensetzung der Baumarten mit der potenziell natürlichen Vegetation vergleicht, herangezogen (BMLFUW 2006e).

Gesundheit

Der Wald hat hohe Wasserspeicherkapazität und dadurch wichtige Funktionen bei der Erhaltung der Trinkwasserreserven. Die Speicherwirkung des Waldes führt zu unterschiedlichen Abschwächungen von Hochwasserereignissen. Funktionsfähiger Schutzwald stellt einen kostengünstigen und effektiven Schutz von Menschen und Siedlungen vor Naturgefahren wie Lawinen, Muren und Stürmen dar.

 

Wälder wirken aufgrund ihrer Wasser- und Kohlenstoffspeicherkapazität regulierend auf das globale Klima. Auch kleinräumig wirken sich Wälder günstig auf das Klima aus, sie verringern die Sonneneinstrahlung, mildern dadurch Hitze und Trockenheit und erhöhen die Luftfeuchtigkeit.

 

Die Filterwirkung des Waldes führt zu einer Reinigung von Luft und Wasser.

 

Die Erholungs- und Wohlfahrtswirkungen des Waldes tragen maßgeblich zur Gesundheit der Bevölkerung bei.